01:43 17 Dezember 2018
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    Der russische Raketenkreuzer Marschall Ustinow auf der Reede des Militärhafens Kronstadt (Archivbild)

    Schiffsparade: So wappnen sich Russland und USA für Showdown in Idlib

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    Am 1. September hat im Mittelmeer eine der größten Übungen der russischen Marineverbands seit dem Ausbruch des Syrien-Kriegs begonnen. Daran nehmen auch Vertreter der Luft- und Weltraumtruppen teil. Das Manöver wird bis 8. September dauern.

    Wie der Befehlshaber der russischen Seestreitkräfte, Admiral Wladimir Koroljow, anführte, werden dabei unter anderem Aufgaben zur U-Boot-Bekämpfung und zur Luftabwehr, zum Schutz von Seeverbindungen, zur Bekämpfung der Piraterie und zur Rettung von in Not geratenen Schiffen geübt.

    Schiffe und Kampfjets

    Flaggschiff des Schiffverbandes ist der Raketenkreuzer „Marschall Ustinow“ der Nordflotte. Insgesamt werden 26 Kriegsschiffe der Nordflotte, der Baltischen und der Schwarzmeerflotte sowie der Kaspischen Flottille zum Einsatz kommen. Auch kommt die Beteiligung von 34 Flugzeugen infrage (strategischen Bombern Tu-160, Anti-U-Boot-Flugzeugen Tu-142 und Il-38, Kampfjets Su-33 und Su-30SM).

    Inzwischen wurde am 31. August bekannt, dass das US-amerikanische Mehrzweck-U-Boot „Newport News“ das Mittelmeer erreicht hat: es ist mit Marschflugkörpern Tomahawk mit einer Reichweite von 1600 Kilometern bestückt. Im Pentagon nannte man das „einen im Voraus geplanten technischen Besuch“.

    Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums erreichte am 25. August der US-Zerstörer „Ross“ mit 28 Marschflugkörpern an Bord das Mittelmeer. Und zuvor hatte der Sprecher der Militärbehörde, Igor Konaschenkow, von einer Verstärkung der US-Gruppierung im Persischen Golf gesprochen, wo sich der Zerstörer „The Sullivans“ mit 56 Marschflugkörpern an Bord befindet. Zudem haben die Amerikaner nach seinen Worten einen strategischen Bomber B-1B mit 24 Marschflugkörpern der Luft-Boden-Klasse nach Katar verlegt. Im Pentagon antwortete man jedoch, diese Behauptungen seien „nichts als Propaganda“.

    In Erwartung eines Chemiewaffenangriffs

    Der Sprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, führt das Manöver im Mittelmeer auf die schwierige Situation im syrischen Idlib zurück. „Das ist ein wahres Terroristennest, das dort entstanden ist – und dort wird nichts Gutes passieren, so lange man darauf nicht reagiert“, sagte er am 30. August.

    Die Situation um den Syrien-Konflikt spitzte sich nach den Behauptungen wieder zu, die syrische Armee würde neue Giftgaseinsätze gegen die friedliche Bevölkerung der Provinz Idlib vorbereiten. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg am 25. August schrieb, haben die USA Russland bereits gewarnt, sie würden neue Schläge gegen die Stellungen der Streitkräfte Baschar al-Assads versetzen, wie das im April 2017 und im April 2018 geschah.

    Das russische Verteidigungsministerium erklärte am selben Tag, dass Kämpfer der terroristischen Gruppierung Haiat Tahrir asch-Scham unter intensiver Mitwirkung der britischen Geheimdienste die Inszenierung einer Giftgasattacke vorbereiten würden. Die Terroristen sollen sogar acht Chlorbehälter in die Stadt Dschisr asch-Schugur (Provinz Idlib) gebracht haben. Der syrische Außenminister Walid al-Muallim erklärte seinerseits, auf dem Territorium der Provinz wären 44 Kinder entführt worden, die für diese Inszenierung nötig wären.

    Laut CNN-Quellen könnten die US-Militärs „sehr schnell reagieren“, falls die Behörden in Damaskus auf Giftstoffe zurückgreifen sollten. Es wurde bereits eine vorläufige Liste von Objekten erstellt, die dann anzugreifen wären.

    Der russische Militärexperte vermutete, dass die Marineübung im Mittelmeer mit der Situation in Idlib nur indirekt verbunden sei, wobei ihre wichtigste Aufgabe wäre, die USA einzudämmen, die im Falle der weiteren Anspannung der Situation die Stellungen der Assad-Streitkräfte angreifen könnten. Dieser Auffassung stimmte auch sein Kollege Michail Chodarenok zu. „Aber genauso wichtig ist auch der Aspekt der Einsatzbereitschaft unserer Flotte. Das ist Teil der Prüfung der Ergebnisse der Modernisierung der ganzen Seestreitkräfte“, betonte er.

    Eine Katastrophe vermeiden

    Die Inszenierung eines Giftgasangriffs sei nötig, um den Anti-Terror-Einsatz in Idlib zu behindern, den die syrischen Regierungstruppen planen. Davon zeigte sich der russische Außenminister Sergej Lawrow am 30. August bei einem Treffen mit seinem syrischen Amtskollegen Muallim überzeugt. Nach seinen Worten hat Moskau seine westlichen Partner „klar und scharf“ gewarnt, dass sie solche „Spiele mit dem Feuer“ lieber lassen sollten. Muallim unterstrich seinerseits Damaskus‘ Bereitschaft, im Kampf gegen die Terroristen in Idlib „bis zum Ende zu gehen“, und beteuerte zugleich, die Regierung würde ihr Bestes tun, um Opfer unter Zivilisten zu vermeiden.

    Die Provinz Idlib im Nordwesten Syriens ist die letzte von den vier 2017 gebildeten Deeskalationszonen, die immer noch von der Opposition kontrolliert wird. Die anderen drei befinden sich inzwischen unter Kontrolle der Assad-Kräfte.

    Die so genannte „gemäßigte“ Opposition, die von der Türkei unterstützt wird, fürchtet eine umfassende Offensivkampagne der Regierungstruppen in Idlib, wo unter anderem Extremisten der Gruppierung Haiat Tahrir asch-Scham präsent sind, die etwa 60 Prozent des Territoriums der Provinz kontrollieren. Die Türkei drohte öfter mit bewaffneten Antworten für den Fall von Provokationen seitens Damaskus‘.

    Der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu erklärte Ende der vorigen Woche, dass sein Land „alles Mögliche“ tue, um Angriffe der syrischen Regierungstruppen auf die Positionen seiner Verbündeten unter den „gemäßigten“ Oppositionellen zu unterbinden. „Man sollte in Idlib nicht alle reihum angreifen, denn die Folgen wären schrecklich“, warnte er.

    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan verwies seinerseits darauf, dass Ankara mit Moskau und Teheran an der Verhinderung einer Katastrophe in Idlib zusammenarbeite. Mittlerweile verlegen seine Streitkräfte immer neue Militärtechnik nach Idlib, um ihre zwölf Beobachtungspunkte dort zu festigen.

    Der Experte Kyrill Semjonow vom Russischen Rat für internationale Angelegenheiten vermutete, dass Idlibs Perspektiven von einem dreiseitigen Gipfeltreffen abhängen, das am 7. September in Teheran stattfindet. Der Einsatz könnte verhindert werden, falls Erdogan mit Russland und dem Iran seine Initiative absprechen könnte, die die Vereinigung aller Oppositionsgruppierungen in die so genannte Syrische Nationale Armee vorsieht, während alle Waffen mit einem Kaliber von mehr als 23 Millimetern unter die Kontrolle der Türkei gebracht werden sollten. Zudem schlagen die Türken vor, gemeinsam mit den Russen die Autobahn Damaskus-Aleppo unter Kontrolle zu nehmen, ergänzte der Politologe.

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    Deeskalationszonen, Raketenschlag, Offensive, Terroristen, Opposition, US-Zerstörer Ross, Marschall Ustinow, B-1B Lancer, Tu-160, Außenministerium der Türkei, Außenministerium Syriens, U.S. Navy, USAF, Walid al-Muallim, Recep Tayyip Erdogan, Mevlüt Cavusoglu, Nahost, Aleppo, Idlib, Türkei, Iran, Syrien, USA, Russland