05:35 17 Dezember 2018
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    Präsident der Ukraine Petro Poroschenko (Archiv)

    Brandstifter im Asowschen Meer: Poroschenko schürt neuen Konflikt mit Russland

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    Vor dem Hintergrund der Gerüchte um die mögliche Auflösung des Freundschaftsvertrags mit Russland durch die Ukraine hat sich Kiew offenbar für die Militarisierung des Asowschen Meeres entschieden, indem es seinen dortigen Schiffsverband verstärkt.

    „In der nächsten Zeit  ist eine Verstärkung der Schiffsgruppierung, der Marineinfanterie und Artillerie am Asowschen Meer zwecks zuverlässiger Verteidigung aller Grenzen und der friedlichen Aktivitäten im Asowschen Meer geplant“, erklärte der Befehlshaber der ukrainischen Seestreitkräfte, Igor Worontschenko, dieser Tage.

    Anfang August hatten sich auch der Sekretär des ukrainischen Sicherheitsrats, Alexander Turtschinow, und der Generalstabschef Viktor Muscheko für den Ausbau der Kräfte am beziehungsweise im Asowschen Meer ausgesprochen. Damals wurde zudem der russische Tanker „Mechanik Pogodin“ im ukrainischen Hafen Cherson festgesetzt, weil der Besitzer des Schiffes beschuldigt wurde, die Sanktionen gegen die Krim verletzt zu haben. Die russische Seite blockierte deswegen nach Kiews Behauptungen 88 Stunden lang 148 ukrainische Schiffe zwecks Durchsuchungen. Der ukrainische Präsident, Petro Poroschenko, verfügte angesichts dessen „Maßnahmen zur Unterbindung russischer Provokationen“.

    Der ukrainische „Präsidentenbeauftragte“ auf der Krim, Boris Babin, sprach sich ebenfalls für die Verstärkung der Kräfte in der Umgebung der Halbinsel aus und kündigte die Auflösung eines Vertrags mit Russland über die Nutzung des Asowschen Meeres aus dem Jahr 2003 an – und gleichzeitig auch des bilateralen Abkommens über Fischfang von 1993.

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    Allerdings gibt es auch Kritiker, die die Initiativen Poroschenkos, Turtschinows und Worontschenkos für falsch halten. „Mit kleinen Artilleriebooten kann das Problem nicht gelöst werden“, so der frühere Befehlshaber der ukrainischen Seestreitkräfte, Sergej Gaiduk. Die Situation müsste nach seinen Worten „zunächst gründlich analysiert werden“. „Die Gruppierung sollte variabler aufgestellt sein. Der Kommandeur sollte Möglichkeiten für Handlungsspielräume beziehungsweise für die Kompensierung der Mängel einer Waffengattung durch eine andere haben. Dabei sind die Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs erwähnenswert. Damals wurden Minensperren (…) eingerichtet, gegen die Wasserziele wurden Flugzeuge eingesetzt und so weiter.“

    Der ehemalige Befehlshaber der russischen Schwarzmeerflotte, Admiral Wladimir Komojedow, zweifelt jedoch daran, dass die Ukrainer solche Erfahrungen haben. „Die UdSSR hatte sie. Aber wem Gaiduk mit seinen Verkündungen Angst einjagen will, ist unklar. Da können wir gelassen bleiben“, betonte er. Und was den Ausbau der militärischen Kräfte am beziehungsweise im Asowschen Meer angehe, so hätten die Ukrainer einfach keine Möglichkeiten dafür. „Woher werden sie das nehmen? Aus der Luft etwa? Ich weiß nicht einmal, wie sie dort einen Schiffsverband bilden könnten.“

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    Der in Sewastopol beheimatete ehemalige Stabschef der Schwarzmeerflotte, Vizeadmiral Pjotr Swjataschow, nannte das Vorhaben der Ukrainer sogar „ baren Unsinn“. Nach seinen Worten ist die Tiefe des Asowschen Meeres zu gering für den Ausbau der dortigen Schiffsverbände. Aber das größte Problem für Kiew sei die mangelhafte Finanzierung, betonte er. Für alle Aufgaben im Asowschen Meer seien Motorboote des Grenzschutzes zuständig. „Möglicherweise können sie noch die Marineinfanterie dorthin verlegen“, schloss der Vizeadmiral nicht aus. Allerdings sei unklar, wie das geschehen soll: „Die Infanterie muss per Luftlandetruppen dorthin gebracht werden, die die Ukraine nicht hat.“

    „Damit sind allerdings keine Gefahren verbunden. Es geht einfach um die feindselige Politik der Ukraine. Russland hat Luftabwehr- und Fliegerkräfte. Unsere Grenzschutztruppen sollten dafür sorgen, dass unsere Schiffe nicht beschlagnahmt werden“, so Swjataschow.

    Admiral Komojedow äußerte, dass Moskau auf ein solches Vorgehen Kiews „angemessen reagieren“ und seine Grenzschutzkräfte und Küstenwache verstärken sollte. Zu diesem Zweck müssten nach seinen Worten nicht einmal die Kräfte der Schwarzmeerflotte eingesetzt werden – möglicherweise nur die Luftstreitkräfte. „Das Asowsche Meer ist ein Raum, wo Russland sowohl in der Luft als auch am Wasser das Sagen hat“, unterstrich er.

    Was die Auflösung des Abkommens über Zusammenwirken am Asowschen Meer angeht, so zeigten sich die Experten überzeugt, dass die Ukraine dadurch vor allem sich selbst schaden würde. „Die Situation ist dieselbe wie beim Eisenbahnverkehr. Wir haben unsere Eisenbahn gebaut und befördern Passagiere und Güter unter Umgehung der Ukraine. Für uns ist die Auflösung des Abkommens auf keine Weise gefährlich“, so Pjotr Swjataschow. „Damit wären für Kiew nur neue Kopfschmerzen verbunden. Das ist alles Unsinn, was die Ukrainer dort anstellen. (…)  Sie sägen den Ast ab, auf dem sie selbst sitzen. Die Ukraine treibt sich selbst in eine Sackgasse, denn das würde ihrer eigenen Wirtschaft schaden.“ 

    Der Vizeleiter des russischen Instituts für GUS-Länder, Wladimir Scharichin, stellte fest, dass Kiew das Asowsche Meer „internationalisieren“ wolle, indem ausländische Kriegsschiffe dort erscheinen dürften. „Aber daraus wird nichts. Selbst wenn die Ukrainer ihren einseitigen Austritt aus dem Abkommen verkünden, würde Russland erklären, dass das bisherige Regime weiter in Kraft bleibe, und Kriegsschiffe aus anderen Ländern die Kertsch-Straße einfach nicht passieren lassen. Seitens Kiews ist das nichts als eine neue ‚Gruselgeschichte‘, die eher Probleme für die ukrainischen Häfen am Asowschen Meer verursachen würde, aber für Russland ungefährlich ist“, resümierte der Politologe.

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    Tags:
    Erfahrung, Verstärkung, Schiffsverband, Auflösung, Vertrag, Freundschaft, Zweiter Weltkrieg, Alexander Turtschinow, Petro Poroschenko, Russland, Ukraine