00:56 19 September 2018
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    Ukrainische Panzerboote: Kalter Krieg im Asowschen Meer wird zum Hotspot

    CC BY-SA 2.0 / Ministry of Defense of Ukraine / Eugen Silkin
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    Die Eskalation der russisch-ukrainischen Krise im Asowschen Meer unter Beteiligung der USA könnte zu einem militärischen Zusammenstoß führen. Kiew kündigte die Verlegung von Panzerbooten ins Asowsche Meer „zum Schutz der eigenen Häfen“ an.

    Die Behörden der nicht anerkannten Volksrepublik Donezk warnen vor einem möglichen Durchbruch der ukrainischen Streitkräfte in der Nähe der Hafenstadt Mariupol. Experten in Washington rufen dazu auf, US-Militär zur „Deblockierung“ der Straße von Kertsch zu entsenden. Im Falle eines Konflikts würde auch der russische Frachtverkehr im Asowschen Meer betroffen sein.

    Ende der vergangenen Woche wurde an den Hafen im ukrainischen Berdjansk das erste Panzerboot Gjursa-M gebracht. Nach Angaben des ukrainischen Generalstabs und des Kommandos der ukrainischen Marine sollen in der nächsten Zeit drei kleine Artillerieboote ins Asowsche Meer geschickt werden. Bis Jahresende will Kiew einen vollwertigen Marinestützpunkt einrichten und einen Motorboote-Verband bilden. Der ukrainische Sicherheits- und Verteidigungsrat beschloss, die Militärpräsenz im Asowschen Meer zu verstärken und den Küstenschutz mit neuesten Hochpräzisionswaffen zu versorgen.

    Bei der Eskalation des Konflikts wird Kiew von den USA unterstützt. Ende August erklärte das US-Außenministerium:

    „Die USA verurteilen die Beschränkungen für den internationalen Verkehr im Asowschen Meer und in der Straße von Kertsch durch Russland. Russland hielt seit April hunderte kommerzielle Schiffe fest, in den vergangenen Wochen wurden mindestens 16 Handelsschiffe gestoppt, die auf dem Weg zu ukrainischen Häfen waren.“ „Die Handlungen Russlands zur Schaffung von Hindernissen beim Verkehr sind ein weiteres Beispiel der andauernden Kampagne zur Untergrabung und Destabilisierung der Ukraine sowie zur Vernachlässigung der Völkerrechtsnormen“, hieß es in Washington.

    Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist zu vermuten, dass es zu einem direkten Zusammenstoß zwischen russischen und ukrainischen bewaffneten Marinesoldaten kommen kann. Die neuen ukrainischen Panzerboote sind mit zwei 30-mm-Kanonen, Granatwerfern, Maschinengewehren und lenkbaren Anti-Panzer-Raketen ausgerüstet.

    Zwischen Moskau und Kiew gilt seit 2003 ein Vertrag über den Rechtsstatus des Asowschen Meeres und der Straße von Kertsch, in dem sie als Binnengewässer Russlands und der Ukraine gelten. Nun will Kiew diesen Vertrag kündigen, eine Grenze ziehen und den Status des Asowschen Meeres als Binnengewässer aufheben.

    Der ukrainische Außenminister Pawlo Klimkin sagte am vorigen Dienstag, dass Kiew den Status des Asowschen Meeres ohne die Beteiligung Russlands revidieren will. „Wir versuchen jetzt, unsere Partner darauf zu konzentrieren, dass das Asowsche Meer politisch und rechtlich als einfaches territoriales Meer anerkannt wird“, sagte Klimkin.

    Das Gewässer des Asowschen Meeres könnte sich zum Kriegsschauplatz entwickeln, wenn sich der Konflikt im Donbass weiter verschärft. Nach Angaben der Aufständischen der Volksrepublik Donezk plant Kiew drei Angriffe. Einer davon könnte in Richtung Schirokino am Asowschen Meer erfolgen. Zuvor hatten Kräfte der Volksrepublik Donezk Landungsoperationen am Asowschen Meer geübt.

    Die russisch-ukrainischen Spannungen im Asowschen Meer könnten die USA als Anlass nehmen, sich einzumischen. „Moskau hat Möglichkeiten zu Landungsoperationen an der Küste der Ukraine zur Isolierung Mariupols und der gesamten ukrainischen Küste bis Odessa“, sagte US-Politologe Stephen Blank. Ihm zufolge sollten den ukrainischen Kräften Anti-Schiffs-Raketen und Radaranlagen bereitgestellt werden. Zudem schlagen US-Experten vor, Kräfte der US-Marine ins Asowsche Meer zu schicken.

    Die Zuspitzung des Konflikts im Asowschen Meer erzeugt auch Risiken für russische Häfen, die eine wichtige Verkehrsfunktion erfüllen. Im vergangenen Jahr stieg der Frachtumsatz der russischen Häfen am Asowschen Meer und Schwarzen Meer um zehn Prozent auf fast 270 Mio. Tonnen. 88 Mio. Tonnen davon entfielen auf die Häfen am Asowschen Meer.

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    Tags:
    Kriegsgefahr, Eskalation, Waffenlieferungen, Offensive, Panzerboot, US-Außenministerium, Außenministerium der Ukraine, Pentagon, Pawel Klimkin, USA, Ukraine, Asowsches Meer, Donezk, Russland