12:16 14 Dezember 2018
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    Marine-Fregatte Lübeck (Archivbild)

    Zehn auf einen Streich: Protzt deutsche Fregatte mit „Kill-Kerben“ am Raketenstarter?

    © AP Photo / Markus Schreiber
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    Flaggen am Flugzeugrumpf oder Sterne am Panzerturm sind eine bei Soldaten beliebte Methode, Treffer zu markieren. Normallerweise weisen Truppen damit auf ihre Kampferfolge hin. Auch die deutsche Fregatte „Lübeck“ trägt seit neuestem solche „Abzeichen“. Nur: An Kampfhandlungen ist das Schiff der Bundesmarine gar nicht beteiligt.

    Zehn sog. Kill-Marks prangen am Raketenwerfer Mk 29 der „Lübeck“, die in der Ägäis patrouilliert. Die Markierungen sollen zeigen, dass die Besatzung der deutschen Fregatte mit ihren Abfangraketen „Sea Sparrow“ zehn Drohnen abgefangen habe. Das Foto kursiert im Internet, der Nutzer „AegeanHawk“ hat es hochgeladen.

    Das Brisante: Auf den Bildern der „Lübeck“ aus dem letzten Jahr sind keine Kill-Marks zu sehen. Und wenn die Fregatte an Kampfhandlungen nicht beteiligt ist, woher kommen die zehn Markierungen dann?

    Die Fregatte könnte an einer Übung zur Abwehr eines Drohnenschwarms teilgenommen haben, mutmaßt die russische Zeitschrift „Popular mechanics“: „Nachdem die russischen Stützpunkte in Syrien mit Drohnenschwärmen angegriffen worden waren, wäre es sinnvoll, die Nato-Flotten auf die Fähigkeit zu prüfen, solche Attacken abzuwehren“, schreibt das Blatt.

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    Nicht auszuschließen ist auch, dass die Fregatte selbst einem Drohnenangriff ausgesetzt war. Doch ist dieses Szenario laut dem Magazin eher unwahrscheinlich: „Ein solcher Angriff wäre nicht zu verheimlichen gewesen, schon gar nicht innerhalb einer multinationalen Organisation wie der Nato.“

    Insofern ist eine Drohnen-Abwehr-Übung die wahrscheinlichste Erklärung dafür, woher die „Lübeck“ ihre Kill-Marks am Raketenwerfer hat. Die Fregatte ist seit 1990 im Einsatz und steht kurz vor der Ausmusterung, schreibt die Zeitschrift:

    „Es wäre sehr vernünftig, ältere Schiffe und Abfangraketen für eine Angriffssimulation zu nutzen – um zu testen, wie mit einem Drohnenschwarm umzugehen ist.“

    Wenn dem so war, dann sind die zehn Kill-Marks der deutschen Fregatte „eine maßlose Übertreibung eigener Verdienste“, erklärt der Militärexperte Denis Fedutinow. „Gemäß der Tradition markieren solche Zeichen keine Übungserfolge, sondern Treffer in echten Kämpfen.“

    Dass die deutsche Fregatte eventuell vom syrischen Boden aus mit Drohnen angegriffen worden sein könnte, hält der Experte für unwahrscheinlich. Dazu seien die dort aktiven Terrorgruppen technisch unfähig.

    Viel mehr war es bestimmt so, dass die „Lübeck“-Besatzung den Angriff schwerer Fluggeräte trainiert hat. „Darauf kann man von der Zeichnung einer amerikanischen Predator-Drohne schließen, die ebenfalls am Raketenwerfer angebracht ist“, so der Experte Fedutinow.

    Dass Flugabwehrraketen zur Bekämpfung eines Drohnenschwarms eingesetzt würden, ist ohnehin unüblich. „Bei einem Drohnenschwarm werden dutzende oder gar hunderte Billigdrohnen eingesetzt. Erst die Menge macht den Vorteil gegenüber der Flugabwehr aus.“

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    Tags:
    Drohnen, Drohnenangriff, Kriegsgefahr, Militarismus, Raketenangriff, Raketenschlag, Fregatte, Fregatte "Lübeck", Marine, NATO, Bundeswehr, Bundesmarine, Ursula von der Leyen, Tartus, Hmeimim, Nahost, Mittelmeer, Russland, Syrien, Deutschland