13:18 15 Oktober 2018
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    US-Militär während eines Nachtmanövers (Archivbild)

    Kleiner Atompilz ist keine Option: Trump muss ohne Mini-Nukes Krieg führen

    © Foto: DoD/ U.S. Army/ Sgt. Jason A. Young
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    Die US-Demokraten wollen das Pentagon daran hindern, die Streitkräfte der Vereinigten Staaten mit Mini-Kernwaffen auszustatten. Ein entsprechender Gesetzentwurf ist bereits vorbereitet. Die Gesetzesinitiatoren fürchten, das nukleare Downsizing würde die Ächtung von Atomkriegen aushebeln.

    Kernwaffen von geringer Sprengkraft könnten potentielle Gegner deutlich wirkungsvoller abschrecken. Das erklärte der US-Verteidigungsminister James Mattis letztes Jahr im Kongress. Mit solchen „Mini-Nukes“ könnten die ballistischen „Trident“-Raketen amerikanischer U-Boote bestückt werden. Damit bekäme das US-Militär die Fähigkeit, atomare Schläge „mit chirurgischer Präzision“ vorzunehmen.

    Der US-Gesetzgeber war damals schon beunruhigt: Kleine atomare Sprengköpfe könnten die Einsatzschwelle von Kernwaffen herabsenken, lautete die Befürchtung. Mehr als das: „Die neuen Atomwaffen verringerter Sprengkraft“, heißt es in der Erklärung des Gesetzesinitiatoren, „erhöhen die Wahrscheinlichkeit von Fehleinschätzungen, die zu einem massiven atomaren Schlagabtausch führen können.“

    Die Ausstattung von U-Booten mit Mini-Kernwaffen wäre in der Geschichte der Vereinigten Staaten beispiellos, betonen die demokratischen Abgeordneten. Sie fordern deshalb, die Finanzierung der Entwicklung solcher Waffen im Haushaltsplan für 2019 zu verbieten.

    Noch aber plant die US-Regierung, eine Mini-Nuke auf der Grundlage des thermonuklearen Gefechtskopfs W76-1 entwickeln zu lassen. Dafür würde der Uran-Kern der Bombe entfernt, es bliebe nur der Plutonium-Zünder mit einer Sprengkraft von bis zu sechs Kilotonnen TNT übrig.

    Weil die dadurch entstehende Bomben-Variante keine Neuentwicklung wäre, würde der Kernwaffenbestand der Vereinigten Staaten nicht erweitert. Das Vorhaben entspräche also den US-Verpflichtungen zur Nichtverbreitung von Atomwaffen, betont das Pentagon.

    Russische Fachleute begrüßen die Initiative der US-Demokraten. Würde diese umgesetzt, wäre dies „im Großen und Ganzen nicht schlecht“, sagt Pawel Solotarew, Vize-Direktor des USA-und-Kanada-Instituts der Russischen Akademie der Wissenschaften. Es entstehe in der Tat eine Verlockung, Atomwaffen einzusetzen, wenn man solche Kleinbomben habe.

    „Die Amerikaner legen heute viel Wert auf die regionale Abschreckung“, erklärt Solotarew. „Auf globaler Ebene haben sich die Gefahren gewandelt. Auf regionaler Ebene ist der Versuch, auf atomare Abschreckung zu setzen, aber logisch.“

    Derweil sei das US-Arsenal an taktischen Atomwaffen um die Hälfte kleiner als das russische. „Um diese Lücke zu schließen, haben das Weiße Haus und das Pentagon die Entwicklung der Kleinbomben beschlossen“, so der Experte.

    Für Russland sei das Vorhaben der Demokraten jedenfalls vorteilhaft. „Bei all dem schlechten Verhältnis zur russischen Außenpolitik – die US-Demokraten sind und bleiben Anhänger der Rüstungskontrolle“, sagt der Amerikakenner Alexej Arbatow.

    Den Gesetzesentwurf hätten die Demokraten aus Sorge vorgeschlagen, dass die neue Kernwaffendoktrin von Präsident Trump die Einsatzschwelle von Atomwaffen senkt „und den Einsatz von Kernwaffen in einem lokalen Konflikt wahrscheinlicher macht – verbunden mit der großen Gefahr einer unkontrollierbaren Eskalation bis hin zu einem großen Atomkrieg“.

    Die Demokraten seien traditionell dafür, in Konflikten auf konventionelle, aber hochpräzise Waffen zu setzen. „Sie fürchten, die kleinen Atombomben würden die Illusion schaffen, man könne zwar Atombomben einsetzen, aber das wäre dann kein Atomkrieg, sondern etwas zwischen einem konventionellen und einem atomaren Krieg“, sagt der Experte Arbatow.

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    Tags:
    Militäretat, Entwicklung, Verbot, Atomwaffen, ballistische Rakete, Atom-U-Boot, Trident-II-Rakete, Trident-Atom-U-Boot, US-Senat, Pentagon, US-Kongress, James Mattis, Donald Trump, Russland, USA