15:10 10 Dezember 2018
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    Vorstellung des Überschallbombers Tu-22M3

    Roll-out der „Überschalllanze“: Was kann die neue Tu-22M3M?

    © Sputnik / Maxim Bogodwid
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    Der russische Flugzeugbauer Tupolew hat eine Upgrade-Version des Überschallbombers Tu-22M3 vorgestellt. Im Flugzeugwerk Kasan rollte die Maschine zum ersten Mal aus dem Hangar. Der modernisierte Bomber soll schon bald die Mission seines bewährten Vorgängers in den russischen Luft- und Weltraumstreitkräften übernehmen.

    Seit den Neunzigern forderte das russische Militär eine Modernisierung der Tu-22M3. Damals war wegen der leeren Staatskasse überhaupt nicht daran zu denken.

    Erst Mitte der 2010er Jahre wurde erstmals über die Tu-22M3M, die neue Version des legendären Bombers, berichtet. Heute fand endlich der Roll-out statt: Die neue Maschine wurde in der russischen Stadt Kasan der Weltöffentlichkeit vorgestellt.

    Ein Unterschied zwischen der Vorgänger- und der neuen Version des Bombers ist die Fähigkeit zur Luftbetankung. Ende der Siebzigerjahre beschloss die Sowjetführung, die bei den Tu-22M bereits vorhandenen Systeme abzubauen.

    So forderte es damals der SALT-2-Vertrag. Durch den Ausbau der Luftbetankungssysteme aus den bereits vorhandenen Bombern konnten sie vom Abrüstungsvertrag ausgenommen werden.

    „Das neue Flugzeug kann offenkundig als ein schwerer Bomber eingestuft werden, so wie es der Definition im SALT-1 und dem heute geltenden New-START-Abkommen entspricht“, sagt der Sicherheitsanalyst Konstantin Bogdanow vom Institut für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen der Russischen Akademie der Wissenschaften.

    Demnach muss ein Bomber entweder eine Reichweite von über 8.000 Kilometern aufweisen oder nukleare Marschflugkörper mit einem Aktionsradius von mindestens 600 Kilometern aufnehmen können.

    Die neue Tu-22M3M erfüllt beide Kriterien: deren Reichweite verdoppelt sich durch die nun mögliche Nachbetankung in der Luft; ihre Standardwaffe ist die Ch-32-Rakete, die bekanntlich weiter fliegen kann als 600 Kilometer.

    „Es wurde berichtet, dass rund 30 Bomber auf den M3M-Standard modernisiert werden sollen. Das wäre absolut im Rahmen dessen, was der New-START-Vertrag zulässt“, erklärt der Experte.

    Die Fähigkeit zur Luftbetankung ist natürlich nicht der einzige und nicht der wesentliche Unterschied der Tu-22M3M zu den Vorgängerversionen. Vielmehr zeichnet sich der neue Bomber durch hochtechnologische Bordsysteme (Avionik und Eloka-Anlagen) und präzise Waffen aus.

    Zur Standardbewaffnung der Upgrade-Version zählen Präzisionswaffen wie die bereits erwähnte Ch-32-Rakete sowie Lenkbomben.

    Die Modernisierung der derzeit vorhandenen Tu-22M3 auf den neuesten Stand dürfte laut Experten der russischen Luftwaffe unproblematisch verlaufen. Das russische Verteidigungsministerium rechnet mit den Auslieferungen wie geplant bis 2021-2022.

    Schon jetzt wird erwogen, einen Upgrade der Upgrade-Version zu entwickeln. Der möglicherweise Tu-22M7 genannte Bomber könnte dann mit neuen Triebwerken ausgerüstet werden, die auch im schwersten Überschallbomber der Welt, in der Tu-160, verbaut werden.

    Als die ersten Tu-22M-Bomber ihren Dienst bei der damals sowjetischen Luftwaffe antraten, wurden sie in Fachkreisen als „Eurostrategen“ bezeichnet – eine Anspielung darauf, dass die Überschallmaschine im Grunde jedes Ziel in Europa bekämpfen kann.

    Auch die Fliegerkräfte der Sowjetmarine setzten auf den Bomber als eine Waffe gegen US-amerikanische Flugzeugträger. Insgesamt wurden circa 500 Maschinen vom Typ Tu-22M2 und Tu-22M3 für das sowjetische und später russische Verteidigungsministerium gebaut.

    Gegenwärtig verfügt die russische Luftwaffe über 70 Tu-22M3. Wie gesagt: Davon sollen 30 Stück auf den M3M-Standard gebracht werden.

    Die bisherigen Versionen dieses Bombers wurden aktiv in lokalen Konflikten eingesetzt, von Afghanistan bis Syrien. Dabei warfen die Maschinen hauptsächlich freifallende Bomben auf die Ziele ab. Die Marschflugkörper, die sie hätten einsetzen können, blieben im Waffendepot: Der Krieg, für den sie eigentlich entwickelt wurden, brach glücklicherweise nie aus.

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    Tags:
    Hyperschallrakete, Hyperschallwaffen, Modernisierung, Langstreckenbomber, Überschallbomber, Ch-32, Tu-22M3, Tu-160, Flugzeugbauer Tupolew, USA, Russland