20:47 18 Dezember 2018
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    US-Wandelflugzeuge des Typs MV-22B Osprey beim Start vom Landungsschiff USS Kearsarge (Archivbild)

    Militärischer Senkrechtstarter: Warum Russland Wandelflugzeuge wie in den USA braucht

    © Foto: U.S. Marine Corps/ Cpl. Jalen D. Phillips
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    Russland will für seine Luftlandetruppen ein Wandelflugzeug entwickeln – ein senkrecht startendes und landendes Luftfahrzeug. Über die Besonderheiten dieser speziellen Flugzeuge, die wie Hubschrauber landen können, erfahren Sie mehr in diesem Artikel des Internetportals www.iz.ru.

    „Die Luftlandetruppen sondieren den möglichen Einsatz von Wandelflugzeugen zur Beförderung der Fallschirmjäger zum Schlachtfeld. Bis Ende September soll die technische Aufgabe gestellt und die Entwicklungsarbeiten an dieser Maschine begonnen werden“, so eine Quelle aus der russischen Rüstungsindustrie.

    Militärische Wandelflugzeuge können allerdings nicht als absolute Innovation betrachtet werden – sie werden in den USA seit langem in Serie hergestellt. Worin bestehen die Besonderheiten dieser Luftfahrzeuge?

    Hybrid auf Schlachtfeld

    Wandelflugzeuge sind eine Mischung aus Hubschrauber und Flugzeug. Beim Start sind die Propeller horizontal wie bei Hubschraubern. Nach einer gewissen Erhöhung der Geschwindigkeit dreht sich die Schraubenebene um 90 Grad – die Maschine fliegt dann als Flugzeug.

    Die ersten Vorschläge zur Entwicklung solcher Luftfahrzeuge tauchten bereits in der Zwischenkriegszeit auf. Bereits nach dem Krieg liefen aktive Entwicklungen, darunter der Bau mehrerer experimenteller Modelle. Doch in Serie ging nur ein Flugzeug dieses Typs – die US-amerikanische V-22 Osprey.

    Es gab noch weitere Varianten wie Flugzeuge mit Kippflügeln, bei denen die Tragflächen um die Querachse des Flugzeuges gekippt werden können, um die Schubrichtung der Triebwerke zu verändern, und eine modernere Version mit Kipprotoren, bei denen die Antriebsgondeln um die Querachse geschwenkt werden können, um die Richtung des Schubs zu verändern. Es gab auch ganz exotische Varianten wie Boxwing und Heckstarter.

    Bei allen Versionen wird ein und dasselbe Ziel verfolgt – eine hohe Flexibilität des Flugzeugs (vertikaler Start und Landung und Hänge-Modus) mit einer hohen Marschgeschwindigkeit und Reichweite der Flugzeuge zu erreichen.

    Osprey

    Die V-22 Osprey startete zwar schon im Jahr 1989 in den Himmel, wurde jedoch erst 2007 in Dienst genommen.

    Das Wandelflugzeug mit weit oben angebrachten Flügeln ist mit schwenkbaren Propellergondeln und leistungsstarken Rolls-Royce-T406-Triebwerken ausgestattet. Das maximale Startgewicht liegt bei mehr als 27 Tonnen, die Marschgeschwindigkeit bei rund 450 Stundenkilometern, die maximale Geschwindigkeit bei mehr als 500 Stundenkilometern. Die Kampfreichweite bei der Version für die Luftlandetruppen beträgt 720 Kilometer, die praktische Reichweite ohne Nachtanken rund 2700 Kilometer.

    Die V-22 trägt 24 bis 32 Landesoldaten bzw. neun Tonnen Fracht im inneren Behälter oder 6,8 Tonnen Fracht im Außenbehälter.

    Das Luftfahrzeug wurde vor allem der US-Marine-Infanterie zur Verfügung gestellt. Die hohe Marschgeschwindigkeit ermöglicht eine schnelle Beförderung der Soldaten zu Kampfgebieten. Darüber hinaus wurde die mögliche Landung unter Bedingungen der Anwendung von Atomwaffen durch den Gegner berücksichtigt, was den Aktionsraum deutlich ausweitete.

    Bei allen taktischen Vorteilen ist diese Maschine in den USA dennoch nicht beliebt. Sie ist schwer zu warten, technisch unzulässig, oft kommt es zu Unfällen, technischen Pannen. Während des Versuchs- und Kampfdienstes wurde sie als „fliegende Schande“ und „Mörder-Maschine“ bezeichnet.

    So kann die V-22 zwar technisch nach einem Ausfall der Triebwerke landen, doch in der Praxis ist das deutlich schwieriger als mit dem Hubschrauber.

    Auch der Preis der Wandelflugzeuge ist sehr hoch – mehr als 70 Millionen Dollar pro Exemplar. Allerdings sind die Erfahrungen im Kampfeinsatz eher positiv, diese Richtung wird wohl weiter entwickelt. Laut der Marineinfanterie würden die Flugzeuge der Osprey-Plattform nach ihrer Modernisierung bis 2060 dienen.

    Auch die Fliegerkräfte der US-Marine zeigten Interesse an V-22-Wandelflugzeugen. Sie betrachten sie als ein effektiveres Anti-U-Boot-Luftfahrzeug als Hubschrauber. Zudem wird diese Plattform als „fliegender Radar“ für universelle Landungsschiffe in Betracht gezogen.

    Anschließend gerieten die Osprey-Flugzeuge in die Hände der Luftwaffe, wo sie bei Sonderoperationen eingesetzt wurden. Dabei wurde der Schwerpunkt auf verdeckte Einsätze und die Reichweite gelegt – zusätzliche Kraftstoffbehälter, spezielle Radaranlage und Bord-Flugabwehranlagen.

    Die Arbeiten an diesem Luftfahrzeug wurden nach dem Scheitern einer Operation von US-Spezialeinheiten im Iran 1980 begonnen, die mit Hubschraubern durchgeführt wurde. Doch erste Projektsondierungen im Auftrag des Militärs – mit der Entwicklung des Prototyps – wurden bereits 1971 begonnen.

    Sowjetische Erfahrung

    In der Sowjetunion wurde in derselben Zeit – nach Experimenten mit reinen Multi-Rotoren- Hubschraubern wie dem Mi-12 –, im Jahr 1972 das Wandelflugzeug Mi-30 konzipiert. Es handelte sich um ein Verkehrs- und Passagier-Wandelflugzeug mit einem Startgewicht von mehr als zehn Tonnen und einer maximalen Geschwindigkeit von mehr als 500 Stundenkilometern. Es sollte 19 Passagiere oder 2 Tonnen Fracht auf Strecken von bis zu 800 Kilometern befördern.

    Die Entwicklung der Maschine wurde vom Chefkonstrukteur des schweren Hubschraubers Mi-26, Marat Tischtschenko, geleitet. Dieses Luftfahrzeug sollte in der Zukunft die Mi-8-Mehrzweckhubschrauber ersetzen.

    Die Maschine weckte das Interesse des Militärs, allerdings sollte sie mehr Platz für die Besatzung bieten. Zu Beginn der 1980er Jahre wurde eine ganze Palette von Wandelflugzeugen mit einem Startgewicht von elf, 22 und 40 Tonnen und verschiedenen Triebwerken – zwei TW-3-117, drei TW-3-117, zwei leistungsstarke D-136-Triebwerke – entwickelt.

    Das Wandelflugzeug Mi-30 wurde in den Plan der Versuchs- und Konstrukteursarbeiten des letzten sowjetischen Rüstungsprogramms  1986-1995 aufgenommen. Doch die Kürzung der Rüstungsausgaben und die wachsenden ökonomischen Schwierigkeiten bedeuteten das Aus für das Projekt.

    Zu Beginn der 1990er Jahre versuchte das Konstruktionsbüro Mil, einige kommerzielle Projekte auf Grundlage des Mi-30 zu entwickeln, auch im Rahmen internationaler Korporationen, die jedoch scheiterten.

    Zum jetzigen Zeitpunkt ist in den Luftlandetruppen eine reale Nische für solche Maschinen entstanden. Es ist ein Luftfahrzeug für Sondereinsatzkräfte mit kurzer Flugzeit und verdeckten Einsatzmöglichkeiten.

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    Rüstungsauftrag, Wandelflugzeug, Kampfhubschrauber, Luftlandetruppen, Hubschrauber, MV-22 Osprey, Mi-8, USA, Russland