16:25 19 Dezember 2018
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    ein Russlands Kriegsschiff (Symbolbild)

    Bollwerk gegen US-Raketen: Warum Russlands Marine im Mittelmeer übt

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    Eines der Top-Themen in der vergangenen Woche war die Verstärkung des russischen Schiffsverbandes im Mittelmeer. Wie das russische Verteidigungsministerium später berichtete, erfordern die Übungen eine hohe Konzentration von Schiffen. An den Manövern sind rund 30 Schiffe sowie einige Dutzend Flugzeuge und Hubschrauber beteiligt.

    Die Manöver dauern bis zum 8. September. Über die Ziele und Aufgaben der Übungen gab es bislang keine offizielle Verlautbarung.

    Auf die Verstärkung des russischen Schiffsverbands reagierte die Nato prompt. Russland solle sich der Verschlechterung der ohnehin katastrophalen humanitären Lage in Syrien enthalten, hieß es bei der Nato. Auch das Pentagon äußerte sich zum Ausbau des russischen Flottenverbandes aus Schiffen und U-Booten.

    Am Samstag tauchten erste Bilder von Anti-U-Boot-Flugzeugen Tu-142 auf, die Flüge über dem Mittelmeer in Begleitung von Su-35-Kampfjets absolvierten.  Auch Su-34-Bomber flogen über das Mittelmeer. Die Su-Flugzeuge starteten wohl vom Stützpunkt Hmeimim.

    Wie sieht der Verband aus?

    Wie der Schiffsverband im Mittelmeer zusammengestellt ist, wird öffentlich nicht mitgeteilt. Doch bekannt ist, dass der Raketenkreuzer „Marschall Ustinow“ das Flaggschiff ist. Nach seiner Reparatur und Modernisierung kehrte das Kampfschiff im vergangenen Jahr in die Nordflotte zurück. Seine funkelektronischen Anlagen wurden modernisiert, unter anderem auch in Bezug auf Flugabwehrsysteme.

    Im Mittelmeer verkehrt auch das Schiff „Seweromorsk“. Bei der Suche nach U-Booten wird das große Anti-U-Bootschiff vom Wachschiff „Smetliwy“ der Schwarzmeerflotte unterstützt.

    In diesem Gebet sind derzeit außerdem die drei neuesten russischen Fregatten des Projekts 1136 stationiert. Sie gehören ebenfalls der Schwarzmeerflotte an. Neben der Jagd auf U-Boote können sie mit Marschflugkörpern Jachont und Kalibr Angriffe gegen Boden- und Meeresziele versetzen.

    Darüber hinaus sind kleinere Schiffe im Mittelmeer vorzufinden – drei kleine Raketenschiffe des Projekte Bujan-M – zwei von der Schwarzmeerflotte, eines von der Kaspischen Flottille.

    Im Einsatz sind zudem die beiden Diesel-U-Boote „Kolpino“ und „Nischni Nowgorod“. Formell gehören sie der Schwarzmeerflotte. Doch faktisch überwachen sie den syrischen Hafen Tartus, wo ein russischer Militärstützpunkt liegt.

    Die russische Kriegsflotte berichtet von 25 Schiffen im Mittelmeer. Es gibt aber wohl noch weitere kleine Landungsschiffe.

    Es wurde berichtet, dass auch das Tankschiff „Iwan Bubnow“ vor Ort ist. Er wird zur Versorgung von Schiffen auf Langstreckenfahrten eingesetzt. Nach anderen Angaben gehört auch das Wachschiff „Jaroslaw Mudry“ von der baltischen Flotte zu dem Verband im Mittelmeer.

    Aus offenen Quellen ergeben sich weitere interessante Informationen. Fast alle Schiffe können Angriffe mit Marschflugkörpern Kalibr und Jachont versetzen.

    >>Andere Sputnik-Artikel: Nato-Sprecherin schockiert: Russlands Mittelmeerverband bedrängt 6. US-Flotte

    Der Verband verfügt über eine mächtige Flugabwehr. Die „Marschall Ustinow“ ist mit einem Flugabwehrkomplex Fort ausgerüstet. Es handelt sich dabei um ein schiffgestütztes Analogon des S-300-Systems. Nach der Modernisierung sind die Möglichkeiten der Raketenabwehranlage deutlich gestiegen.

    Auch das Anti-U-Boot-Element des Verbandes beweist enorme Schlagkraft. Neben „Seweromorsk“ und „Smetliwy“ können sich die drei „Admiral“-Schiffe des Projekts 11356 am Kampf gegen U-Boote beteiligen.

    Übungen?

    Nach der Verstärkung des Schiffsverbandes im Mittelmeer stellt sich die Frage: Warum ist eine solch geballte Feuerkraft im Mittelmeer nötig? Es sind die größten Übungen in der Geschichte Russlands weit entfernt von den eigenen Hoheitsgewässern. An den Übungen nehmen Schiffe aller russischen Flotten (außer der Pazifikflotte) und der Kaspischen Flottille teil.

    Allerdings sorgen die Erklärungen zu diesen Übungen für Zweifel. Bemerkenswert ist, dass die Zusammenstellung des Schiffsverbandes zeitlich mit dem Beginn des Zusammenziehens von syrischen Truppen bei Idlib zusammenfiel – der letzten Bastion der Extremisten in Syrien.

    Die Verstärkung des Schiffsverbandes erfolgte vor dem Hintergrund der Diskussionen über eine weitere Provokation seitens der Extremisten. In den westlichen Medien tauchten Leaks auf, dass das Pentagon eine Liste mit Zielen in Syrien erstellt hat. Diese sollen im Falle eines C-Waffen-Einsatzes durch syrische Regierungstruppen angegriffen werden.

    Dennoch stimmen die Fristen der russischen Übungen und der Beginn der Operation in Idlib nicht überein. Formell dauern die Manöver eine Woche lang. Der Kampf gegen die Extremisten würde nach einer Woche jedoch nicht beendet sein.

    Deswegen ist zu vermuten, dass ein Teil der Schiffe nach dem 8. September das Mittelmeer verlässt. Allerdings bleibt der Kern des Verbandes – es wird sich dabei wohl um die „Marschall Ustinow“, „Seweromorsk“, alle Fregatten des Projekts 11356 und Bujan-M sowie beide U-Boote handeln.

    „Aus der Sicht der Möglichkeit, Bodenobjekte zu treffen, hinterlässt der Verband einen großen Eindruck. Er besteht aus acht Kalibr-Trägern.“

    Unterstützung vom Meer

    Nehmen wir an, dass die russischen Schiffe die syrische Seite bei der Operation in Idlib unterstützt. Was können sie dort machen?

    Aus der Sicht der Möglichkeit, Bodenobjekte zu treffen, sieht der Verband beeindruckend aus. Er besteht aus acht Kalibr-Trägern.

    Die Syrer werden tatsächlich eine starke Feuerunterstützung brauchen. Idlib ist eine Provinz im Gebirge. Die Extremisten errichteten dort viele befestigte Stellungen. Es handelt sich de facto um eine Neuauflage der Kämpfe im Norden der Provinz Latakia Ende 2015/Anfang 2016. Damals wurde die Offensive der Regierungstruppen von Dutzenden Haubitzen und Mehrfachraketenwerfern unterstützt, darunter 152-mm-Haubitzen Msta-B, Uragan und Smertsch. Die Offensive in Latakia wurde von schweren Flammenwerfern Solnzepjok, TOS-1 aktiv unterstützt.

    Allerdings wurde der Ausgang der Kämpfe von punktuellen Angriffen der russischen Angriffsbomber Su-24 und Su-34 bestimmt, die vom Stützpunkt Hmeimim in den Himmel stiegen. Damals absolvierten sie mehr als 50 Kampfflüge pro Tag.

    Unter diesen Bedingungen würden sogar acht Schiffe, die Kalibr-Raketen tragen können, kaum eine normale Unterstützung aus der Luft ersetzen. Das Hauptproblem besteht darin, dass der Raketenvorrat auf den Schiffen nachgefüllt werden muss. Im Mittelmeer ist das nicht möglich – nur im Schwarzen Meer. Deswegen kann der Schiffsverband nur die wichtigsten Ziele bekämpfen.

    Schutz vor der Küste

    Mittlerweile verfügt der Verband über große Möglichkeiten bei der Suche und Entdeckung von U-Booten. So konnte die Fregatte „Admiral Essen“ des Projekts 11356 im Frühjahr allein ein US-amerikanisches U-Boot orten und begleiten. Im Mittelmeer sind derzeit drei solche Fregatten stationiert.

    Sie können von Anti-U-Boot-Flugzeugen Tu-142 und Il-38N unterstützt werden. Ihre Teilnahme an den Übungen wurde offiziell angekündigt. Zuvor tauchten diese Flugzeuge bereits einige Male über dem Mittelmeer auf. Die Il-38N war bereits vor einiger Zeit in Hmeimim stationiert worden.

    2013 führte die russische Kriegsflotte eine einmalige unblutige Operation durch. Nach einer C-Waffen-Provokation bereiteten sich die Nato und die USA auf einen Angriff gegen Syrien vor. Doch im Ergebnis schloss Damaskus unter Vermittlung Russlands ein Abkommen über die Vernichtung chemischer Waffen. Angriffe bzw. eine mögliche Intervention konnten so vermieden werden.

    Jetzt behaupten westliche Experten, dass dies nur wegen der Unentschlossenheit des damaligen Präsidenten Barack Obama erreicht wurde. Dabei wird die Tatsache ignoriert, dass die russische Kriegsflotte vor der Küste Syriens einen schlagkräftigen Verband schuf, der die Küste schützte und die US-Schiffe daran hinderte, eine vorteilhafte Position für Angriffe zu beziehen. Auf eine offene Konfrontation gegen Russland gingen die Nato und die USA nicht ein. Damit entfielen die Tomahawk-Marschflugkörper als Trumpf der Hardliner.

    Diese Strategie half auch bei US-Angriffen im Frühjahr. Aus dem Mittelmeer feuerten die USA nur einige Tomahawk-Raketen ab. Die restlichen Raketen wurden vom Roten Meer gestartet. Die Verdrängung der Schiffe aus dem Mittelmeer beschränkt die Möglichkeiten der Marschflugkörper. Sie können sich nur in bestimmten Flugbahnen bewegen. Es wird also deutlich einfacher, Flugabwehrmittel zu stationieren. Die USA sind also nicht in der Lage, einen verheerenden Schlag mit mehreren Tomahawk-Raketen aus verschiedenen Richtungen zu versetzen.

    Die russische Kriegsflotte zog wohl ihre Lehren aus dem Angriff im Frühjahr. Trotz aller Erfolge der russischen Fregatten konnte ein US-amerikanisches U-Boot sich problemlos positionieren und Raketen abfeuern. Diesmal wurde eine Schutzlinie aus mehreren Anti-U-Boot-Schiffen errichtet, unterstützt aus der Luft.

    >>Andere Sputnik-Artikel: Polarmeer: Russlands Marinesoldaten stürmen eine strategisch wichtige Bucht

    In Syrien hat derweil der letzte Akt begonnen. Die Niederschlagung der Terroristen in Idlib würde den Bürgerkrieg beenden. Keine einfache Aufgabe. Damaskus muss nicht nur die Terroristen vertreiben, sondern auch zu möglichen C-Waffen-Provokationen und anschließenden Raketenangriffen bereit sein.

    Die russische Marine leistete einen großen Beitrag zur Zerschlagung der Extremisten in Syrien. Nun steht eine nicht weniger wichtige Aufgabe bevor.

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    Tags:
    Übungen, Marschall Ustinow, Fernfeuerwaffen MSTA-B, Tu-142, Kalibr-Rakete, Su-34, NATO, Hmeimim, Idlib, Mittelmeer, Syrien, USA, Russland