21:46 16 Oktober 2018
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    Präsentation von Archivdokumenten bei Pressekonferenz des russischen Verteidigungsministeriums zum MH17-Absturz

    MH17-Abschuss: Wo sich Militär-Bürokratie als nützlich erweist

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    Wie gut, dass es beim russischen Militär eine ordentliche Verwaltung gibt. Das russische Verteidigungsministerium hat erklärt, anhand von technischen Unterlagen festgestellt zu haben, dass der malaysische Flug MH17 mit einer ukrainischen Rakete abgeschossen wurde. Diese Beweise wird Kiew kaum widerlegen können.

    Flugabwehrraketen unterliegen einer strengen Erfassung. Was so kompliziert klingt, bedeutet im Grunde nur, dass jede Bewegung einer Flugabwehrrakete von der Herstellung bis zur Entsorgung akribisch festgehalten wird.

    Der Raketenhersteller zum Beispiel hinterlegt Akten über die Herkunft von Flugkörpern in seinem Archiv. Auch müssen Truppeneinheiten alles sehr genau erfassen, was mit einem Flugkörper im Verlauf seiner Dienstzeit passiert: Wie wird die Rakete eingesetzt, wie lange verbleibt sie bei Übungen oder während der Gefechtsbereitschaft auf der Startrampe, wann, wo und von wem wird sie gewartet etc.

    Bei so viel genauer Dokumentation kommt einiges an Unterlagen zusammen. Doch im Zweifelsfall helfen die Akten, nachzuverfolgen, wo eine Rakete hergestellt, wohin sie geliefert, wo sie gelagert und möglicherweise eingesetzt wurde.

    Genauso hat das russische Verteidigungsministerium jene Rakete identifiziert, mit welcher der malaysische Flug MH17 am 17. August 2014 über dem Donbass abgeschossen wurde. Ihre Erkenntnisse hat die russische Behörde kürzlich bei einem Briefing vorgestellt.

    Die zentralen Beweisstücke sind demnach der Düsenblock einer Rakete mit der Seriennummer 9D131.1.05.000 Nr. 8.30.113 und der Rumpf eines Strahltriebwerks mit der Seriennummer 9D1318869032.

    Eingebaut wurden diese Bauteile in der Rakete mit der Seriennummer 9M38 Nr. 886847379. Dies geht laut dem russischen Verteidigungsministerium aus dem Archivunterlagen des Herstellers hervor.

    Demnach war die Rakete am 24. Dezember 1986 in der russischen Stadt Dolgoprudnyj fertiggestellt und am 29. Dezember mit der Bahn an die Truppeneinheit Nr. 20152 im ukrainischen Terebowlja verschickt worden.

    „Es ist nachweislich bekannt, dass die Rakete von der Truppeneinheit erhalten wurde“, sagte Nikolai Parschin, Leiter der Hauptabteilung für Raketen- und Artilleriewesen der russischen Streitkräfte, bei der Präsentation der Ermittlungsergebnisse.

    Als Truppeneinheit Nr. 20152 wurde die 223. Flugabwehrbrigade der Heerestruppen der Sowjetunion bezeichnet. Diese Einheit verfügte über „Buk“-Flugabwehrsysteme. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde die Einheit in die neuentstandenen ukrainischen Streitkräfte eingegliedert. Waffen und Munition aus dem Sowjetbestand verblieben in ihrem Besitz.

    Später ist die Brigade in das 223. Flugabwehrregiment umbenannt worden und ist seither in der westukrainischen Stadt Stryj stationiert. Im Sommer 2014 waren Teile dieses Regiments an den Kampfhandlungen im Osten der Ukraine beteiligt.

    Jetzt ist es an der Ukraine, Unterlagen hinsichtlich der genannten Rakete vorzulegen, die die Beweise des russischen Verteidigungsministeriums widerlegen würden. Welche Argumente könnte Kiew dabei vorbringen?

    Kiews mögliche Version 1

    Die Rakete sei zur Instandsetzung an den russischen Hersteller übergeben und vor dem Ausbruch der russisch-ukrainischen Krise nicht zurückgeliefert worden.

    Diese Behauptung müsste entsprechend durch Unterlagen belegt werden. Diese Dokumente zu fälschen, ist so gut wie unmöglich, sodass sie höchstwahrscheinlich nicht vorgelegt werden können.

    Kiews mögliche Version 2

    Die Rakete sei in der Oblast Donezk oder Lugansk gelagert worden, wo sie von den Volksmilizen der Volksrepubliken erbeutet und anschließend eingesetzt worden sei.

    Auch dieses Argument müsste dokumentarisch bestärkt werden. Die Verschickung von Raketen zwischen Truppeneinheiten oder Waffenlagern muss in den Unterlagen verzeichnet worden sein, die sowohl im Archiv des 223. Flugabwehrregiments als auch des ukrainischen Verteidigungsministeriums hinterlegt sein müssten.

    Die Kiewer Führung hat indes erklärt, keine „Buk“-Raketen bei den Kampfhandlungen im Osten der Ukraine verloren zu haben.

    Kiews mögliche Version 3

    Die Rakete sei 2007 als Bestandteil eines „Buk“-Flugabwehrsystems an Georgien übergeben und von den russischen Truppen im Kaukasuskrieg von 2008 erbeutet worden. Danach sei die Rakete eingelagert und erst 2014 zu Provokationszwecken eingesetzt worden.

    Es ist wahr, dass die Ukraine Flugabwehrsysteme an Georgien lieferte. Aber dieses Geschäft, die Übergabe der Raketensysteme an den Auslandskunden und deren weiterer Verbleib müssen dokumentiert worden sein. Die Dokumentation nachträglich zu fälschen, ist sehr schwierig.

    Noch schwieriger ist die Vorstellung, dass die russische Armee eine erbeutete Rakete ohne jedwede Dokumentation in den Einsatzdienst stellt.

    Kiews mögliche Version 4

    Die Rakete sei auf der Halbinsel Krim gelagert und von den russischen Truppen 2014 erbeutet worden.

    Dieses Argument ist bereits beim Briefing des russischen Verteidigungsministeriums entkräftet worden. Laut der russischen Behörde zählte ein Großteil der auf der Krim vorgefundenen Raketen zur Modifikation 9M38M1. Fünf davon seien 1984 hergestellt worden und verfügten über andere Seriennummern.

    Dass eine Rakete 9M38 mit der Nummer 886847379 auf der Krim gelagert worden sei, müsste die Ukraine ebenfalls dokumentarisch belegen. Auch bei diesen Unterlagen ist eine nachträgliche Fälschung kaum möglich.

    Am spannendsten wird es jetzt sein, die Akten des 223. Flugabwehrregiments einzusehen. Sollte die Prüfung plötzlich ergeben, dass die nötigen Unterlagen fehlen oder auffällige Lücken aufweisen, wird es für Kiew schwierig werden, stichhaltige Argumente vorzubringen.

    Wobei dies angesichts des gegenwärtigen Zustands, in dem sich die zwischenstaatlichen Beziehungen befinden, kaum Konsequenzen auslösen wird. Viel wahrscheinlicher ist es, dass Russland in der Ukraine und im Westen der Urkundenfälschung oder sonstiger Manipulationsversuche beschuldigt wird.

    Doch es gibt auch Interessenten, die die Wahrheit wirklich wissen wollen: Die malaysische Regierung zum Beispiel – oder das Management der Malaysia Airlines und die Versicherer der Fluggesellschaft, die bereits hohe Abfindungen an die Firma und die Hinterbliebenen der Opfer ausgezahlt haben, und gerne wüssten, wer nun endlich für den Schaden haften muss.

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    Tags:
    Passagierflugzeug, Rakete, Herkunft, Ermittlung, Buk-M2, MH17-Absturz, Malaysia Airlines, Verteidigungsministerium Russlands, Krim, UdSSR, Sowjetunion, Donezk, Ostukraine, Donbass, Malaysia, Niederlande, Ukraine, Russland