18:26 20 November 2018
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    Israelische Panzertruppen an der Grenze zu Libanon (Archivbild)

    Nach Israels Hisbollah-Beschluss: Schwappt der Syrien-Krieg nach Libanon?

    © AFP 2018 / Jack Guez
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    Libanons Armee hat sich in den vergangenen Jahren nicht genügend von der Hisbollah distanziert, was die Risiken für Israel erhöht. Bei möglichen Spannungen an der Grenze zum Libanon wird Israel nicht mehr zwischen den schiitischen Einheiten und den libanesischen Streitkräften unterscheiden, wie das israelische Militär dieser Tage verkündete.

    Die Wahrscheinlichkeit einer neuen Konfrontation ist sehr hoch in Anbetracht der Tatsache, dass der Iran vor dem Hintergrund des internationalen Drucks eine aggressivere Politik mit Hilfe seiner Stellvertreter im Nahen Osten verfolgen kann, einer davon ist die Hisbollah.

    Der Druck seitens der USA und deren Verbündeten in der Nahost-Region begrenzt den Iran bei der Wahl von Gegenmaßnahmen. Ein hochrangiger Vertreter der iranischen Sicherheitsdienste warnte, dass Teheran auf jede unfreundliche Handlung eine Reaktion, deren Wucht zehnmal größer ist, parat hat.

    „Die Kampf-und-Flucht-Ära ist vorbei, jede feindselige Handlung gegen unser Land wird auf eine zehnmal heftigere Antwort stoßen. Wir sind imstande, uns in jedem Bereich zu schützen“, zitiert die Agentur Tasnim den Sekretär des Obersten Sicherheitsrats des Irans, Ali Schamhani.

    Allerdings könnte eine mögliche Antwort nicht nur in Syrien erfolgen, wo Teheran auf der Seite des Präsidenten Baschar Assad aktiv gegen die Opposition kämpft, sondern auch im Libanon, der zum Verantwortungsbereich der vom Iran kontrollierten Hisbollah gehört.

    Das israelische Militär (Zahal) stellte eine Verstärkung der schiitischen Gruppierung im Libanon in den vergangenen Jahren fest. In der Führung der israelischen Armee wird behauptet, dass der Einfluss der Hisbollah auf die libanesische Armee ein Niveau habe, dass das selektive Prinzip im Falle einer weiteren Konfrontation im Grenzgebiet nicht mehr eingehalten werden kann. „Der Unterschied, den wir zwischen Hisbollah und der libanesischen Armee während des zweiten Libanon-Kriegs machten, war unser Fehler. Im nächsten Krieg werden wir eine solche Unterscheidung nicht mehr machen und einen Schlag gegen den Libanon und jede Infrastruktur versetzen, die die Eskalation auslösen wird“, sagte ein israelischer Offizier der Zeitung „Haaretz“. Bei der Wahl zwischen einem Angriff gegen das libanesische Territorium und der Trennung zwischen der Hisbollah und der Armee Libanons müsse man die erste Variante wählen, so der Offizier.

    Nach Angaben der Israelis sind entlang der nördlichen Grenze Vorposten der Hisbollah stationiert, die jeweils etliche Dutzend Kämpfer zählen können. Bei militärischen Spannungen könnten die Extremisten Nachschub aus den benachbarten Ortschaften bekommen, befürchtet Israel. Anscheinend soll dieses Kräfteverhältnis im Grenzgebiet dafür sorgen, dass der Handlungsspielraum der israelischen Armee auf dem libanesischen Territorium massiv eingeschränkt werden soll. Die Hisbollah hat ihre Möglichkeiten wegen der Beteiligung am bewaffneten Konflikt in Syrien erweitert, so der Offizier. „Sie gehen sicherer bei den Kampfhandlungen vor, doch sie sind nicht in der Lage, nach Israel einzudringen und das eroberte Gebiet zu halten“. Allerdings sei ein Szenario mit der Überquerung der Grenze nicht ausgeschlossen.

    Der US-Sender Fox News berichtete unter Berufung auf westliche Nachrichtendienste, dass ein iranisches Flugunternehmen bei Waffenlieferungen an den Libanon erwischt wurde. Laut Quellen in Geheimdiensten stehen zwei Flüge von Qeshm Fars Air in Verdacht. Beim ersten Flug verließ die Boeing 747 am 9. Juli den Stützpunkt der iranischen Luftstreitkräfte in Teheran und landete in Damaskus. Anschließend folgte das Flugzeug einer ungewöhnlichen Route und traf in Beirut ein. Nach Angaben der Geheimdienste wurden dabei Bestandteile für die Herstellung von Hochpräzisionswaffen geliefert, die für dem Iran gehörende Werke bestimmt sind. Das zweite Flugzeug soll am 2. August von Teheran nach Beirut geflogen sein. Es machte keinen Halt in Syrien, flog nördlich, doch an Bord sollen sich auch Waffen für die Hisbollah befunden haben.

    Experten der US-Denkfabrik Brookings zufolge würde die syrische Erfahrung der Hisbollah im Falle eines neuen Konflikts mit Israel kaum nützlich sein. Die Extremisten der schiitischen Gruppierung griffen vor allem schwach bewaffnete Kämpfer der gemäßigten Opposition an. Diese gesammelten Erfahrungen eignen sich nicht, um den Süden Libanons vor gut ausgebildeten Zahal-Soldaten zu schützen. Falls der Krieg im Libanon ausbricht, wird die Hisbollah wohl versuchen, ihre Raketenanlagen zu nutzen und sich auf den Schutz der Arsenale vor israelischen Angriffen zu konzentrieren. Die Hisbollah verfügt über rund 1000 Tunnels und Bunker mit Waffen und Munition. Sollte Israel erneut im Libanon eingreifen, werde es mit dieser komplizierten unterirdischen Infrastruktur zu tun haben, so Brookings.

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    Tags:
    Opposition, Kriegsgefahr, Terroristen, Waffenlieferungen, Qeshm Fars Air, Hisbollah, Iran, Syrien, Libanon, Israel, Nahost, USA