05:40 11 Dezember 2018
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    Schlachtschiff der Iowa-Klasse (Archiv)

    Wer gewinnt? Amerikas letztes Schlachtschiff gegen Russlands tödlichen Kreuzer

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    Es ist 1988, der Dritte Weltkrieg ist gerade ausgebrochen. Auf See findet eine Schlacht der Titanen statt: Ein Schlachtschiff der US Navy fängt einen Sowjetkreuzer ab. Dieses Szenario entwirft ein Militärexperte im Fachblatt „The National Interest“ – in einem Artikel, bei dem Kenner einfach nur den Kopf schütteln müssen.

    Ein Schlachtschiff aus den Vierzigerjahren hält einen neugebauten Raketenkreuzer auf, der einen amerikanischen Flugzeugträgerverband abfangen sollte. Dieses Gedankenspiel erscheint nur jemandem logisch, der Propaganda betreiben will.

    Doch genau so ein Szenario entwirft der US-Militärexperte Kyle Mizokami in seinem Artikel für „The National Interest“: Ein Schlachtschiff der Iowa-Klasse stoppt einen schweren atomgetriebenen Raketenkreuzer der Kirow-Klasse – eine vom Standpunkt der realen Taktik auf See völlig absurde Idee.

    Fangen wir damit an, dass Alleingänge in der Kampftaktik der Sowjetflotte überhaupt nicht vorgesehen waren: Hätte eine Schiffsgruppe wie ein Flugzeugträgerverband gejagt werden müssen, hätte kein Kreuzer allein, sondern eine ganze Schiffsgruppe diese Aufgabe übernommen. Nur in der Art und Anzahl der Schiffe hätten sich die beiden Verbände unterschieden.

    Es zeigt sich überdies, dass der Autor die Fähigkeiten des sowjetischen Raketenkreuzers nur unzureichend kennt, versucht er doch den Leser davon zu überzeugen, dass die Kanonentürme der Iowa-Klasse eine wirkungsvollere Waffe wären als die Anti-Schiffs-Raketen „Granit“ der Kirow-Klasse. Die Flugkörper würden vom Nahbereichsverteidigungssystem „Phalanx CIWS“ des amerikanischen Schlachtschiffs abgefangen werden.

    Dazu kann man nur sagen: Diese Behauptung gehört ins Reich der Phantasie. Und zwar aus dem Grund, dass die „Granit“-Raketen immer im Schwarm agieren: die Raketen sind miteinander vernetzt und priorisieren untereinander selbständig die Ziele. Was eine Rakete „sieht“, das sehen die anderen auch.

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    Ist das Ziel auf diese Weise ausgemacht, nimmt der ganze Schwarm Kurs auf das Objekt. Die Flugbahn verläuft dabei unterhalb von fünf Metern über dem Seespiegel und bei einer Geschwindigkeit von 1,5 Mach. In diesem Bereich sind die Möglichkeiten des Nahbereichsverteidigungssystems „Phalanx“ ziemlich eingeschränkt.

    Als amerikanische Spezialisten einst von der Existenz der „Granit“-Raketen erfuhren, führten sie Versuche mit dem „Phalanx“ durch. Die Erkenntnisse waren schmerzlich: Mit einer Flughöhe von weit weniger als zehn Metern bei einer Geschwindigkeit von mindestens 1,5 Mach und Ausweichmanövern mit einer Belastung von 2g sei die russische Rakete praktisch nicht zu treffen.

    Da hilft auch die Panzerung der Iowa-Klasse nicht, auf die Mizokami hinweist. Der 750 Kilogramm schwere panzerbrechende Gefechtskopf der „Granit“ schlägt garantiert durch diese Panzerung, wobei insgesamt zwei, höchstens drei solcher Flugkörper für ein Schlachtschiff verbraucht würden.

    Die restlichen 15 der insgesamt 18 „Granits“ der Kirow-Klasse würden sich derweil mit anderen Zielobjekten befassen, die zu einem Flugzeugträgerverband der US Navy gehören – nach dem Grundsatz: ein Schiff, eine Rakete.

    Sollte jedoch das Unmögliche möglich werden, und die Iowa-Klasse überlebt die „Granit“-Attacke, so würden andere Schiffe des russischen Verbands das amerikanische Schlachtschiff davon abhalten, zu nah an den Raketenkreuzer zu gelangen. Diese Aufgabe könnten vier bis fünf Lenkwaffen-Zerstörer übernehmen, die mit jeweils acht „Moskito“-Raketen bewaffnet sind.

    Ein Flugkörper dieser Art trägt einen 300 Kilogramm schweren panzerbrechenden Gefechtskopf über eine Distanz von bis zu 120 Kilometern. Mit dem Tempo und den Ausweichmanövern der „Moskito“ wäre das „Phalanx“-Abwehrsystem ebenfalls überfordert.

    Zwar müssten von diesem Raketentyp mehr Exemplare auf ein Schiff abgefeuert werden, doch wäre das Ergebnis das gleiche: Das Schlachtschiff sinkt, noch bevor es nah genug an den Raketenkreuzer heranfahren kann, um seine Kanonen und „Harpoon“-Raketen einzusetzen.

    Dass der Militärexperte Mizokami diesen offensichtlichen Vorteil des Sowjetangriffs gegenüber der US-Verteidigung übersieht, erklärt sich aus dem Ziel und Zweck seines Artikels. Dieser sollte nämlich zeigen, wie ein altgedientes Schiffs der US Navy mit einem hochmodernen Kreuzer der Sowjetmarine fertig wird.

    Ja, der Autor räumt zwar ein, das US-Schlachtschiff hätte den Kampf auf hoher See verloren. Doch insgesamt stünden die Amerikaner gar nicht so schlecht da: Die „Kirow“ hätte alle ihre Lenkwaffen verschossen, ohne das Schlachtschiff versenkt und ihre eigentliche Aufgabe – die Bekämpfung des US-Flugzeugträgers – erfüllt zu haben.

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    Die „Kirow“ nähme dann Kurs auf ihren Heimathafen, um die Waffenkammern aufzufüllen. Doch weil die US-Flugzeugträger unversehrt geblieben wären, könnte es sein, dass es gar keinen Hafen für die „Kirow“ mehr gäbe.

    Was soll man dazu sagen? Solcherart Artikel in amerikanischen Medien nähren die Illusion, ein kurzer siegreicher Feldzug sei jederzeit möglich, in dem die US Navy die Flotte und die Häfen des Gegners zerbombt, ohne Verluste in den eigenen Reihen zu erleiden. Eine Unterschätzung der Gegenseite (wie übrigens auch eine Überschätzung) dürfte sich jedoch bitter rächen.

    Davon abgesehen geben einige US-Strategen die Hoffnung nicht auf, Russland werde in ein wirtschaftlich ruinöses Wettrüsten einsteigen. Damit liegen sie aber weit daneben. Einen zahlenmäßig überlegenen Gegner wird die russische Marine nicht nach traditioneller Art – „Flotte gegen Flotte“ – bekämpfen. Nein, die Schiffe und U-Boote des Gegners wird Russland mit modernsten Lenkwaffen bekämpfen, und zwar aus weiter Entfernung.

    Die russischen see- und luftgestützten „Kalibr“-Raketen haben bereits in Syrien ihre hohe Wirkungskraft bewiesen. Sowohl die russische Luftwaffe als auch die russischen Seestreitkräfte erhalten derzeit neue Marschflugkörper Ch-35E und Ch-32, die in ihren Fähigkeiten den „Granits“ und „Moskitos“ entsprechen.

    Die Indienststellung der neuen Hyperschallrakete hat die Interoperabilität der Luft- und Seestreitkräfte bei der Bekämpfung von Schiffsverbänden verbessert, da kündigt sich bereits eine weitere Hyperschallwaffe – die „Zirkon“ – an.

    Und auf der Rüstungsmesse „Armia 2018“ ist kürzlich die Haupttendenz bei der Entwicklung der russischen Marine umrissen worden: Für den Einsatz auf Ozeanen und in fernen Gewässern sollen größere Serien von Kampfschiffen gebaut werden, darunter Mehrzweckschiffe, die auch Luftfahrzeuge aufnehmen können.

    Bodeneffektfahrzeuge – ebenfalls mit Hyperschallraketen bewaffnet – sollen die russische Marine zudem verstärken. Das ist Russlands Reaktion auf das amerikanische Wettrüsten.

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    Tags:
    Schlacht, Raketenkreuzer, Übungen, Dritter Weltkrieg, UdSSR, USA, Russland