00:16 16 Dezember 2018
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    Raketenabschuss russischer Kriegsschiffe bei der Parade (Archivbild)

    Mit Grips gegen die Wucht: Kann Russland einen US-Sturmangriff auf Syrien abschlagen?

    © Sputnik / Alexej Malhawko
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    Einen Angriff gegen Syrien hat das Pentagon bis ins Kleinste vorbereitet, man wartet nur auf den Befehl. Indes hat Russlands Marine ein Manöver im Mittelmeer gestartet – just in dem Gebiet, von dem aus die US Navy Syrien am besten beschießen könnte. Mal sehen, ob die russischen Kräfte einen Raketenschlag gegen das Land diesmal verhindern können.

    Täglich häufen sich die Hinweise, dass Washington und seine Verbündeten in Syrien wieder eine Provokation planen, um einen Raketenangriff gegen die Kräfte und Einrichtungen der syrischen Regierung zu rechtfertigen. Das Pentagon hat schon die Ziele gelistet, die nach dem vermeintlichen Giftgas-Einsatz der syrischen Truppen beschossen werden sollen.

    Die bisherigen US-Angriffe gegen Syrien haben gezeigt: Die Amerikaner und ihre Verbündeten vor Ort sind entschlossen, mit aller Dreistigkeit vorzugehen. Um sie aufzuhalten, reichen Erklärungen allein nicht aus, selbst wenn sie mit stichhaltigen Beweisen untermauert werden.

    Die syrischen Regierungstruppen bereiten gegenwärtig einen Sturm auf die größte „Schlangengrube“ in Syrien vor: die Provinz Idlib, wo sich Terrorschwadronen gesammelt haben. Dass diese Offensive die Pläne der Terrorpaten durcheinanderwirft, weshalb sie unbedingt vereitelt werden müsse, ist klar.

    Es ist für sie überlebenswichtig, einen aufsehenerregenden Vorfall zu inszenieren, den syrischen Regierungstruppen den Einsatz von C-Waffen vorzuwerfen und dann einen Raketenangriff zu starten. Ganz so, wie es im April dieses und letzten Jahres geschah, nachdem Washingtons Verbündete vermeintliche Giftgaseinsätze in den syrischen Städten Chan Schaichun und Duma gemeldet hatten.

    Zwar hat Präsident Trump sein letztes Wort in dieser Sache noch nicht gesprochen. Doch bei einem plötzlichen „Go“ aus dem Weißen Haus kann die US Navy im Mittelmeer unverzüglich handeln.

    Deren Kampfgruppe vor der Küste Syriens ist in der Tat beachtlich: Der Flugzeugträger „Harry Truman“ ist kürzlich samt seinem Begleitgeschwader in das Mittelmeergebiet zurückgekehrt. 90 Flugzeuge und Hubschrauber beherbergt der schwimmende Fliegerhorst, über ein Dutzend Schiffe einschließlich schlagkräftiger Kreuzer und Zerstörer bilden die Geleitgruppe.

    Doch seit Samstag, dem 1. September, halten die russische Marine und die russische Luftwaffe gemeinsam ein Manöver im Mittelmeer ab, während sich die syrischen Regierungstruppen auf die Erstürmung der besagten Terrorhochburg auf dem Gebiet ihres Landes vorbereiten.

    Der Oberkommandeur der russischen Seestreitkräfte, Wladimir Korolew, erklärte, an der Übung seien 26 Schiffe und U-Boote beteiligt, ebenso „34 Fluggeräte“, wie er es formulierte. Der Raketenkreuzer „Marschal Ustinow“ führe den Verband an, der sich aus Schiffen der Nord-, der Baltischen und der Schwarzmeerflotte sowie aus den Einheiten der Kaspischen Flottille zusammensetze.

    Die russische Luftwaffe beteilige sich an der Übung mit den strategischen Überschallbombern Tu-160 (mit Marschflugkörpern bewaffnet), mit den Luftüberlegenheitsjägern Su-33 und Su-30SM sowie mit Seefernaufklärern Il-38 und Tu-142MK.

    Das russische Außenministerium beteuert, mit den Spannungen rund um Syrien habe das Manöver nichts zu tun. Die Gegenseite sieht das natürlich anders. Es sehe so aus, als würde Russland sich für einen Kampf gegen die Vereinigten Staaten rüsten, schreibt das Fachmagazin „Task and Purpose“.

    Aber: Die russische Flotte sei kein wirklicher Gegner für den US-Flugzeugträgerverband im Mittelmeer, schreibt im selben Magazin der Stratfor-Experte, Omar Lamrani: „Wenn wir ganz ehrlich sind, verfügen die USA über die absolute Überlegenheit im Mittelmeer, während die russischen Schiffe überhaupt nicht von Bedeutung sind.“

    „Wenn die Amerikaner kommen und ihre Marschflugkörper abfeuern, wie es bei den letzten Malen war, dann müssen die Russen die perfekte Position haben, um sie abzufangen. Aber auch dann werden sie sie nicht alle abschießen können und riskieren dabei, in einen Konflikt mit den USA hineingezogen zu werden“, so der Analyst.

    Der Sprecher der US Naval Forces in Europa und Afrika, John Perkins, warnte sogar: „Wir erwarten, dass die russischen Schiffe, die im Mittelmeer aktiv sind, sich sicher und professionell, gemäß dem internationalen Recht und den Gepflogenheiten zur See verhalten werden.“

    Russische Experten verstehen das Manöver im Mittelmeer als eine Warnung an die USA: „Die Übung ist wichtig, um zu zeigen, dass sich im östlichen Mittelmeer zusätzliche russische Kräfte befinden, damit niemand auf dumme Gedanken kommt, wie zum Beispiel die Regierungskräfte in Syrien von Zerstörern aus mit Raketen zu beschießen“, sagte der ehemalige Duma-Abgeordnete und Nahostexperte, Semen Bagdassarow.

    Er ist überzeugt: Vom östlichen Mittelmeer aus werden die Amerikaner Syrien nicht beschießen. „Trotzdem ist die Lage schwierig“, räumt der Experte ein. „Es bleibt ja noch der Persische Golf und die US Air Force, die von Katar aus angreifen kann.“

    Der ehemalige Kapitän der russischen Marine, Wassilij Dandykin, verweist jedoch auf das Ausmaß des russischen Manövers vor der syrischen Küste:

    „Das ist keine übliche Übung. Hier trainieren die See- und die Luftstreitkräfte zusammen mit der Flugabwehr und den Eloka-Truppen. Die USA und die Nato müssen jedenfalls klarsehen, dass an Bord unserer Schiffe dutzende Flugkörper verschiedener Größen und Klassen vorhanden sind.“

    Dieses Aufgebot lässt an der Übermacht der US Navy im östlichen Mittelmeer zweifeln, sagt der Militärexperte: „Russland ist es gelungen, massive Kräfte in der Region zu konzentrieren. Die Fähigkeiten zum Gegenschlag gegen die Nato sind da.“

    Die Amerikaner hätten Syrien bereits mehrmals beschossen. „Über die Hälfte der Raketen haben ihr Ziel nicht erreicht“, erinnert Dandykin. „Natürlich ist die Schlagkraft der russischen Flotte mit der Wucht der amerikanischen Marine nicht vergleichbar. Aber es kommt ja auch auf die Taktik und die Effektivität der Waffen an. Der Verband, den wir jetzt aufgestellt haben, hat alles, um Angriffe gegen Syrien zu behindern.“

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    Tags:
    Giftgaseinsatz, Kriegsgefahr, Raketenschlag, Raketenangriff, Provokation, Terroristen, Kriegsschiffe, Chemiewaffen, Seemanöver, Marschall Ustinow, USS Harry S. Truman, Tu-142, Tu-160M2, IL-38, Pentagon, Gavin Williamson, Theresa May, Donald Trump, Emmanuel Macron, Baschar al-Assad, Wladimir Putin, Nahost, Idlib, Mittelmeer, Israel, Großbritannien, Syrien, USA, Frankreich, Russland