10:09 17 November 2018
SNA Radio
    Modernisierungsarbeiten am russischen Flugzeugträger Admiral Kusnezow in Murmansk

    Neuer Flugzeugträger für Russland: Wie muss er sein – wenn überhaupt?

    © Sputnik / Pawel Lwow
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Zvezdaweekly.ru
    2514511

    Zwei Dutzend Flugzeugträger wollte die Kaiserliche russische Marine in den Jahren 1910-1917 in Dienst stellen. Zwölf wurden wirklich gebaut und im Ersten Weltkrieg mit Erfolg eingesetzt. Bis in der UdSSR das erste (und einzige) Schiff dieser Klasse entstand, vergingen aber 70 Jahre. Braucht das riesige Russland überhaupt eine Flugzeugträgerflotte?

    Ein Flugzeug an Bord eines Kampfschiffs bedeutete immer schon einen taktischen Vorteil. Anfangs aber nicht, weil damit etwa Luftangriffe geflogen worden wären. Ihre ersten propellergetriebenen Kisten setzten die Seestreitkräfte nur zur Aufklärung ein, um die Bordgeschütze der Schlachtschiffe mit Zielkoordinaten zu versorgen. So konnte auf lange Distanz und doch sehr präzise geschossen werden.

    Weil das deutsche Panzerschiff „Admiral Graf Spee“ zum Beispiel ein Wasserflugzeug an Bord hatte, konnte es zwei britische Marinegeschwader im Atlantik lange Zeit an der Nase herumführen. Als das Aufklärungsflugzeug aber verunglückte, war das Schicksal des deutschen Schlachtschiffs besiegelt.

    Ohne den „fliegenden Ausguck“ war es Admiral Hans Langsdorff unmöglich, die Lage richtig einzuschätzen. Ob in der La Plata-Mündung ein britisches Geschwader auf die „Admiral Graf Spee“ lauerte oder nicht, konnte der Schiffskapitän nicht mehr herausfinden. Er entschloss sich deshalb, das Schiff vier Meilen vor der Küste zu versenken, bevor es den Briten in die Hände gefallen wäre.

    Die Lehre aus dieser Geschichte war, dass ein Bordflugzeug allein für einen taktischen Erfolg definitiv zu wenig ist.

    Mitunter aber ist auch ein ganzer Flugzeugträger kein Erfolgsgarant im Kampf gegen Schlachtschiffe. Der Vorfall mit der britischen „HMS Glorious“ ist eine Ausnahme aus der Regel, dass der Flugzeugträger unbedingt als Gewinner aus einem solchen Zweikampf hervorgehen müsse.

    Panzerschiff Admiral Graf Spee
    Panzerschiff "Admiral Graf Spee"

    Am 8. Juni 1940 stießen die deutschen Panzerschiffe „Scharnhorst“ und „Gneisenau“ auf die „Glorious“. Dieser Flugzeugträger der Royal Navy wurde seinerseits von zwei Schlachtschiffen begleitet.

    Mithilfe des Radars konnte die „Scharnhorst“ mit einem Schuss aus 25 Kilometern das Flugdeck der „Glorious“ so zerstören, dass darauf kein Flugzeug mehr starten konnte. Der Flugzeugträger brannte bereits, als es durch mehrere Treffer im Maschinenraum versenkt wurde. Die Briten verloren den schwimmenden Flugplatz, zwei Schlachtschiffe und 1.500 Mann Besatzung.

    Seit dieser Katastrophe wird ein Flugzeugträger bei Einsätzen immer von zehn bis zwölf Kampfschiffen eskortiert. Was seitdem aber nahezu unverändert geblieben ist, ist die Konstruktion von Flugzeugträgern. Gewandelt hat sich hingegen die Bedrohungslage für diese Klasse von Schiffen.

    Heutige Seezielflugkörper erreichen längst Marschgeschwindigkeiten im Hyperschallbereich, wobei sie die Ziele aus einer Entfernung von bis zu 600 Kilometern orten und treffen können.  Solche Raketen zu bekämpfen ist eigentlich die Aufgabe des Begleitverbands eines Flugzeugträgers.

    Doch nach Ansicht amerikanischer Experten kann die US Navy (die die größte Erfahrung im Einsatz von Flugzeugträgern hat) heute keinen Raketenangriff abwehren, wenn die Marschflugkörper das Ziel mit über 2,5 Mach und in weniger als zehn Metern Höhe anfliegen.

    Dass die Hyperschallraketen fähig sind, die Luftabwehr des Flugzeugträgerverbands zu überwinden, ist auch das größte Argument gegen den Einsatz von Flugzeugträgern überhaupt. Dem stehen jedoch die unbestreitbaren Vorteile dieser Schiffsklasse gegenüber.

    So ist ein Flugzeugträger definitiv eine Verstärkung für die Flugabwehr eines Kampfschiffverbands. Die Überlebensfähigkeit einer Kampfschiffgruppe erhöht sich um 30 Prozent, wenn ein Flugzeugträger eingebunden ist, sagen russische Fachleute. Das heißt, ein Drittel des Kampfschiffverbands würde nach einem Gefecht in den heimischen Hafen zurückkehren können.

    Zwei Flugzeugträger sichern das Überleben des Schiffsverbands zu 70 Prozent, fahren sogar drei Flugzeugträger in der Gruppe mit, gilt es als sicher, dass alle Luftangriffe gegen den Verband abgewehrt werden können.

    Außerdem: Ein Flugzeugträger ist natürlich eine wichtige Komponente zur Luftunterstützung von Bodentruppen. Ein eindrückliches Beispiel dafür ist der Erfolg der russischen Luftwaffe in Syrien. Von der Anzahl der Flugzeuge und Hubschrauber entspricht der in Syrien eingesetzte russische Luftwaffenverband etwa der Flugzeuggruppe einer „USS Nimitz“.

    Angesichts dessen ist festzuhalten, dass ein Flugzeugträger für die russische Marine einen Vorteil bedeuten würde. Bei der Entwicklung des künftigen russischen Flugzeugträgers ist aber weniger auf die klassische Bauweise wertzulegen als auf die richtige Balance zwischen dem Ausmaß der Flugzeuggruppe, der Schlagkraft der Flugabwehr und den Fähigkeiten zur Feuerunterstützung.

    Im Grunde müsste es sich um ein universell einsetzbares Kampfschiff handeln. Und wie sehr die Kritiker den heutigen russischen Flugzeugträger – die „Admiral Kusnezow“ – auch bemängeln: eigentlich ist dieses Schiff so etwas wie ein Prototyp des künftigen Modells.

    Das künftige Universallschiff müsste eine Nische zwischen einem klassischen Flugzeugträger und einem klassischen Hubschrauberträger einnehmen. Seine Flugzeuggruppe müsste nicht nur aus Kampfjets bestehen: auch Frühwarnflugzeuge, Kampf- und Transporthubschrauber (auch Kipprotorflugzeuge) und Aufklärungsdrohnen sollten dazugehören. Neben den Flugzeugen muss das Schiff auch mit Flugabwehr-, Antischiffs- und Eloka-Systemen ausgestattet werden.

    Jedenfalls muss der universelle Flugzeugträger eine wertvolle Erweiterung der Kampschiffgruppe sein, die es möglich macht, jeden Auftrag in den russischen Interessensphären auf den Weltmeeren flexibel und effektiv zu erfüllen. Eine zeitgemäße Werft für den Bau eines solchen Flugzeugträges ist in Russland heute vorhanden: im Fernen Osten. Bleibt nur, den Entwurf abzuwarten.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Kriegsflotte, Bau, Flugzeugträger, Kriegsschiffe, Modernisierung, USS Nimitz, Flugzeugträger Admiral Kusnezow, Zweiter Weltkrieg, Marine Russlands, Drittes Reich, Sowjetunion, UdSSR, Deutschland, USA, Russland