11:09 18 November 2018
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    US-Dollar (Symbolbild)

    Moody’s erklärt Geheimnis der Dollar-Macht, unterschätzt aber ein Risiko

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    Zurzeit wird viel über die Rolle des US-Dollars im Welthandel und als Reservewährung diskutiert. Moody’s Investors Service hat offenbar eine Antwort gefunden.

    Antwort aus Zitadelle

    Nur der US-Dollar könne derzeit eine einfache Handhabung und den Preisvorteil im internationalen Handel gewährleisten, sein Anteil an den globalen Reserven bleibe unerreichbar für alternative Währungen, so Moody’s Investors Service. Wie die russische Zeitung „RBC“ unter Berufung auf eine neue Studie schreibt, werden Jahrzehnte vergehen, bis die Zentralbanken diese Verhältnisse im Welthandel ändern können.

    Viele regionale Währungen gewinnen derzeit an Stärke, mehrere Länder bemühen sich, bei gegenseitigen Zahlungen zu den Nationalwährungen überzugehen. Im Ergebnis könnte der Bedarf am Dollar sinken, besonders angesichts der Intensivierung des regionalen Handels und der wachsenden Rolle des Yuans als Reservewährung.

    Rede des EU-Kommissionschefs Jean-Claude Juncker im regionalen Parlament von Flandern
    © AP Photo / Geert Vanden Wijngaert
    Moody’s positioniert sich mit seiner Einschätzung gegen die BRICS-Länder, die bei gegenseitigen Zahlungen zu Nationalwährungen wechseln wollen und die Reservefunktion des US-Dollar infrage stellen. Zweifel an der Zukunft des US-Dollars tauchten vor allem wegen der US-Sanktionen auf, vor allem beim BRICS-Gipfel in Johannesburg im Juli.

    Laut Moody’s-Experten wird der Dollar die wichtigste globale Reservewährung bleiben. Auf den US-Dollar entfallen 63 Prozent der globalen Währungsreserven, gefolgt vom Euro (20 Prozent). Der Anteil anderer Währungen liegt bei weniger als fünf Prozent.

    Zu den Faktoren, die die Stärke des US-Dollars sichern, gehören die Größe der US-Wirtschaft, die Rolle Amerikas in der Weltwirtschaft, die Transparenz des US-Finanzmarkts sowie die Voraussagbarkeit und Zuverlässigkeit der Geldpolitik. Zudem soll die aktuelle Struktur der US-Wirtschaft ihre Stabilität gegenüber dem Handelsdefizit sichern.

    Dass die Agentur bei den kontroversen Diskussionen den Dollar verteidigt zeigt, dass offizielle sowie inoffizielle Institutionen die US-Währung schützen, sobald deren Abwertung bedroht ist.

    Schon seit zehn Jahren wird fast pausenlos darüber diskutiert, doch der US-Dollar sei nicht kleinzukriegen, so die Analystin Anna Bodrowa von Alpari. Der Yuan würde noch einige Zeit brauchen – sieben bis zehn Jahre – um zu einer Top-Währung im internationalen Handel aufzusteigen. Solange die chinesische Währung steuerbar und von der Zentralbank Chinas abhängig sei, könne keine Rede von einer globalen Herrschaft sein. Der Euro werde dabei wegen seiner Beweglichkeit nicht erörtert, so die Analystin.

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    Als Konkurrent könnte langfristig das britische Pfund Sterling infrage kommen, doch wegen dem Brexit seien seine Aussichten für die kommenden fünf Jahre ungewiss. Wie sich nun zeigt, gibt es keine realen Konkurrenten für den US-Dollar, obwohl sein Anteil am Welthandelssystem abnimmt, weil Länder zu Verrechnungen in Nationalwährungen wechseln.

    Andere Länder haben Möglichkeiten, den Dollar zu verdrängen

    Zu den Vorteilen des Dollars, die von Moody’s-Experten aufgezählt wurden, gehöre auch die Tatsache, dass die Preise für viele Rohstoffe in Dollar gebildet würden und der Handel auch in Dollar abgewickelt werde, sagte die Finanzberaterin Schanna Kulakowa von TeleTrade. Es gibt sogar den Begriff Petrodollar. Einige meinen, dass nach der Aufhebung des Goldstandards der Dollar wegen der globalen Ölnachfrage auf sicheren Beinen steht. Der Rückgang des Dollar-Anteils in der Weltwirtschaft könnte unter anderem wegen eines Wechsels zu Öl- und Gas-Zahlungen mit anderen Währungen möglich sein. Doch sind die Öl-Exporteure und –Importeure überhaupt dazu bereit? Der Zustrom von Exportgeldern in ausländischer Währung ist einer der Faktoren, die die Stabilität der Nationalwährung des Exportlandes sichern.

    Der Übergang zu Verrechnungen in alternativen Währungen betreffe nicht nur den Ölmarkt, sondern auch andere Waren und Dienstleistungen, so die Analystin. Die größten Importeure und Exporteure neben den USA sind Länder wie China, Japan, Südkorea, Hongkong, Großbritannien sowie einige Länder der Eurozone. Gerade diese Länder verfügen über die größten Möglichkeiten, den Anteil des Dollars bei internationalen Verrechnungen zu beeinflussen.

    Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Struktur der globalen Währungsreserven. Über die größten Reserven verfügen China, Japan, Saudi-Arabien, Russland, Brasilien, Indien und einige andere Länder. Sie können die Struktur ihrer Reserven maßgeblich ändern und den Dollar-Anteil kürzen. Doch man sollte sich daran erinnern, dass die Liste der alternativen Währungen von IWF-Methodologie strikt beschränkt ist und die Reserven eine sehr wichtige Substanz sind. Der US-Dollar hat sich als zuverlässiges Instrument bei der Bildung von finanziellen Air-Bags auf staatlicher Ebene bewährt.

    Andere Länder verfügen zwar über die Möglichkeiten, den Dollar unter Druck zu setzen, doch zeigen sie keine große Eile. Einzelne Versuche Chinas, Irans, Russlands und anderer Länder bringen bislang kein spürbares Ergebnis. Man muss zugeben, dass es bequem und zuverlässig ist, vorwiegend den Dollar zu nutzen.

    Eine reale Konkurrenz könnte wohl nur der Yuan bieten – er hat den Status einer Reserve-Währung. China ist einer der größten Teilnehmer des globalen Ölmarktes und im internationalen Handel. Zudem verfügt es über enorme Gold- und Währungsreserven. Allerdings ist das Vertrauen zum Yuan nicht allzu groß, das ist eher eine politische Frage – in der heutigen Welt hat man nicht viel Vertrauen zum Kommunismus.

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    Sanktionsrisiken wachsen

    Moody’s habe also recht, wenn es behauptet, dass der Dollar in absehbarer Zukunft die Reservewährung und dominierende Währung bleiben werde, so der Experte des Internationalen Finanzzentrums, Wladimir Roschankowski. Doch in welchem Umfang – das wird von den USA selbst abhängen. Die Sanktionsrisiken in US-Dollar wachsen proportional mit der Häufigkeit seines Einsatzes als Sanktionspeitsche. Dabei handelt es sich nicht um ein isoliertes Problem Russlands bzw. des Irans, sondern auch um ein Problem der nichtamerikanischen Weltwirtschaft, und auch der europäischen (man sollte sich an die Sanktionen gegen die Deutsche Bank und gegen BNP Paribas erinnern).

    Moody’s unterschätze die Hedging-Instrumente für Währungsrisiken, die die Minimierung der Verluste bei der Senkung der Kurse der Nationalwährungen ohne internationale Transaktionen via Dollar ermöglichen, so der Experte.

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    Tags:
    Intensivierung, Zahlungen, Pfund, US-Dollar, Reservewährung, Öl, Gas, Euro, Währung, Handel, BRICS, USA, China