12:08 17 Oktober 2018
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    Rubel als Trumpf: Kann sich Russland vom Dollar lossagen?

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    Angesichts der Abwertung des Rubels und der türkischen Lira Ende der vergangenen Woche haben sich hochrangige Vertreter Russlands und der Türkei dafür stark gemacht, auf den Dollar im internationalen Handel zu verzichten. Wie real ist der Verzicht auf den Dollar zugunsten des Rubels bei gegenseitigen Verrechnungen, darunter im Öl- und Gashandel?

    Der US-Dollar werde zu einem unzuverlässigen Instrument für Verrechnungen im internationalen Handel, wie der Vizepremier und Finanzminister Anton Siluanow im Interview für die TV-Sendung „Woskresny Wetscher“ (Sonntagabend) mit Moderator Wladimir Solowjow sagte. Im Unterschied zu VTB-Chef Andrej Kostin oder Präsidentenberater Sergej Glasjew, die sich mehrmals öffentlich für die vollständige Entdollarisierung der russischen Wirtschaft aussprachen, hatte sich der russischen Minister mit solchen Äußerungen bisher dezent zurückgehalten. Nun äußerte der Finanzminister, dass der Wechsel zu den Nationalwährungen im Ölhandel durchaus möglich sei. „Es ist nicht ausgeschlossen. Wir haben unsere Anlagen in US-Aktiva im großen Umfang verringert. Der Dollar, der früher als globale Reservewährung galt, wird de facto zu einem riskanten Instrument für Verrechnungen“. Wenn man sich allerdings die Währungskurse der vergangenen Tage ansieht, entsteht der Eindruck, dass der Rubel ein deutlich riskanteres Instrument ist.

    Fast zur gleichen Zeit äußerte sich der türkische Präsident, Recep Tayyip Erdogan, ähnlich zu diesem Thema. Ihm zufolge bereitet sich Ankara auf den Übergang zum Handel mit seinen größten Partnern, China, Russland, dem Iran und der Ukraine in den Nationalwährungen vor. Wenn sich die europäischen Länder ebenfalls von den Fesseln des US-Dollars befreien wollten, sei Ankara bereit, mit ihnen in den lokalen Währungen zu handeln, ergänzte Erdogan.

    Diese Äußerungen erfolgten vor dem Hintergrund des synchronen Absturzes des Rubels und der Lira. Während der Rubel seit Anfang August „nur“ zehn Prozent seines Wertes verlor, waren es bei der türkischen Lira ganze 45 Prozent. Allein an einem Tag, am 10. August, verlor die Lira 18 Prozent an ihrem Wert. Die Ursachen dafür sind ebenfalls ähnlich – eine weitere Zuspitzung der Beziehungen zu den USA. Russland war daran eher unbeteiligt – es geht um einen Gesetzentwurf von sechs Senatoren zu neuen „Höllensanktionen“ gegen Russland und den Beschluss des US-Außenministeriums, Sanktionen gegen Russland wegen des Skripal-Falls zu verhängen. Die Türkei, die Partner der USA in der Nato ist, ging auf eine neue Verschärfung der Spannungen mit den USA ein, nachdem sie die Freilassung des amerikanischen Pastors Andrew Brunson abgelehnt hatte.

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    Im Prinzip sind in den Worten Erdogans und Siluanows gewisse Elemente der Vernunft zu erkennen. Wenn Russland einwilligt, die Türkei mit Öl in Lira beziehungsweise Rubel zu beliefern, könnten beide Länder problemlos in ihren Nationalwährungen handeln. China als wichtigster Außenhandelspartner Russlands weigerte sich bislang, im großen Umfang zum Handel in Rubel zu wechseln. Doch wenn Russland darauf eingeht, in Yuan zu handeln, könnte Peking womöglich  umgestimmt werden. Die größten Faktoren bei der Ersetzung des Dollars sind der Wunsch der Länder, in ihren Nationalwährungen zu handeln, sowie die Qualität dieser Währungen. 

    Trotz der offensichtlichen Zahlungsfähigkeit Russlands und der relativen makrowirtschaftlichen Stabilität in unserer Wirtschaft, ist der Rubel sicher keine zuverlässigere Währung als der Dollar.

    So weigerte sich China kategorisch den Deal mit Gazprom bis 2035 in Rubel festzuzurren und bevorzugte den Dollar.

    Beim Gashandel wird der Übergang zum Rubel anstelle des Dollars durch die langfristig gestalteten Verträge erschwert. Der größte Abnehmer des russischen Gases, die EU, könnte vielleicht auf den Handel in Rubel statt Dollar eingehen – so wäre es auch billiger für sie. Doch Gazprom würde das kaum gefallen. Die Frage besteht darin, wie man in den Gasverträgen, die für 10-15 Jahre vorgesehen sind, den Wechselkurs festlegen soll. Gerade die Unberechenbarkeit des Rubels macht langfristige Handelsverträge zwischen Russland und anderen Ländern in Rubel unmöglich.

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    Trotz aller Risiken bleibt der US-Dollar die zuverlässigste Weltwährung – gerade deswegen und nicht wegen der militärpolitischen Stärke der USA wird er im internationalen Handel genutzt. Auch von China, dessen Beziehungen zu den USA bei weitem nicht als gut bezeichnet werden können.

    Dabei ist der Wunsch Russlands, sich von der Dollar-Abhängigkeit zu lösen, auch klar.  Im Gesetzentwurf der US-Senatoren ist die mögliche Beschlagnahme der Devisenkonten der größten russischen Banken in den USA vorgesehen – unter dem Vorwand, dass Russland zum „Sponsor des Terrorismus“ erklärt wird. Ausgehend davon ist es nicht mehr weit bis zur Beschlagnahme eines Teils der Gold- und Währungsreserven Russlands, die in den USA angelegt sind, was früher unglaublich schien. Nicht zufällig verkaufte die russische Zentralbank in den vergangenen Monaten aktiv US-Staatsanleihen und könnte deren Anteil demnächst komplett abstoßen.

    Eines bleibt auf jeden Fall festzuhalten: Russland muss seine Abhängigkeit vom US-Dollar maximal verringern und darf dabei den eigenen Staatsbürgern nicht schaden. Der Übergang zu den Nationalwährungen im Handel kann dabei wohl ein Ziel, aber nicht ein Selbstzweck sein.

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    Tags:
    Abhängigkeit, Stabilität, Lira, Öl, Handel, US-Dollar, Rubel, Reservewährung, Recep Tayyip Erdogan, China, Türkei, USA, Russland