17:46 23 September 2018
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    Großmanöver Wostok-2018 im Fernen Osten

    Russlands Mega-Manöver kein Hindernis für US-Angriff auf Syrien

    © Foto: Verteidigungsministerium Russlands/ Ewgenij Kehl
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    Nesawissimaja Gaseta
    „Wostok 2018“: Das größte Militärmanöver in der Geschichte Russlands (18)
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    Inwieweit ist Moskau bereit, Syrien zu schützen und syrische Truppen bei der bevorstehenden Offensive auf Idlib zu unterstützen? Dazu äußert sich die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Mittwoch. Sie sucht Antworten auf die Frage, ob Russland den Westen hindern kann, Syrien anzugreifen.

    In Russland hat das Großmanöver „Wostok 2018” begonnen. Die größten strategischen Kräfte Russlands sind derzeit im Fernen Osten konzentriert. In Syrien wächst in diesen Tagen jedoch die Gefahr, dass die USA und ihre Verbündeten das Land angreifen. Das betrifft unmittelbar die Interessen Moskaus.

    Der Westen ist sich sicher, dass die syrische Führung Chemiewaffen einsetzen lassen würde. Als Antwort darauf erwägt die US-geführte Koalition einen Raketenschlag auf Syrien, der alle bisherigen in den Schatten stellen würde. Nach Angaben ausländischer Medien könnte im Ergebnis auch der russische Militärverband in Syrien zur Zielscheibe werden. Das könnte die Beziehungen zwischen den USA und Russland bis hin zu einem realen Militärkonflikt verschärfen.

    Dabei stellt sich die Frage: Inwieweit ist Moskau bereit, Syrien zu schützen und syrische Truppen bei der bevorstehenden Offensive auf Idlib zu unterstützen? Die Analyse der aktuellen Ereignisse und von Expertenmeinungen lässt schlussfolgern, dass die militärpolitische Führung in Moskau diese Aufgaben nur erfüllen kann, wenn sie ausreichend mit Waffen gerüstet ist.

    Angriff auch ohne Beweise

    Chinesische Panzer, die an den Manövern zwischen Russland und China teilnehmen
    © Sputnik / Ewgenij Epantschintsew
    Laut Quellen müsste Russland die Verteidigungsausgaben im kommenden Jahr erhöhen, um die Militäraktivitäten im Nahen Osten fortzusetzen sowie die Nato an den westlichen Grenzen und in anderen Regionen, darunter Arktis, weiter abzuschrecken. Über den Umfang dieser Ausgaben liegen derzeit keine offiziellen Angaben vor. Endgültige Vorschläge für den Verteidigungsetat sollen Anfang Oktober vorgelegt werden. Zur Erhöhung der Militärausgaben wird Russland wegen der verschlechterten Beziehungen zu den USA und anderen Nato-Ländern gezwungen.

    Am Montag wurde ein weiteres Szenario eines Raketenangriffs auf Syrien und vielleicht auch auf russische Stellungen vom Sicherheitsberater des US-Präsidenten, John Bolton, beschrieben:

    „In den vergangenen Tagen versuchten wir, ein Signal zu senden, dass im Falle eines dritten Chemiewaffeneinsatzes die Antwort viel stärker als früher sein wird.“

    Der Präsidentenberater weiter: „Wir führen Konsultationen mit den Briten und Franzosen, die sich uns beim zweiten Schlag angeschlossen hatten. Auch sie stimmten zu, dass auf einen weiteren C-Waffen-Einsatz ein stärkerer Schlag folgen soll.“ Obwohl Russland zu bedenken gab, dass das Terrornetzwerk Al-Qaida ebenfalls Giftgas einsetzen könnte, erklärte Bolton einen Gegenschlag durch die US-Koalition für unumgänglich. „Ich bin mir nicht sicher, dass jemand die Verantwortlichen feststellen kann – die Schlachtfelder sind nicht ein von Polizisten eingezäunter Tatort.“

    Russische Manöver kein Stopp-Schild

    Damit ist die Wahrscheinlichkeit eines schweren Schlags gegen Syrien sehr  hoch – selbst wenn keine überzeugenden Beweise vorliegen werden, dass die syrische Armee Chemiewaffen eingesetzt hat. Der Angriff auf Syrien könnte während der russischen Manöver im Fernen Osten erfolgen. Dort sind derzeit die wichtigsten Kräfte des russischen Militärs (Landungstruppen und Spezialeinheiten) sowie Kampf- und Militärtransport-Fliegerkräfte, Lufttanker (von denen viele zuvor den russischen Militärverband in Hmeimim versorgten) konzentriert.

    Vor der syrischen Mittelmeerküste sind vor wenigen Tagen die größten Übungen der russischen Marine und Luftstreitkräfte in diesem Gewässer zu Ende gegangen. Offenbar wurde dort geübt, wie die Offensive der Assad-Truppen in Idlib unterstützt und die Verluste bei möglichen Raketenangriffen der USA und deren Verbündeten minimiert werden kann.

    Angesichts der sich zuspitzenden Wirtschafts- und Finanzkrise und der Sanktionen müssen bedeutende Ressourcen ausgegeben werden, um die Militärverbände im Fernen Osten und Syrien aufrechtzuerhalten. Wie das russische Verteidigungsministerium berichtete, wurde eine solch hohe Konzentration der Militärkräfte und —mittel in diesen Regionen erstmals in der postsowjetischen Geschichte organisiert.

    Keine höheren Ausgaben

    Manöver in dieser Größenordnung kosten viel Geld. Nato-Sprecher Dylan White sagte dazu:

    „Die Manöver ‚Wostok 2018‘ zeigen die Ausrichtung  Russlands auf die Vorbereitung auf großangelegte Konflikte, was ins Bild passt, das wir früher beobachteten – ein entschlosseneres Russland, das sein Militäretat und Militärpräsenz deutlich ausbaut.“

    Der stellvertretende Vorsitzende des Gesellschaftsrats beim russischen Verteidigungsministerium, Alexander Kanjschin, sagte jedoch, dass die Ausgaben für die Manöver sowie für den Syrien-Einsatz kaum das überschreiten, was im Militäretat fixiert ist. Er hob hervor: „Ein wichtiger Faktor, der solche Manöver notwendig macht, sind militärische Bedrohungen, die traditionell im Fernen Osten und in der Arktis, darunter in der Nordostpassage, vorhanden sind. Doch das geht nicht über den Rahmen des Militäretats hinaus.“

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    Themen:
    „Wostok 2018“: Das größte Militärmanöver in der Geschichte Russlands (18)
    Tags:
    Großmanöver, Giftgasangriff, Eindämmung, Provokation, Militärübung, Chemiewaffen, Militärmanöver, Manöver, Luftangriff, Wostok 2018, Verteidigungsministerium Russlands, NATO, Baschar al-Assad, Nahost, Idlib, Syrien, USA, Russland, China