23:55 13 Dezember 2018
SNA Radio
    US-Sondereinheiten während der Übungen (Archiv)

    Phänomen „Nebel des Krieges“ - bis heute ungeklärt

    CC BY 2.0 / The National Guard / New York National Guard
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Nesawissimaja Gaseta
    0 591

    Moderne Militärkonflikte sind gekennzeichnet durch ihre Unbestimmtheit und unberechenbare Risiken. Diese waren immer ein unabdingbarer Teil jedes Krieges. Doch die Transformation der Militärkonflikte in der heutigen Zeit veränderte den Charakter dieser Kategorien und verlieh ihnen einen neuen Inhalt.

    Im klassischen Konflikt zielen die Aufklärungskräfte und das Talent der Feldherren darauf ab, zu bestimmen, wo, wann und mit welchen Mitteln der Gegner den Hauptschlag versetzen wird.

    Die Strategien des Hybrid-Krieges als multidimensionaler Konflikt sehen keine Angriffe gegen den Gegner vor, basieren auf anderen Prinzipien und umfassen militärische und nichtmilitärische Handlungen eines geringeren Ausmaßes unter Teilnahme von staatlichen und nichtstaatlichen Militäreinheiten, wobei Zersetzungsoperationen im wirtschaftlichen, Informations- und Cyberbereich eine zunehmend wichtigere Rolle spielen. Im Konflikt werden umfassend Massenmedien zur Verbreitung von Propaganda bzw. Fakes genutzt.

    Die Multidimensionalität eines Hybrid-Krieges erzeugt den Inhalt und Charakter der Unbestimmtheit und Risiken, die mit diesem Typus eines Militärkonfliktes verbunden sind. Am Hybrid-Krieg sind bewaffnete Einheiten von nichtstaatlichen Subjekten, darunter internationale Terroristen und private Militärfirmen mit verschwommener nationaler und ideologischer Zugehörigkeit beteiligt. Darüber hinaus ändert sich auch das Verhältnis der militärischen und nichtmilitärischen Handlungswege, zu denen die Konfliktparteien greifen.

    >>Andere Sputnik-Artikel: Das schwere Los eines Nato-Generals: „Besser wäre es, Russland zum Partner zu machen“

    Zu den nichtmilitärischen Gewaltmethoden im Hybrid-Krieg gehören die traditionelle und öffentliche Diplomatie, rechtliche wirtschaftliche, ideologisch-psychologische, Informations-, humanitäre, Aufklärungs-, technologische und andere Einflussinstrumente. Eine richtig gewählte Strategie lässt einen kumulativen Systemeffekt beim Einsatz dieser Mittel erreichen. Eine wichtige Rolle spielen dabei strategische psychologische Ereignisse, die auf die Gewährleistung der Unterstützung und Kooperation mit befreundeten und neutralen Ländern gerichtet sind, sowie auf die Schwächung des Willens zur Kriegsführung und des Potentials der feindseligen Staaten.

    Unbestimmtheiten und Risiken, die eine Art „Nebel des Krieges bzw. Nebel der Ungewissheit bilden“, sind für jeden Typus von Kriegen signifikant, doch besonders fällt dies bei einem Hybrid-Krieg als multidimensionaler Konflikt auf, der auf der Kunst der Irreführung des Gegners, Verschleierung der einsetzbaren Technologien und der eigenen Ziele basiert.

    Der Begriff „Nebel des Hybrid-Krieges“ (Fog of hybrid warfare) sollte im breiteren Sinne zur Beschreibung der Unbestimmtheit und Risiken genutzt werden, die mit nicht präzisen Kenntnissen über die Pläne und Absichten des Gegners, Schwierigkeiten bei der Feststellung der Kräfte und Mittel und der Stellungen des Gegners verbunden sind.

    Vom „Nebel der Ungewissheit“ sprach schon der preußische Generalmajor und Militärwissenschaftler Carl von Clausewitz in seinem Werk „Vom Kriege“. Ihm zufolge ist „der Krieg ist das Gebiet der Ungewissheit; drei Vierteile derjenigen Dinge, worauf das Handeln im Kriege gebaut wird, liegen im Nebel einer mehr oder weniger großen Ungewissheit. Her ist es also zuerst, wo ein feiner, durchdringender Verstand in Anspruch genommen wird, um mit dem Takte seines Urteils die Wahrheit herauszufühlen… Jene Unsicherheit aller Nachrichten und Voraussetzungen, diese beständigen Einmischungen des Zufalls machen, dass der Handelnde im Kriege die Dinge unaufhörlich anders findet, als er sie erwartet hatte, und es kann nicht fehlen, dass dies auf seinen Plan oder wenigstens auf die diesem Plane zugehörigen Vorstellungen Einfluss habe.“ Der Begriff „Nebel der Ungewissheit“ steht da im logischen Zusammenhang mit dem von Clausewitz eingeführten Begriff „Friktion“ des Krieges.

    Der Militärtheoretiker sprach nicht buchstäblich vom „Nebel“ des Krieges, sondern nutzte einige Metapher wie „Dämmerung“ bzw. „Mondlicht“ zur Beschreibung der fehlenden Klarheit. Dabei kennzeichnete sich der Nebel in einigen Fällen als meteorologische Erscheinung, die die Beobachtung des Schlachtfeldes erschwerte.

    >>Andere Sputnik-Artikel: Was hinter „hybrider Bedrohung“ für Ukraine steht? – Militärexperte klärt auf

    Doch der „Nebel der Ungewissheit bzw. Unbestimmtheit“ wurde von Carl von Clausewitz neben anderen Kriegsfaktoren betrachtet wie Gefahr, Spannung, Leiden, Glück, Entschlossenheit. Laut Clausewitz braucht die Armee Übungen, Vorbereitung und Aufklärung, doch der Sieg hängt im Ergebnis von den Willensfähigkeiten des Kommandeurs und der Befolgung des erstellten Plans trotz der Zweifel, Gefahren und Unbestimmtheiten ab. Damit stellte der Militärexperte den moralischen Faktor in den Vordergrund zum Erreichen des Sieges.

    1896 bekam der Begriff „Nebel des Krieges“ seine erste Deutung im gleichnamigen Werk des britischen Feldherren Lonsdale Hale (The Fog of War). Demnach handelt sich um „den Zustand der Unkenntnis, in dem sich die Kommandeure oft bezüglich der realen Stärke und Aufenthaltsortes nicht nur ihrer Feinde, sondern auch der befreundeten Kräfte befinden“.

    Die Meinungen von heutigen Experten zum Nebel des Krieges sind im US-Dokumentarfilm „The Fog of War: Eleven Lessons from the Life of Robert S. McNamara“ zu sehen. Ein ehemaliger US-Verteidigungsminister berichtet in diesem Film von seinen eigenen Erfahrungen und Schlussfolgerungen über die Besonderheiten des modernen Krieges und die damit verbundenen Risiken.

    Allerdings sollte zugegeben werden, dass bislang keine systematische Untersuchung des Phänomens des „Nebels des Krieges“ existiert.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Brandstifter im Asowschen Meer: Poroschenko schürt neuen Konflikt mit Russland
    Russisches Militärmanöver: Nato spricht von „Vorbereitung auf großen Konflikt“
    „Zentrum eines neuen Kalten Krieges“: Italienischer Politiker über Donbass-Konflikt
    Tags:
    Übungen, Spannungen, Methoden, Angriffe, Hybrid-Krieg, Aufklärung, Konflikt, Carl von Clausewitz