13:38 24 September 2018
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    Sicherheitsberater des US-Präsidenten John Bolton

    Washington in Not: Fake-Giftgasanschlag in Idlib verschafft Russland einen Trumpf

    © AP Photo / Andrew Harnik
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    Die nordsyrische Provinz Idlib ist der einzige Hebel, der der US-Regierung noch bleibt, um die Regelung der syrischen Nachkriegsordnung zu vereiteln. Deshalb sind die USA zu allem entschlossen, sagt der Amerikanist Konstantin Blochin. Russland kann die Verzweiflung der US-Führung aber in einen politischen Trumpf ummünzen.

    Die Verantwortlichen in Washington spüren, dass Syrien ihnen aus den Händen gleitet. Deshalb seien sie entschlossen, „sehr grob“ vorzugehen, sagt Konstantin Blochin vom Zentrum für Sicherheitsforschung der Russischen Akademie der Wissenschaften.

    Darum könne es keine Zweifel geben, „dass die Dreharbeiten beim inszenierten Giftgasangriff in Idlib von den USA geplant worden sind“, sagt der Experte.

    „Nach den Aufnahmen wird Washington einfach nur die mediale Resonanz aufbauschen müssen – das heißt, die Leitmedien aufschreien lassen, der syrische Führer vergifte seine eigene Bevölkerung. Und dann folgt der Raketenschlag gegen syrische und iranische Kräfte. Washington ist nicht sehr einfallsreich, wir beobachten die Umsetzung dieses Szenarios zum dritten Mal innerhalb weniger Jahre.“

    John Bolton, der Sicherheitsberater des US-Präsidenten, ist sich jedenfalls sichtlich sicher, dass es einen Raketenangriff gegen Syrien geben wird: Die Vereinigten Staaten werden einen Schlag gegen Syrien vornehmen, sagte er kürzlich.

    Dazu passt, dass in den USA vor wenigen Tagen wie durch einen Zufall Geheimdienstinformationen an die Öffentlichkeit gelangt sind, wonach der syrische Präsident Baschar al-Assad den Einsatz von Chlorgas bei der Rückeroberung von Idlib befohlen habe.

    Das russische Verteidigungsministerium erklärt indes, in der Stadt Dschisr asch-Schughur würden gegenwärtig „Dreharbeiten zu einer inszenierten Provokation bezüglich eines angeblichen Einsatzes von Chemiewaffen gegen die Zivilbevölkerung durch die syrische Armee“ laufen. Diese Informationen seien von den Einwohnern der Provinz Idlib erhalten worden.

    Für die Aufnahmen seien am frühen Morgen mehrere Kamerateams von TV-Sendern aus dem Nahen Osten und einem führenden US-amerikanischen Nachrichtensender in Dschisr asch-Schughur eingetroffen. Das Szenario sehe einstudierte Szenen vor, wie die Weißhelme den vermeintlichen Einheimischen Hilfe leisten, nachdem die syrischen Truppen angeblich „Fassbomben mit Giftstoffen“ eingesetzt hätten, erklärte die russische Behörde.

    Doch außer den strategischen Gründen – dem Kontrollverlust in Syrien – hat die Inszenierung des Giftgasangriffs durch die USA auch innenpolitische Motive, erklärt der Amerikanist Blochin: „Die Trump-Regierung muss die öffentliche Aufmerksamkeit von den Skandalen in den USA auf außenpolitische Themen ablenken.“

    Der Skandale gibt es in der Tat reichlich: Über Trumps Amtsenthebung wird wegen der „Sache Manafort“ öffentlich spekuliert, während der Journalist und Buchautor Bob Woodward das impulsive Verhalten des US-Präsidenten hinter den Kulissen des Weißen Hauses und im Umgang mit dessen Nato-Verbündeten enthüllt.

    Und außerdem stehen in den USA die Zwischenwahlen an. „Trump will nicht als Papiertiger in die Wahlen gehen, sondern als starker und kompromissloser Politiker dastehen. Dafür werden die Provokationen inszeniert, die den Raketenschlag gegen Syrien vorbereiten sollen“, so der Experte.

    Wie das russische Verteidigungsministerium erklärt, werden die gefakten Bilder des angeblichen Giftgasangriffs in Dschisr asch-Schughur am Ende des Tages an die Redaktionen von Fernsehsendern übermittelt, wo sie nach der Veröffentlichung in den sozialen Netzwerken ausgestrahlt werden sollen.

    Überdies sei eine Kämpfergruppe in die Region verlegt worden, die von den Fachleuten einer britischen Söldnerfirma im Umgang mit Giftstoffen ausgebildet worden sei.

    Das russische Verteidigungsministerium weist bei weitem nicht zum ersten Mal auf die Vorbereitung einer inszenierten Giftgasattacke in Idlib hin. Schon im August dieses Jahres sagte der offizielle Sprecher der Behörde, Generalmajor Igor Konaschenkow, die Kämpfer der Terrormiliz Hai‘at Tahrir asch-Scham hätten acht Fässer mit Chlor nach Dschisr asch-Schughur gebracht und sie dann in ein nahegelegenes Dorf transportiert.

    „Russland hat von Anfang an vor der inszenierten Giftgasattacke gewarnt“, erklärt der Experte Blochin. „Die USA geben sich keine große Mühe, ihre Vorwürfe mit Beweisen zu belegen. Die westliche Propagandamaschinerie kann den Amerikanern und Europäern schließlich jeden Fake schmackhaft machen. Die Story mit den Skripals zeigt das eindrücklich. Doch allein die Tatsache, dass Russland jetzt Trümpfe für die weitere Auseinandersetzung mit den USA bei der Uno in die Hand bekommen hat, ist sehr viel wert“, sagt der Analyst.

    Eine leichte Entwarnung gibt der Experte aber auch: „Beim Angriff gegen Syrien werden die Amerikaner alles tun, um eine direkte Kollision mit den russischen Truppen zu vermeiden. Das Pentagon plant seine Militärschläge so, das russische Einrichtungen und Interessen im Nahen Osten nicht mal zufällig getroffen werden. Das haben die bisherigen Angriffe gezeigt.“

    Sollten die US-Amerikaner jetzt einen bewaffneten Konflikt mit Russland entfachen, wäre die Lage ernster als einst bei der Kuba-Krise, ist Blochin überzeugt. „Ein einziger von den Amerikanern getöteter russischer Soldat könnte die USA teuer zu stehen kommen. Washington sieht das ein und ist sicherlich nicht bereit, wegen Syrien den Dritten Weltkrieg auszulösen.“

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    Tags:
    Medienattacke, Gefahr, Amtsenthebung, Giftgasangriff, Chemiewaffen, Inszenierung, Weißes Haus, Weißhelme, Paul Manafort, John Bolton, Donald Trump, Baschar al-Assad, Idlib, Syrien, USA