03:00 18 November 2018
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    Russlands Soldat während der Übungen (Archiv)

    Mega-Manöver in Osten und Mittelmeer: Russlands Militär übt Kampf an zwei Fronten

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    „Wostok 2018“: Das größte Militärmanöver in der Geschichte Russlands (18)
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    Im September beginnen nahezu gleichzeitig zwei präzedenzlose Militärübungen - im Fernen Osten und im Mittelmeer. Die Manöver sind mehrere Tausend Kilometer voneinander entfernt. Experten zufolge demonstrieren die russischen Streitkräfte damit ihre Möglichkeit, Kampfhandlungen an zwei Fronten zu führen.

    Manöver in dieser Größenordnung an gleich zwei Kriegsschauplätzen hatte es in Russland zuvor nicht gegeben. Die Militärdoktrin sieht allerdings die Aufrechterhaltung der Fähigkeit der Streitkräfte Russlands und anderer Truppen zum rechtzeitigen Ausbau der Truppenverbände in potentiell gefährlichen strategischen Richtungen sowie ihre Bereitschaft zum Kampfeinsatz vor.

    Das Mittelmeer und der Pazifische Ozean wurden früher vollständig von den Amerikanern kontrolliert, die mit dem jetzigen Kräfteverhältnis wohl unzufrieden sind. Nun bleibt dem Pentagon nichts anderes übrig, als auf die Professionalität der russischen Marinesoldaten zu hoffen. „Wir erwarten, dass die russischen Schiffe im Mittelmeer sich sicher und professionell gemäß den internationalen Normen und Praxis verhalten werden“, sagte ein Sprecher des Pentagons.

    Es gibt wohl tatsächlich Gründe für die Besorgnisse des Pentagons. Im Mittelmeer beginnen Anfang September umfassende Manöver der Kriegsflotte und der Luftstreitkräfte Russlands. Dazu wurde in der Region ein Marineverband aus 25 Schiffen und Begleitschiffen der Nord-, Baltischen und der Schwarzmeer-Flotte, der Kaspischen Flottille sowie aus 30 Flugzeugen gebildet, darunter strategische Raketenträger Tu-160, Anti-U-Boot-Flugzeuge Tu-142MK und Il-38 sowie Kampfjets Su-33.

    Wie der Oberkommandierende der russischen Marine, Admiral Wladimir Koroljow, ausführte, sollen bei den Manövern Aufgaben zur Entminung sowie Anti-U-Boot- und Flugabwehr geübt werden. Dabei wird hervorgehoben, dass zur Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen und gemäß der internationalen Gesetzgebung die Übungsgebiete für gefährlich für Schifffahrt und Flüge erklärt werden.

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    Die auf den ersten Blick harmlose Verkündigung ist im Kontext der internationalen Lage um Syrien sehr bemerkenswert. Die Warnung, dass die Manövergebiete für Flüge und Schifffahrt gesperrt sind, ist ein eindeutiges Signal an die Amerikaner und sogar eine Verspottung. Dahinter steckt wohl eine gewisse ironische Haltung des russischen Verteidigungsministers Sergej Schoigu. Noch ironischer klingt es, wenn anschließend präzisiert wird, dass die Übungen gemäß dem Vorbereitungsplan der Streitkräfte der Russischen Föderation stattfinden, also nicht mit der sich zuspitzenden Situation in Idlib verbunden sind.

    Denn es handelt sich schließlich um planmäßige Übungen. Allerdings ist das russische Verteidigungsministerium nicht verpflichtet, dem Pentagon von seinen Plänen zu berichten — wir sind nicht mehr in den 1990er-Jahren. Und dass die Pläne des russischen Verteidigungsministeriums de facto die Pläne der USA in dieser Region durchkreuzen? Wer ist  daran schuld?  Jeder Plan sollte realistisch sein.

    Die USA hatten tatsächlich sehr große Pläne. In den Medien wurde in den vergangenen Tagen aktiv berichtet, dass die USA im Norden Syriens ihre Flugabwehrsysteme stationieren wollen. Es wurde behauptet, dass sie sogar bereits drei Radaranlagen und 13 stationäre und mobile Radarsysteme aufgestellt haben.

    Es geht dabei nicht darum, dass das alles aus Sicht des Völkerrechts illegal ist, sondern darum, wozu das alles gerade jetzt gemacht wurde.

    Es bestehen keine Zweifel daran, dass Washington damit nicht nur seine Militärpräsenz in Syrien festigen, sondern auch eine Flugsperrzone im Norden des Landes einrichten will, wo die Reste der Terroristengruppen samt ihren Familien verblieben sind. Die USA stellen sie als Kämpfer gegen Assads Regime dar. Die Flugsperrzone von Manbidsch bis Deir ez-Zor hätte den USA ermöglicht, fast die Hälfte des Luftraums im Norden Syriens unter Kontrolle zu nehmen. Damit könnten die USA die syrischen Luftstreitkräfte und die Regierungstruppen an der vollständigen Befreiung des Landes von den Radikalen hindern. Die USA wollten hier ein Aufmarschgebiet für Banden einrichten, die anschließend mit Unterstützung der USA die Zerstörung Syriens fortsetzen könnten.

    Nun wurden diese Pläne von den „planmäßigen Manövern“ der russischen Marine und Fliegerkräfte zunichte gemacht, die als erste den Meeres- und Luftraum in diesem Gebiet „gemäß den internationalen Gesetzen für gefährlich für die Schifffahrt und Flüge“ erklärten.

    Ein weiterer Ort, wo die Militärspiele bei den Amerikanern ständig für Nervosität sorgen, ist der Ferne Osten. Dort begannen die Übungen „Wostok 2018“. Letztes Mal fanden solche großangelegten Übungen im Jahr 1981 — also noch in der Zeit des Warschauer Vertrages — statt. Fast 300.000 Soldaten, Tausend Flugzeuge und Hubschrauber, Tausende Kampffahrzeuge. An den Übungen nehmen Einheiten der Militärbezirke Zentrum und Ost, Flugzeuge der Fernflieger- und der Militärtransportkräfte, Schiffe und U-Boote der Pazifikflotte sowie  (was am unangenehmsten für die USA ist) Einheiten Chinas und der Mongolei teil.

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    Die militärischen Verbindungen zwischen Russland und China sorgen bei den Amerikanern für Verärgerung und Argwohn. Besonders jetzt, da Trump einen wahren Handelskrieg gegen Peking vom Zaun brach. Washington gefällt es sicher nicht zu sehen, wie in der fernöstlichen Region eine reale internationale Kraft entsteht, die den USA Widerstand leisten kann.

    Die Manöver „Wostok 2018“ gelten Militärs zufolge ebenfalls als planmäßig. Nur das konkrete Datum wurde, wie in der Vergangenheit üblich, nicht genau angekündigt. Nur die Militärspitze kannte das Datum des Beginns der Übungen.

    Die Übungen „Wostok 2018“ dauern bis zum 15. September an. Die Hauptetappen mit Kampfschießen finden auf allen Übungsplätzen statt, die spektakulärste auf dem Gelände Zugol in Transbaikalien. Insgesamt ist bei den Übungen auf dem östlichen und fernöstlichen Kriegsschauplatz ein Komplex aus 16 Manövern geplant, an denen neben den Heerestruppen auch Fliegerkräfte, Raketen- und Flugabwehreinheiten und die Marine teilnehmen.

    Vor zehn Jahren, nach der Aggression Georgiens gegen Südossetien, stellte die russische Armee hastig einen Verband zusammen, um den Osseten zu helfen. Wie das Militär später zugab, wurden die Truppen nur mit großer Mühe zusammengestellt. Es gab fast keine Einheiten in ständiger Kampfbereitschaft. Die Erzwingung des Friedens wurde unter großen Anstrengungen erreicht. Nun zeigen die russische Armee, Fliegerkräfte und Marine ein prinzipiell neues Niveau ihrer Kampffähigkeit.

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    Tags:
    Flugabwehrsystem, Manöver, Tu-142, Su-33, IL-38, Tu-160, Wostok-2018, Baschar al-Assad, Südossetien, Georgien, Syrien, USA, Russland, China