17:23 22 September 2018
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    Crewmitglied des US-Flugzeugträgers USS Carl Vinson transportiert Luftbomben (Archivbild)

    Worst Case: Droht Weltkrieg, wenn Trump Russlands Militär in Syrien bombardiert?

    © Foto: U.S. Navy/ Mass Communication Specialist 2nd Class James R. Evans
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    Die Zeitung „The Wall Street Journal“ hat unter Verweis auf eigene Quellen behauptet, Syriens Präsident Baschar al-Assad hätte „dem Chlor-Einsatz gegen die letzte Hochburg der Rebellen auf dem Territorium des Landes zugestimmt“ - gegen die Provinz Idlib. Das könnte einen Gegenschlag der US-Truppen zur Folge haben, warnte das „Wall Street Journal“.

    „Das Pentagon arbeitet an militärischen Szenarien, aber Trump hat noch nicht entschieden, was ein Anlass für eine militärische Antwort wäre und ob die USA die russischen oder iranischen Kräfte, die Assad in Syrien helfen, angreifen würden“, geht aus dem Artikel hervor.

    Offizielle in Washington konnten nicht bestätigen, dass die USA Luftschläge gegen Syrien im Falle eines Giftgaseinsatzes in diesem Land versetzen würden. Nach WSJ-Angaben könnte die US-Administration stattdessen einzelne Wirtschaftssanktionen gegen syrische Beamte verhängen.  „Wir sagten nicht, die USA würden auf die Militärgewalt im Falle eines Angriffs zurückgreifen. Wir  verfügen über politische und auch wirtschaftliche Instrumente“, so ein Insider des Weißen Hauses. „Es könnten verschiedene Antworten sein, die wir geben könnten, falls Assad diesen unbedachten und gefährlichen Schritt unternehmen sollte.“

    Das russische Verteidigungsministerium hatte zuvor gewarnt, dass in Syrien eine Provokation um die Anwendung von Chemiewaffen vorbereitet werde, die für die USA, Großbritannien und Frankreich zum Anlass für einen Schlag gegen verschiedene Objekte der syrischen Behörden werden könne.

    Die drei Länder hatten schon früher solche Schläge versetzt, und zwar eben unter dem Vorwand der Giftgasangriffe seitens der Assad-Kräfte. Jetzt könnte sich auch Deutschland diesem Trio anschließen, schrieb die „Bild“-Zeitung unter Berufung auf eigene Quellen.

    Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen sagte allerdings, Berlin würde solche Maßnahmen nur ergreifen, sollte Assad Chemiewaffen gegen friedliche Zivilisten einsetzen.

    „In diesem Fall haben wir es mit der typischen Strategie Donald Trumps zu tun, die er schon seit seinen Zeiten als erfolgreicher Großunternehmer durchsetzt“, sagte der Direktor des russischen Instituts für strategische Analysen, Sergej Osnobischtschew. „Der US-Präsident setzt jedes Mal immer mehr aufs Spiel, dann akzeptiert er gewisse Zugeständnisse, aber am Ende setzt er seine Entscheidungen unter seinen Bedingungen durch – und profitiert davon.“ Auf diese Strategie greife Trump in der ganzen Welt zurück, aber mit Russland würde sie unter keinen Umständen funktionieren, zeigte sich der Experte überzeugt. Russland sei „eine globale Supermacht“, die diesen Status mit ihrem Vorgehen in der internationalen Arena untermauert, auch in Syrien. Und dabei gehe es unter anderem darum, den USA und dem Westen bei einigen Fragen entgegenzuwirken.

    „Zwar haben viele Medien von einer Äußerung Trumps gehört, es würden Schläge gegen die russischen Kräfte folgen, dennoch gibt es keinen solchen Twitter-Beitrag des US-Präsidenten. Man beruft sich lediglich auf Personen, die namentlich nicht genannt werden“, so der Politologe. 

    Es sei unklar, wann, wo und unter welchen Umständen der US-Präsident das gesagt haben könnte. „Man könnte ihn irgendwo unterwegs gefragt haben: ‚Wären Sie zu Schlägen gegen die Russen bereit?‘ Und er könnte geantwortet haben: ‚Natürlich‘ – und weitergegangen sein“, schloss Experte Osnobischtschew nicht aus.

    Als seriöser Politiker könne Trump solch ein Szenario nicht erwägen, zeigte er sich überzeugt: „Wir haben mit den USA in Syrien eine Art abgesprochenes Spiel (das übrigens nicht ganz ungefährlich ist), in dem man sich auch Verletzungen zuziehen könnte. Dennoch ist das ein abgesprochenes Spiel – wir informieren uns gegenseitig über unser Vorgehen.“ 

    Trump könnte Syrien natürlich angreifen, würde aber Russland im Voraus verständigen, zeigte sich Osnobischtschew überzeugt. Und diesen Schlag brauche der US-Präsident, um seine innenpolitische Situation in der Heimat zu stärken. Denn als Präsident, der Amerika „wieder stark machen“ wolle, könnte Trump es sich nicht leisten, Syrien einfach so zu verlassen. Er wolle diese Kampagne beenden, aber sein Antlitz wahren. Dasselbe gelte aber auch für Russland, den Iran und die Türkei, ergänzte der Direktor des Instituts für strategische Analysen.

    „Wir können nicht einmal den Gedanken von einer möglichen Zuspitzung der Beziehungen mit den USA zulassen. Das wäre viel zu gefährlich. Meines Erachtens begreifen das auch die Politiker und Militärs in Amerika“, so der Politologe weiter. Aber sowohl die USA als auch Russland seien immerhin Großmächte, und dadurch geraten sie zusätzlich unter Druck, fügte er hinzu.

    Sollte aber Trump doch Schläge gegen die russischen Kräfte in Syrien wagen, würde das die entsprechende Reaktion Moskaus hervorrufen. Davor hatte der Generalstabschef Valeri Gerassimow bereits im März gewarnt. Nach seinen Worten wäre das russische Militär zu Gegenmaßnahmen im Falle eines US-Raketenschlags gegen Syrien bereit, falls dort eine Bedrohung für die russischen Militärs entstehen sollte.

    Also könnte selbst eine kleine Provokation zu einem Schlagabtausch und zur weiteren Eskalation des Syrien-Konflikts führen.

    Und wenn man bedenkt, dass auf der einen Seite die USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland und auf der anderen Seite Russland stünden, kann man nicht ausschließen, dass wegen Syrien ein Weltkrieg ausbrechen könnte.

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    Tags:
    Eskalation, Konfrontation, Luftangriffe, Kriegsgefahr, Dritter Weltkrieg, Bundeswehr, NATO, Verteidigungsministerium Russlands, Pentagon, Angela Merkel, Ursula von der Leyen, Walerij Gerassimow, Valeri Gerassimow, Baschar al-Assad, Wladimir Putin, Donald Trump, Idlib, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Westen, Nahost, Syrien, USA, Russland