03:42 17 Oktober 2018
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    US-Kampfjet F-35 (Archiv)

    Zweikampf der Ungleichen: F-35 „schlägt“ F-22 über Norwegen

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    Zwei F-35 „Lightning II“ der norwegischen Luftwaffe haben es im Himmel über Norwegen mit zwei F-22 „Raptor“ der US Air Force aufgenommen. Mehr als Show kann diese Luftkampfsimulation nicht gewesen sein. Oder warum veranstaltet Lockheed Martin dieses Event?

    Die fünf Milliarden US-Dollar, die Norwegen für den Kauf seiner vielen F-35 ausgegeben hat, müssen irgendwie gerechtfertigt werden. Wohl deshalb sagte einer der Piloten nach dem Luftkampf, die Raptor sei „ein brutaler Gegner“ – als wollte er damit betonen, was einer F-35 alles zuzutrauen sei.

    Lockheed Martin muss sich in der Tat anstrengen, den Ruf seines neuesten Kampfjets aufzupolieren. Die Qualität und der Einsatzwert der F-35 sind überaus fraglich. Wodurch eine „Lightning II“ sich bisher hervorgetan hat, ist allein der Anschaffungspreis. Der ist auch fast das einzige, worin diese Maschine der leistungsstärkeren F-22 gewachsen ist.

    Es stimmt schon, dass beide Flugzeuge der 5. Kampfjetgeneration angehören und vorrangig nach Stealth-Kriterien entwickelt wurden. Doch schon in dieser Kategorie bleibt die „Lightning II“ hinter der „Raptor“ zurück.

    Den Radarquerschnitt einer F-22 gibt der Hersteller mit 0,0001 Quadratmetern an – ein unvorstellbarer Wert jenseits aller physikalischen Gesetze. Indes versichern die Vertriebsexperten von Lockheed Martin, dass eine F-35 eine noch geringere Radarsignatur aufweise, wobei der genaue Wert aus Gründen der Geheimhaltung natürlich nicht genannt werden könne.

    Klärungsbedürftig sind auch die Schubparameter der F-35. Denn im Unterschied zur F-22 verfügt sie über nur ein Triebwerk, und ohne Nachbrenner kann es die Maschine nicht im Überschallbereich halten. Eine wesentliche Anforderung an einen Kampfjet der 5. Generation ist somit nicht erfüllt.

    Besonders schwach aber ist die „Lightning II“ bei der Manövrierbarkeit. Das können nicht mal mehr die PR-Profis von Lockheed Martin leugnen, weshalb sie aus der Not unvermittelt eine Tugend machen: Ein Flugzeug der 5. Generation brauche keine allzu hohen Leistungsparameter, sie würden durch die ausgeklügelte Bordelektronik überkompensiert, heißt es aus dem Konzern.

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    In die Praxis übersetzt hieße das: Ein F-35-Pilot müsste im Luftkampf gar keine Wendemanöver und Flugfiguren fliegen, der Bordcomputer würde das schon irgendwie steuern. Die F-35 sei demnach ein für den Gegner unsichtbares Waffensystem, das fast schon autonom die gegnerischen Flugzeuge austrickst und Raketen in die richtige Richtung verschießt.

    Klar ist, dass auch hier Wunsch und Wirklichkeit nicht zusammenkommen. Nur vier Flugkörper für den Luftkampf kann die „Lightning II“ in einem Waffenschacht aufnehmen: zwei Kurz- und zwei Mittelstreckenraketen. Damit ist der Platz im Waffenschacht einer F-35 ausgeschöpft.

    Die Kurzstreckenraketen nutzen dem superneuen Kampfjet indes ziemlich wenig. Im Nahkampf ist die F-35 wegen ihrer schwachen Manövrierfähigkeit nicht nur der F-22, sondern auch der russischen Su-35S, einem Kampfjet der Generation 4++, unterlegen.

    Su-35 beim Fliegerwettbewerb Aviadarts 2015
    © Sputnik / Vladimir Astapkovitsch
    Und zwei Raketen für den Luftkampf auf mittlere Distanz sind definitiv zu wenig. Ein Ausweg könnte sein, zusätzliche Luft-Luft-Raketen an den Außenstationen aufzuhängen. Dann aber bliebe von den Tarnkappenfähigkeiten der F-35 nichts mehr übrig.

    Doch nicht alles ist schlecht an der „Lightning II“: Auf ihre „Sinnesorgane“ kann sie sich verlassen. Das Radar der F-35 ist in der Tat fortschrittlicher als jenes der F-22. Auch hat sie ein Passivradar und Infrarotsensoren an Bord, die dem Piloten anzeigen, ob seine Maschine von einem gegnerischen Flugzeug angepeilt wird.

    Eine „Raptor“ steht aber in dieser Hinsicht keinesfalls schlechter da. Ihr Passivradar schützt die Maschine rundum, dank der 30 Empfängerantennen auf den Tragflächen und dem Rumpf. Dieses Schutzsystem identifiziert Strahlungsquellen und gibt deren Koordinaten als Zieldaten an den Bordcomputer weiter.

    Doch davon abgesehen: Die „Lightning II“ konnte die „Raptor“ im Himmel über Norwegen schon deswegen nicht schlagen, weil die beiden Maschinen für völlig unterschiedliche Aufgaben konzipiert wurden.

    Die F-35 ist ein Jagdbomber zur Bekämpfung von Boden- und Überwasserzielen. Teilweise kann dieses Flugzeug auch strategisch eingesetzt werden, weil atomare Gefechtsköpfe zu seiner Bewaffnung zählen. Die Fähigkeit, für sich selbst in der Luft einzustehen, ist gewissermaßen nur ein Nebeneffekt, notwendig, um die gegnerische Flugabwehr zu überwinden.

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    Ein Luftkampf-Spezialist ist die F-35 nicht – wohl aber die F-22. Der Kampf gegen gegnerische Jagdflugzeuge ist ihr Kernauftrag, dafür wurde sie in den 90er Jahren entwickelt.

    Der modernste russische Kampfjet, der auf diese Aufgabe ausgelegt wurde, ist die Su-35S. Von dem amerikanischen Jäger der 5. Generation ist diese Maschine gar nicht so weit entfernt, wie es auf den ersten Blick erscheinen könnte.

    Ja, die Suchoi ist kein Tarnkappenjäger, und ihr Höchsttempo ohne Nachbrenner ist nur geringfügig höher als die Schallgeschwindigkeit. Dennoch würde sie eine F-35 im Nahkampf mit Sicherheit zerstören – allein schon, weil sie deutlich agiler ist als selbst die „Raptor“. Die Schubvektorsteuerung und optimierte Tragflächen machen es möglich.

    Außerdem: Würden die beiden Kampfjets – die F-35 und die Su-35S – einander auf kurzer Distanz begegnen, würde der russische Jäger die amerikanische Maschine sofort orten können. Das Passivradar der Suchoi würde die „Lightning“ anhand deren Radarstrahlung identifizieren.

    Dann würde die Suchoi ihr Aktivradar einschalten und die F-35 mit einer Irbis-Rakete eliminieren. Diese Luft-Luft-Rakete hat einen Aktionsradius von 300 Kilometern – gegen die 120 Kilometer der AIM-120 der „Lightning“. Bei einem Duell auf längere Entfernung verliert die F-35 also von vornherein.

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    Tags:
    Simulation, Luftwaffe, Stealth, F-22, F-35, Lockheed Martin, Norwegen, USA