01:14 19 September 2018
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    Ein russischer Soldat zeigt der einheimischen Frau den Weg nahe Idlib

    Befreiungsschlag von Idlib: Auf Washingtons Provokation folgt Moskaus Überraschung

    © AFP 2018 / George Ourfalian
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    Die „Schlangengrube von Idlib“ nennen die Einheimischen die Stadt und das umliegende Gebiet im Nordwesten Syriens unweit von Aleppo. Diese Gegend ist zu einem Sammelbecken für Extremisten geworden, hauptsächlich für die Reste des IS und anderer Al-Kaida-nahen Truppen. Vor allem Washington würde diesen Terrorherd allzu gern unangetastet lassen …

    Bis zu 100.000 Terroristen und Extremisten aller Art halten sich gegenwärtig in Idlib im Nordwesten Syriens auf. Sie hatten einst kapituliert und ließen sich von Moskau und Damaskus mit Bussen aus früheren Terrorenklaven in ganz Syrien dorthin evakuieren.

    In dem Gebiet hat sich nun eine Guerilla-Hochburg formiert, und es kommt erschwerend hinzu, dass weder Ankara noch Washington ein Interesse an deren Beseitigung haben.

    Die Türkei könnte die „Schlangengrube“ mit Schuss- und Panzerabwehrwaffen unterstützen – ein massiver Einsatz samt Luftpatrouillen und Stationierung von Flugabwehrstellungen ist von Ankara indes nicht zu erwarten. Zu groß ist der Druck des Weißen Hauses auf den türkischen Präsidenten Erdogan, der unter diesen Umständen die Partnerschaft mit Russland nicht belasten will. Washington aber scheint eine Eskalation in Syrien ganz offensichtlich nicht zu scheuen.

    Wie vor wenigen Tagen bekannt wurde, hat der Sicherheitsberater des Weißen Hauses, John Bolton, bei seinem Treffen mit dem russischen Sicherheitsratssekretär, Nikolai Patruschew, in Genf am 25. August provokativ verkündet, die USA seien „zu einem noch stärkeren Raketenschlag gegen Syrien“ bereit, sollten die syrischen Regierungstruppen „erneut C-Waffen einsetzen“.

    Die US-Führung hat offenkundig vor, genauso zu verfahren, wie sie es im April dieses Jahres bereits getan hat. Damals griff eine US-geführte West-Koalition die syrische Infrastruktur mit Raketen an, nachdem westliche Fachleute gemeinsam mit der syrischen Opposition Chlorgasattacken in einer syrischen Provinz inszeniert hatten.

    Dass der Sicherheitsberater Bolton für dieses Mal einen massiveren Raketenschlag androht, zeigt: Washingtons Absicht besteht darin, die Schlagkraft der syrischen Regierungstruppen zu schwächen, um die Terror-Guerillas aus der „Schlangengrube“ bei der Offensive gegen das benachbarte Aleppo zu flankieren.

    Die Vorbereitungen auf die weitere Provokation mit Giftgas seien in vollem Gange, erklärte ein Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums. Die Aufnahmen einer erneuten „C-Waffen-Attacke“ würden in den nächsten fünf Tagen gedreht. Insofern sei der Raketenschlag der USA nur eine Frage der Zeit.

    Aber: Russland ergreift seinerseits bereits Gegenmaßnahmen.

    Gegenwärtig patrouilliert im östlichen Mittelmeer ein russischer Marineverband aus insgesamt 14 Schiffen (darunter drei Fregatten der Admiral-Grigorowitsch-Klasse) und zwei U-Booten (der geräuscharmen Warschawjanka-Klasse). Zudem überwacht ein Fernaufklärer vom Typ Il-38N das Seegebiet.

    Damit ist der russische Marineverband in der Lage, bis in den zentralen Mittelmeerraum hinein einen „Schiffsschild“ aufzustellen – das heißt: alle Bewegungen der amerikanischen und britischen Marine auf eine Entfernung von 800 bis 1.200 Kilometern von der syrischen Küste mitzuverfolgen. Beim letzten Raketenschlag der West-Koalition gegen Syrien im April dieses Jahres hatte das russische Militär keinen Marineverband dieser Schlagkraft im Mittelmeer zur Verfügung. 

    Mit den heute bereitstehenden Raketenkreuzern und Fregatten kann das russische Militär nicht nur „Flugverbotszonen“ über den Basen von Tartus und Hmeimim verhängen, sondern auch die möglichen Anflugrouten amerikanischer Marschflugkörper (zum Beispiel vom Libanon her) sperren.

    Moskaus größte Überraschung dürfte sich aber im Frachtraum einer großen Transportmaschine der russischen Luftstreitkräfte verbergen, die vor wenigen Tagen mit ausgeschaltetem Transponder in Syrien gelandet ist, wie syrische Quellen berichten.

    Welche Fracht der Militärtransporter (Augenzeugen sprechen von einer An-124) geliefert hat, ist noch unbekannt. Gehen wir aber davon aus, dass die russische Flugabwehr über Mittel- und Südsyrien in diesem Moment verstärkt wird. Damit würden die wichtigsten Flugrouten amerikanischer Tomahawks aus der Richtung des Persischen Golfs abgedeckt. Genau das fehlt noch für einen lückenlosen Raketenschirm über Syrien.

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    Tags:
    Kriegsgefahr, C-Waffen-Angriff, Raketenschlag, Giftgasangriff, Marineverband, Provokation, Luftabwehr, Kriegsschiffe, Luftstreitkräfte, Il-38N, An-124, Pentagon, Verteidigungsministerium Russlands, John Bolton, Nahost, Syrien, USA, Russland