18:01 23 September 2018
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    NATO-Manöver in Lettland (Archiv)

    Alibi für Zangenangriff der Nato: Lettland fürchtet das „Donbass-Szenario“

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    Nesawissimaja Gaseta
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    Auf den ersten Blick dient das Manöver „Namejs 2018“ in Lettland nur der inneren Sicherheit des Landes. Begründet wird die Übung aber damit, dass Russland in der baltischen Republik vorgeblich „ein Donbass -Szenario“ plane. Währenddessen bereitet die Nato Übungen vor, die größer sein werden als alle Militärmanöver des letzten Jahrzehnts.

    Beim lettischen Manöver sollen die Erfahrungen aus der Ukraine-Krise berücksichtigt werden: Hybridkrieg, spontane Unruhen im Land, bewaffnete Milizen ohne Erkennungszeichen – das alles soll Teil der Übung „Namejs 2018“ sein, sagte der Befehlshaber der lettischen Streitkräfte, Generalleutnant Leonids Kalninš.

    Gemäß der Übungslage werden zunächst Sondereinheiten des lettischen Innenministeriums die Niederschlagung der Unruhen versuchen. Dann kommen ihnen Nato-Truppen zur Hilfe. Nato-Verbündete simulieren dabei den Gegner.

    Der Militärexperte Schamil Garejew hält das Manöver für „eine Einstimmung der baltischen Zivilbevölkerung auf Kampfhandlungen“ durch die Nato-Führung. „Es ist absurd, aber die lettische Regierung ist von der russischen Bedrohung geradezu besessen. Die Abwehr Russlands ist ihr ständiger Plan“, sagt er.

    Auffällig ist, dass in wenigen Tagen ein ähnliches Manöver unweit der russischen Südgrenze, in Georgien, stattfinden wird. Auch lettische Truppen werden neben anderen Nato-Kräften an der „Agile Spirit“ genannten Übung teilnehmen – wohl um mit georgischen Kollegen die Erfahrungen im Kampf gegen „Separatisten“ zu teilen.

    Der Übungsentwurf sieht vor, dass georgische und amerikanische Marineinfanteristen gemeinsam die Schwarzmeerküste erstürmen, die von einem fiktiven Feind (Russland oder Abchasien, muss man annehmen) besetzt worden sei.

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    Dass die Nato ihre Aktivitäten an Russlands Grenzen verstärkt und Russland vom Nordwesten, Westen und Süden her gewissermaßen in die Zange nimmt, ist ohnedies nicht zu übersehen. Kürzlich erst wurde berichtet, dass die Nato einen ehemals sowjetischen Fliegerhorst im litauischen Kazlu Ruda saniert.

    Der Stützpunkt soll den Nato- und US-Kräften als Bombodrom dienen, auf dem die westliche Allianz Luftangriffe gegen Bodenziele trainieren kann. Auch die strategischen B-52-Bomber der US Air Force sollen dabei zum Einsatz kommen. Und dies alles keine Autostunde von der russischen Oblast Kaliningrad entfernt.

    Indes versichert die Nato-Sprecherin, Oana Lungescu, das Vorgehen der Allianz habe einen „rein defensiven Charakter“. Mehr noch: Das Verhalten der Nato entspräche „unseren internationalen Verpflichtungen“, sagte die Vertreterin.

    „Im Ostteil der Allianz sind 4000 Soldaten stationiert – mit dem Ziel, jegliche mögliche Aggression einzudämmen. Diese Kräfte stehen in keinem Vergleich zu den von Russland stationierten Divisionen. Russland hat seine Truppen außerdem in der Ukraine, in Georgien und in Moldau stationiert, entgegen dem Willen der Regierungen dieser Länder“, so Oana Lungescu.

    Mit dieser glatten Lüge hat die Nato-Sprecherin offensichtlich versucht, das Argument des russischen Präsidenten, Wladimir Putin, zu entkräften, dass das Nato-Kontingent in Osteuropa eine Gefahr für die Russische Föderation darstelle.

    In der unmittelbaren Nähe der russischen Grenzen entstehen Anlagen der US-amerikanischen Raketenabwehr. „Das sind keine einfachen Raketenabwehrsysteme. Das sind Systeme, die auch für den Start von Mittelstreckenraketen verwendet werden können“, betonte Putin auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit dem finnischen Staatspräsidenten, Sauli Niinistö.

    Mit anderen Worten: Der sogenannte Raketenschild kann auch für Raketenschläge gegen weite Teile Zentralrusslands eingesetzt werden.

    Der russische Präsident sagte außerdem, dass die Nato-Infrastruktur immer weiter auf Russlands Grenze vorrücke: „Die Zahl der Mannschaften und der Technik wird aufgestockt, es finden immer mehr Übungen statt“. Gegenwärtig sei ein weiteres massives Nato-Manöver unweit der russischen Grenzen geplant.

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    Für den kommenden Herbst hat die nordatlantische Allianz ein Großmanöver angekündigt: „Trident Juncture 2018“. Über 45.000 Soldaten, 130 Flugzeuge und 60 Schiffe aus 30 Ländern sollen daran teilnehmen. Das ist das Drei- bis Vierfache jener Kräfte, die in das diesjährige „Zapad“-Manöver Russlands und Weißrusslands involviert waren.

    Vergleichbar ist die Mannstärke von „Trident Juncture“ höchstens mit dem internationalen Kontingent der in diesem Jahr anstehenden „Wostok“-Übung. Doch findet diese russisch-chinesisch-mongolische Gefechtsübung fernab der Nato-Grenzen statt.

    Die Nordatlantik-Allianz trainiert aber vor Russlands Haustür. Medienberichten zufolge wird „Trident Juncture“ auf norwegischem und isländischem Territorium einschließlich der Seegebiete sowie in der Ostsee abgehalten.

    Aber das Nato-Manöver diene ja ausschließlich Verteidigungszwecken, erklärte der Oberbefehlshaber der Nato-Truppen in Europa, Curtis Scaparrotti. Wozu sonst sollte die Allianz einen Luftwaffenverband von der Größe einer ganzen Luftarmee an der russischen Grenze stationieren? Währenddessen wird die Bundeswehr das Manöver, wie Medien berichten, mit 100 Kampfpanzern und über 2000 Transportfahrzeugen verstärken.

    Interessant ist im Zusammenhang mit dem „Trident Juncture“-Manöver auch die logistische Infrastruktur der Nato. Die US Air Force treibt in Europa – unter anderem in Norwegen – mit Nachdruck den Aufbau von Versorgungslagern voran, berichten schwedische Zeitungen. Demnach wurden dafür allein in diesem Jahr 800 Millionen Dollar bewilligt.

    Es bleibt die Frage, warum das Pentagon so viel Geld ausgeben muss, um rechtzeitig europaweit Vorräte für die US-Luftwaffe anzulegen.

    Und übrigens: Anders als die Nato-Sprecherin, Oana Lungescu, behauptet, hat Russland keine Truppen in der Ukraine und in Georgien stationiert. Nur in Transnistrien verrichtet eine kleine russische Friedenstruppe ihren Dienst.

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    Hybridkrieg, Präsenz, Krise, Manöver, Bedrohung, NATO, Donbass, Lettland, Ukraine