04:22 19 Oktober 2018
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    Chinesische Flagge in Dschibuti, Afrika (Archiv)

    Europa im Abseits: China kolonialisiert Afrika mit Soft Power

    © AFP 2018 / Yasuyoshi CHIBA
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    Nach dem Ende des Kalten Krieges verloren die USA ihr Interesse an Afrika, was auch mit dem Scheitern der Operation in Somalia Anfang der 1990er-Jahre verbunden war, was schmerzhafte Erinnerungen in den USA hinterließ. Das nutzte China, das nun zum faktischen Herrscher Afrikas aufgestiegen ist, schreibt das Portal „vpk-news.ru“.

    China deklariert seine Präsenz in Afrika gerne mit ideologischen Mottos, doch in Wirklichkeit basiert sie auf reinem Pragmatismus. Peking betont ständig seine antiimperialistischen Bestrebungen und seine Bereitschaft, den Kampf der Entwicklungsländer gegen Imperialismus und Ungleichheit zu unterstützen und deren Rechte in der internationalen Arena  zu verteidigen. Man muss schon genauer hinschauen, um die wahren Interessen Chinas zu erkennen. Hier zeigt sich das Hauptprinzip der chinesischen Außenpolitik – extremer Pragmatismus, der an Zynismus grenzt.

    Chinesische Safari

    China bezeichnet sich selbst zwar als Schwellenmarkt (mit dem weltweit größten BIP), erobert jedoch die Absatzmärkte der wirklichen Schwellenländer und dringt in ihre Wirtschaften ein. Die Dritte Welt wird von Chinesen als Lieferant von Ressourcen und Absatzmarkt für billige Waren und Maschinenbauerzeugnisse niedriger Qualität betrachtet. Dabei hat Peking nicht vor, irgendwelche politische Verpflichtungen gegenüber diesen Staaten zu übernehmen.

    Peking hat keine Minderwertigkeitskomplexe bezüglich „Demokratie“, „Menschenrechte“ und anderer westlicher Dummheiten. Es ist bereit, mit jedem Regime zu kooperieren und mit ihnen persönliche, fast immer offen korrumpierte Verbindungen zu knüpfen. Für viele Entwicklungsländer ist das chinesische Modell (politischer Autoritarismus und wirtschaftliche Offenheit) an sich attraktiv. Es gibt schon den Begriff „Pekinger Konsens“, der die Aufrechterhaltung der nationalen Entwicklungsmodelle als Gegengewicht zum liberalen „Washingtoner Konsens“ vorsieht. Nun formuliert Peking dies als Idee des „gemeinsamen Schicksals der Menschheit“.

    China gelingt es, eigene Wirtschaftsprojekte mit dem Einsatz chinesischer Arbeitskräfte durchzusetzen. China schickt in die Länder Asiens, Afrikas und Lateinamerikas Investitionen, Kredite und Arbeitskräfte (Manager, Ingenieure, Arbeiter), verschafft sich damit die wirtschaftliche Kontrolle über die Bodenschätze und generiert Jobs für die eigenen Staatsbürger. In den von Chinesen geschaffenen Unternehmen arbeiten Chinesen und nicht die Einheimischen. Beim Thema Umweltschutz in diesen Ländern agiert China nicht anders wie bei sich zu Hause, also barbarisch. In die Entwicklungsländer werden die billigsten Waren exportiert, ihre eigene Produktion untergraben und ein großes Profizit beim Handel mit ihnen erreicht.

    Besondere Aufmerksamkeit widmet Peking Afrika, das über viele Bodenschätze verfügt. Dabei erleichtern die schwache Wirtschaft und die korrumpierten Regimes der afrikanischen Länder das Eindringen Chinas. Im Januar 2006 wurde in Peking das Regierungsdokument „Chinas Politik in Afrika“ publik, in dem die Richtlinien und Mechanismen zur Umsetzung der Aufgaben der strategischen Partnerschaft dargelegt sind. China wartet nicht auf die Stabilisierung der Situation in den Problemländern, was häufig zum Erfolg führt. Große Risiken bringen maximalen Gewinn. In Afrika lassen sich die größten Gewinne weltweit erzielen.

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    2000 lag der Handelsumsatz zwischen China und Afrika bei zehn Milliarden Dollar. 2013 waren es schon mehr als 210 Mrd. Dollar, und er wächst weiter. 2018 stieg China zum wichtigsten Handelspartner des Schwarzen Kontinents auf. Mehr als 1000 chinesische Unternehmen sind in Afrika tätig — mehr als eine Million Chinesen arbeiten dort. Für den Ausbau der Wirtschaftskooperation wurde das Forum „China-Afrika“ eingerichtet, dessen Sitzungen jedes Jahr unter Teilnahme der Spitzenpolitiker Chinas und der meisten afrikanischen Länder stattfinden.

    Zu den wichtigsten Öllieferanten Chinas gehören Angola, Nigeria und Sudan. Fast die gesamte chinesische Möbelindustrie nutzt Schnittholz aus Liberia, Kamerun, Mosambik, Namibia. 40 Prozent des Kupfer-Imports entfallen auf Sambia.

    Das Eindringen Chinas in Afrika gewann nach dem Rückzug der Sowjetunion an Fahrt. Peking ersetzte Moskau als größten Waffenlieferanten. Die Afrikaner mögen chinesische Militärtechnik – sie ist billig und einfach zu handhaben.

    Chinesen verdrängen auch sehr erfolgreich die Europäer und Amerikaner von dem Kontinent. Die afrikanischen Oberhäupter bevorzugen es, mit den ebenso reichen, jedoch absolut politisch neutralen Chinesen zusammenzuarbeiten. In einigen Ländern stößt die chinesische Herrschaft auf Massenproteste, doch die Behörden können sie bislang im Zaum halten.

    Afrika wird jetzt sehr aktiv von Peking in sein größtes außenpolitisches und außenwirtschaftliches Projekt „Ein Gürtel – eine Straße“ sowie in das Programm zum Bau von Militärstützpunkten im Ausland („Perlenfaden“) einbezogen.

    Tiger-Kampf

    Die USA sind über diese Entwicklung sehr beunruhigt und versuchen dagegen zu steuern.  So wurde ein spezielles Afrikanisches Kommando – AFRICOM —eingerichtet.

    AFRICOM existiert formell seit dem 1. Oktober 2008. Zuvor hatte der nordöstliche Teil Afrikas (Ägypten, Sudan, Äthiopien, Eritrea, Dschibuti, Somalia) zum Verantwortungsbereich von CENTCOM und alles Restliche zum Europäischen Kommando gehört.

    Das Hauptquartier von AFRICOM befindet sich in Stuttgart, wo auch fast der gesamte Personalbestand stationiert ist (2000 Menschen), weitere 1500 Soldaten sind in Florida stationiert. Im italienischen Vicenza befindet sich der Heeresstab, zu dessen Aufgabe das Zusammenwirken mit afrikanischen Armeen gehört. Das einzige Militärobjekt von AFRICOM in Afrika ist der Marinestützpunkt in Dschibuti mit 1000-1500 Militärs.

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    AFRICOM ist damit fast vollständig in Europa und nicht in Afrika stationiert – und das wegen der Chinesen. Bereits vor 15 Jahren gab es einen Kampf um das Recht, den Stab in Afrika zu stationieren, allerdings vergeblich, weil kein afrikanisches Land ihn aufnehmen wollte. Als Symbolisch kann die Tatsache betrachtet werden, dass der erste „offizielle“ Militärstützpunkt Chinas im Ausland in Dschibuti in der Nähe des US-Stützpunktes auftauchte.

    Allerdings bedeutet die militärische Schwäche der USA in Afrika nicht, dass Washington nicht versucht, den Einflussbereich Pekings einzuschränken. Ein Schritt in dieser Richtung wurde die Zerstückelung des Sudans 2011, der als wichtigste Stütze Chinas in Afrika galt. Es war de facto der erste Fall des legitimen Zerfalls eines unitären Staates. Angesichts der hohen Sensibilität des Westens bei solchen Fragen kann man sicher behaupten, dass der Hauptgrund der Zerschlagung des Sudans ein Schlag gegen China war.

    Nicht ausgeschlossen ist, dass ähnliche Motive auch hinsichtlich Libyen galten, wo die Chinesen zu Beginn 2011 sehr aktiv und präsent waren – in der Ölbranche, im Wohn- und Straßenbau.

    Neben den Amerikanern versucht auch Frankreich in Afrika aktiv vorzugehen. Es geht dabei aber vorwiegend um die ehemaligen französischen Kolonien.

    Die Handlungen des Westens könnten China bestimmte Probleme bereiten, doch im Ergebnis werden die Chinesen auf jeden Fall auch nach Südsudan sowie Libyen und West-Afrika zurückkehren – mit Hilfe der eigenen politischen Prinzipienlosigkeit und der Bereitschaft, unter Bedingungen zu arbeiten, die für die westlichen Länder und Unternehmen als zu riskant erscheinen. Ins libysche Chaos, das für die westlichen Länder unannehmbar ist, würden die Chinesen als erste mit prall gefüllten Geldkoffern kommen. Und alles wird sein wie unter dem späten Gaddafi.

    Russland hat dabei keine reale Möglichkeit und, was am wichtigsten ist, keinen Bedarf, sich einzumischen. Während des Kalten Krieges war China ein weiser Affe, der einen Kampf von zwei Tigern beobachtete. Russland sollte in diese Rolle schlüpfen, und dabei zusehen, wie sich die zwei Tiger nicht nur in Afrika bekämpfen werden. Dieser Kampf wird zunehmend erbitterter und ausschöpfender für beide Gegner.

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    Eine solche Strategie hindert Moskau jedoch nicht daran, punktuelle Positionen in Afrika beizubehalten. Angola bevorzugt  trotz „der großen Freundschaft“ mit China russische Waffen. Algerien normalisierte seit langem die Beziehungen zum Westen, nimmt an Nato-Programmen teil, kokettiert mit Peking, doch stieg es in den vergangenen Jahren auf den zweiten Platz nach Indien unter den Käufern russischer Militärtechnik auf. Sogar an Uganda hat Russland sechs Su-30 und zehn T-90 verkauft. Das ermöglicht Russland Einnahmen ohne die Notwendigkeit, in fremde Konflikte hineingezogen zu werden.

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    Tags:
    Ressourcen, Kolonisierung, Energie, Umweltschutz, Handel, Waffenlieferungen, NATO, Afrika, USA, Frankreich, China