11:25 15 November 2018
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    Beladung eines Tomahawk-Marschflugkörpers an Bord des Atom-U-Bootes USS Emory S. Land der U.S. Navy (Archivbild)

    Tomahawks in Stellung: Was Syrien in Kürze erwarten könnte

    © Foto: U.S. Navy/ Mass Communication Specialist 2nd Class Jeremy M. Starr
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    Das russische Verteidigungsministerium hat vor einer C-Waffen-Provokation in Syrien gewarnt. Demnach planen die USA als Antwort auf einen Chemiewaffeneinsatz einen verheerenden Raketenangriff auf wichtige staatliche und militärische Objekte in Syrien.

    Die USA bauen aktiv ihre Verbände mit Trägern für bord- und luftgestützte Marschflugkörper aus. Am 25. August traf der US-Zerstörer Ross mit 28 Tomahawk-Raketen an Bord im Mittelmeer ein.

    Zuvor bezog der US-Zerstörer Sullivans mit 56 Marschflugkörpern an Bord Stellung im Persischen Golf. Ihre Reichweite deckt fast das komplette Territorium Syriens ab.

    Auf dem Luftwaffenstützpunkt Al Udeid in Katar landete der strategische US-Bomber B-1B Lancer mit 24 Marschflugkörpern AGM-158 JASSM der Luft-Boden-Klasse. AGM-158 sind hochpräzise Marschflugkörper. Sie sind in der Lage, gut geschützte stationäre und mobile Ziele zu treffen —  unabhängig von Witterungsbedingungen und Tageszeit.

    Außerdem können die US-Luftstreitkräfte in den Golfstaaten, wo sich amerikanische Stützpunkte befinden, in kürzester Zeit um das Mehrfache verstärkt werden.

    Bislang gibt es zwar keine Informationen über das Vorhandensein und den Typ der U-Boote in den nahegelegenen Meeren, doch dabei könnte es sich um U-Boote des Typs SSGN-726 Ohio handeln, von denen jedes 156 Tomahawk-Raketen trägt.

    Es ist unklar, ob sich die Luftstreitkräfte Großbritanniens und Frankreichs an einem möglichen Luftangriff beteiligen werden. Wenn ja, dann wird es sich wohl um einige Flugzeuge Großbritanniens und Frankreichs handeln, die mit Raketen des Typs SCALP und Storm Shadow Objekte in Syrien unter Beschuss nehmen können.

    Die wichtigsten Fragen sind derzeit wohl, ob sich das russische Militär an der Abwehr des Raketenangriffs auf  Syrien beteiligen wird und ob Angriffe seitens der russischen Truppen gegen US-Träger von Hochpräzisionswaffen vorgesehen sind.

    Da es keine offiziellen Erklärungen seitens der russischen Führung dazu gab, kann man davon ausgehen, dass die russischen Streitkräfte nicht aktiv an den Ereignissen teilnehmen.

    Kampfjet Dassault Rafale der französischen Luftstreitkräfte vor dem Luftangriff gegen Objekte syrischer Regierung
    © AP Photo / French Defense Ministry/ ECPAD
    Wie im April 2018 könnte zwischen den USA und Russland die Vereinbarung erreicht werden, dass die russischen Einheiten in Syrien von der westlichen Koalition nicht angegriffen werden.

    Die Flug- und Raketenabwehr der syrischen Streitkräfte müsste in diesem Fall bereits zum dritten Mal die Raketenangriffe eines hochmodern bewaffneten Gegners abwehren. „Dabei sollte berücksichtigt werden, dass die Amerikaner selektiv kämpfen und nie dieselben Szenarien der Kampfhandlungen nutzen“, sagte der ehemalige stellvertretende Chef der Hauptverwaltung des Generalstabs, Waleri Saparenko.

    Ihm zufolge könnten die Amerikaner neue taktische Griffe gegen Assad anwenden. Es wäre naiv zu glauben, dass sie genau wie bei ihren früheren Angriffen vorgehen werden.

    „Inwieweit die Handlungen der Fliegerkräfte und Flugabwehrtruppen Syriens zur Abwehr der hypothetischen Angriffen der westlichen Koalition effizient sein werden, ist schwer zu sagen“, sagte der stellvertretende Direktor des Zentrums für Analyse der Strategien und Technologien, Konstantin Makijenko.

    Ihm zufolge ist bislang nur eines klar – seit April 2018 analysieren die syrischen Kommandeure die gesammelten Erfahrungen beim Kampfeinsatz von gegnerischen Marschflugkörpern. Die Kräfte wurden entsprechend geschult, in den bedrohten Gebieten wurden zusätzliche Flugabwehrmittel stationiert.

    Die modernsten Raketenabwehrsysteme, über die die Streitkräfte Syriens derzeit verfügen, sind die Systeme Buk-M2 und Panzyr-S1, wie Makijenko ausführte.

    Selbst bei einem äußerst negativen Szenario würde ein Teil der Marschflugkörper abgeschossen.

    In diesem Fall könnte Russland erneut technologische „Geschenke“ von den USA und ihren Verbündeten bekommen, wenn die Geschosse nach dem Abfangen nicht völlig zerstört sind. Die Trümmer der US-Raketen gelangen dann wieder einmal in die Hände von russischen Spezialisten.

    Dennoch kann nicht behauptet werden, dass die Luftstreitkräfte und die Flugabwehr Syriens mit hoher Effizienz einen Luftangriff abwehren würden. Die Mittel und Kräfte Assads sind nicht ausreichend für eine sichere Flugabwehr. Es wäre deutlich effektiver, wenn die syrischen Regierungstruppen nicht die angreifenden Raketen abschießen, sondern ihre Träger und gegnerische Luftwaffenstützpunkte unter Beschuss nehmen. Doch bislang ist Assads Armee dazu nicht in der Lage.

    Die Vorbereitungen der amerikanischen Luftstreitkräfte und der Marine auf einen massiven Militärschlag gegen Syrien haben sich in den letzten Stunden stark intensiviert.

    „Diese Vorbereitungen sind eine weitere Bestätigung der Absichten der USA, die Inszenierung der Extremisten von Hayat Tahrir asch-Scham unter aktiver Teilnahme der britischen Sicherheitsdienste eines angeblichen C-Waffen-Einsatzes in der Provinz Idlib durch syrische Regierungstruppen nutzen zu wollen“, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums Russlands, Igor Konaschenkow.

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    Tags:
    Raketenzerstörer, Atom-U-Boote, Luftabwehr, Marschflugkörper, Langstreckenbomber, Ohio-Klasse, Tomahawk-Marschflugkörper, B-1B Lancer, Panzyr-S, Buk-M2, U.S. Navy, Nahost, Idlib, Syrien, USA, Russland