20:58 16 Oktober 2018
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    Produktion von US-Flaggen bei einer Fabrik in der chinesischen Provinz Anhui

    Verkehrte Welt: Chinas Kolonie zu werden, macht Amerika Angst

    © REUTERS / Aly Song
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    Ein Imperium im Untergangsstadium stirbt nicht so schnell. Sein letztes kräftiges „Hurra!“ kann es noch hervorstoßen. Doch die Lüge und Heuchelei, mit denen das Weltreich seinen Eroberungsfeldzug zum „Schutz westlicher Werte“ begründet, wirken längst nicht mehr. Was bleibt ist die nackte Angst davor, zu einer bloßen Kolonie zu verkommen.

    Jahrzehntelang hat der Westen den Ländern Asiens, Lateinamerikas und Afrikas Wohlstand, Wachstum und Fortschritt verheißen. Der Weg in diese segensreiche Zukunft führte über ausländische Investitionen: Das Kapital (und damit auch die Unternehmensgewinne) müsse ungehindert um den Globus bewegt werden können, lautete das Mantra vieler westlicher Politiker und Experten.

    Kein Wirtschaftsbereich der angezielten Länder durfte von diesem Prozess ausgeschlossen werden. Die Landwirtschaft, der Bergbau, die Industrie, die öffentliche Versorgung, der Verkehr, die Kommunikation – alles musste „modernisiert“ werden, durch Überlassung an US- und EU-Konzerne natürlich.

    Ob General einer Militärjunta, ob Diktator oder Großgrundbesitzer, der einen solchen ins Amt hievte: Wer sich an die reine Lehre der freien Märkte hielt und ausländische Eigentümer ins eigene Land holte, der wurde gelobt und gerühmt.

    „Länder dieser Welt, spezialisiert euch!“ riefen die Verfechter des komparativen Kostenvorteils. Der Westen hat seine Nische in diesem Konzept schnell gefunden: Investieren, die Märkte beherrschen, die Gewinne einstreichen.

    Den Anderen blieb ja auch etwas: Niedriglohn, Sklavenfabriken, Abhängigkeit vom Investor. Wenn dann und wann ein Präsident plötzlich vom Nationalinteresse sprach, wurde er verurteilt, sanktioniert, dämonisiert und gestürzt.

    So lief es lange Zeit unter angelsächsischer Herrschaft, doch die Zeiten ändern sich. Besser gesagt: Sie werden durch Menschen verändert. Viele Politiker der sog. Dritten Welt fanden ihren Weg – jenen der Reform und Innovation. Sie restrukturierten den Staatsapparat, förderten nationale Eliten und Unternehmer, investierten in die heimische Wirtschaft.

    Und siehe da, plötzlich konkurrieren einige von ihnen, wie die Volksrepublik China, mit den westlichen Ländern um Märkte, Ressourcen und Technologien. Als Folge davon wurde der Neoliberalismus und Globalismus in der US-Wirtschaft durch den Nationalismus verdrängt.

    Dies gilt umso mehr für die Magnaten, die sich um den derzeitigen US-Präsidenten vereinigt haben. Eine neue plutokratisch-populistische Allianz haben sie geschmiedet: eine Verknüpfung von Wall Street-Tycoons mit einer zu Niedriglöhnen oder gar nicht beschäftigten Plebs.

    Das ewige Dröhnen von freien Märkten, multilateralen Handelsabkommen und Vorteilen der Globalisierung ist für Washington längst Vergangenheit: Die neue Allianz lebt von protektionistischer Rhetorik – und von massiven Steuersenkungen, Quoten und Zöllen für alle Konkurrenten aus europäischen, asiatischen und nordamerikanischen Ländern.

    Der neue Protektionismus kling wie ein Echo aus dem Amerika des 18. und 19. Jahrhunderts. Damals verteidigten die Vereinigten Staaten mit den Zöllen ihre junge Wirtschaft, heute schützen sie „die nationale Sicherheit“, die von solchen Schurkenstaaten wie China, Mexiko oder Deutschland bedroht wird.

    Präsident Trump hat den USA die nationale Befreiung gebracht. Sein Land sei von Feinden umringt, die ihre Vorzugsstellung ausnutzten, um das „schwache Amerika“ auszubeuten: Aus den Befreiungsdevisen der Dritten Welt wird das „Make the Empire Great Again!“ – der Leitsatz eines dahinsiechenden Weltreichs, das auf den Weltmärkten kaum noch konkurrenzfähig ist.

    Anfangs kann das nationalistisch-populistische Revival in der Tat noch Wirtschaftswachstum stimulieren.

    Einfach weil die Konkurrenten den Aggressor werden irgendwie zufriedenstellen müssen, und weil die herrschenden Klassen wegen Steuersenkungen noch einmal eine Hausse erleben werden, während die Verdammten der Gesellschaft im Glauben an die lichte Zukunft im Sinne der glorreichen Vergangenheit die protektionistischen Banner hochhalten.

    Doch die sinkenden Steuern sind zugleich die steigenden Schulden. Und die Konkurrenten – die werden wegen Verlusten im lebenswichtigen Export irgendwann zu Gegenmaßnahmen greifen und sich mit dem protektionistischen Bazillus anstecken.

    Statt der Linken und Sozialdemokraten werden Nationalisten das Ruder ergreifen und den längst vergangenen Wohlstand heraufbeschwören. Und die einfachen Arbeiter werden zu ihren Parteigängern, einfach um ihre Arbeitsplätze zu erhalten.

    Die nationalen Plutokraten verwandeln sich in autoritäre Aktionisten, die über die Nöte der Volksmassen sprechen werden, um die Klassengegensätze nicht aufkochen zu lassen. Und sie werden viel Zuspruch erhalten, weil die Linken die Werte ablehnen, die von regionalen und lokalen Gemeinschaften geteilt werden.

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    Tags:
    Wirtschaft, Globalisierung, Kapitalismus, Neo-Kolonialismus, Handelskrieg, Investitionen, Diktatur, Wohlstand, Wachstum, Nationalisten, EU, Europa, Afrika, Lateinamerika, Asien, China, USA