04:07 17 Oktober 2018
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    OPEC-Logo am Hauptstandort der Organisation in Wien

    Geldsegen für Russlands Ölfirmen: OPEC reagiert auf Forderung von Trump

    © REUTERS / Leonhard Foeger
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    Saudi-Arabien weigert sich, Trumps Forderung nach der Ausweitung der Ölförderung nachzukommen. Der Preis für einen Barrel Rohöl steigt auf über 80 Dollar. Russische Produzenten verdienen, in inländischer Währung gerechnet, so viel wie noch nie.

    Der Benzinpreis klettert nach oben und „das OPEC-Monopol“ tut zu wenig dagegen, twitterte Donald Trump kürzlich angesichts eines Treffens der Organisation erdölexportierender Länder und Russlands in Algier. „Senkt die Preise sofort“, forderte der US-Präsident.

    Theoretisch wäre eine Preissenkung möglich, würden die OPEC-Länder die Rohölförderung unverzüglich ausweiten. Doch dies haben die Teilnehmerstaaten der sog. OPEC+ bei ihrem Treffen in Algier ausgeschlossen. „Ich werde die Preise nicht beeinflussen“, sagte der saudi-arabische Energieminister Chalid al-Falih am Sonntag.

    Auf diese Nachricht sprangen die Ölmärkte sofort an: Der Preis für einen Barrel der Marke „Brent“ stieg um 2,4 Prozent auf den höchsten Stand seit November 2014, nämlich auf 80,62 US-Dollar. Das Öl der Sorte „WTI“ kostet 72,16 Dollar – ein Anstieg um 1,9 Prozent und ein Höchstwert der letzten zweieinhalb Monate.

    „Die Marktkonjunktur ist gegenwärtig stabil und ausgeglichen, deshalb sieht die OPEC+ keine Notwendigkeit, die Produktion zu steigern“, sagt Wadim Merkulow, Chefanalyst beim Vermögensverwalter „Freedom Finance“.

    Er betont: „Gegen die Ausweitung der Ölförderung haben mehrere Länder gestimmt, darunter auch Venezuela, Nigeria und der Iran.“ Diese Staaten seien in einer wirtschaftlich und politisch schwierigen Lage, der hohe Ölpreis sei die einzige Möglichkeit, die Auswirkungen der Krise die Schärfe zu nehmen.

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    Angesichts amerikanischer Sanktionen gegen den Iran ist eine Produktionssteigerung aber nicht vom Tisch. Saudi-Arabien und Russland könnten ihre Förderung in kürzester Zeit auf zusammen 700 Tsd. Barrel pro Tag hochfahren. „Dies würde den Ölpreis langfristig bei 73 Dollar je Barrel stabilisieren“, sagt der Experte Merkulow.

    Die russischen Ölexporteure sind jedenfalls jetzt schon in einer sehr guten Position, kostet doch ein Barrel Öl umgerechnet 5.300 Rubel – ein Rekordwert für die russische Wirtschaft. Damit sind die Ölproduzenten in Russland in der Lage, in die Erschließung neuer und in die technische Ausstattung bestehender Lagerstätten zu investieren.

    Die OPEC+ hat offiziell keine Empfehlung herausgegeben, die Ölproduktion auszuweiten. Das bedeutet, eine Preissenkung für den wichtigen Rohstoff ist damit nicht zu erwarten.

    Einige Experten schließen jedoch nicht aus, es könnte im kommenden Jahr bereits zu einem Überangebot an Rohöl und folglich einem Förderrückgang kommen. Auf 100,8 Millionen Barrel veranschlagt die OPEC die Tagesproduktion von Rohöl in 2019 – bei einem Tagesverbrauch von 100, 3 Millionen Barrel.

    Eine sehr komplizierte Rolle spielt dabei Saudi-Arabien, erklärt Ilja Scharski, Seniorpartner der Unternehmensberatung „Veta“. „Ende Juni hatten die Teilnehmerländer der OPEC+ angesichts der Sanktionspolitik der Vereinigten Staaten gegen den Iran eine Ausweitung der Förderung um eine Million Barrel pro Tag beschlossen, um dem absehbaren Öldefizit zu begegnen. Drei Monate später sehen wir, dass die Ölexporteure ihre Zusage nicht eingehalten haben, weil sie dem Markt lediglich 800 Tsd. zusätzliche Barrel zur Verfügung gestellt haben.“

    Dabei hat das zusätzliche Angebot die Preise nur unwesentlich beeinflussen können. Es wurde ja von Exportrückgängen aus dem Iran infolge der US-Sanktionen begleitet. Bis zu zwei Millionen Barrel täglich hatte das Land bis dato geliefert.

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    Und auch der größte Ölproduzent Lateinamerikas – Venezuela – musste seinen Export wegen des andauernden Streits mit den USA und der schweren Wirtschaftskrise auf 1,23 Millionen Barrel pro Tag reduzieren. Das ist rund die Hälfte der Vorkrisenexporte von vor vier Jahren.

    Im Grunde könnte nicht nur Saudi-Arabien, sondern auch Russland und die USA das Angebotsdefizit auf dem Ölmarkt ausgleichen. Dies ist aber nur theoretisch möglich.

    Denn Russland könnte seine Förderung nur durch die Erschließung schwerzugänglicher Lagerstätten ausweiten. „Dafür werden jedoch Investitionen und Technologien benötigt, die infolge der westlichen Sanktionen kaum zugänglich sind“, sagt der Unternehmensberater Scharski.

    Und die Vereinigten Staaten exportieren jetzt schon am Rande ihrer Möglichkeiten: Nur zwei Millionen Barrel Rohöl verkaufen die USA täglich ins Ausland, also so viel wie der Iran vor den Sanktionen. Und dies obwohl die Vereinigten Staaten die Ölförderung im August erst auf elf Millionen Barrel pro Tag ausgeweitet haben.

    Die Möglichkeit, eine weitere Million Barrel in den Markt zu pumpen, hätten insofern nur die Saudis. Diese Möglichkeit nutzen sie aber nicht. Der Grund: Trotz der enormen Investitionen in die Diversifizierung der Wirtschaft bleibt Saudi-Arabien ein vom Ölexport abhängiges Land.

    Damit der saudi-arabische Staatshaushalt ausgeglichen bleibt, darf der Ölpreis nicht unter 70 Dollar je Barrel fallen. Anderenfalls wird das Land, das sich an den üppigen Lebensstil gewöhnt hat, seine Notreserven verbrauchen müssen, wie in den Jahren 2015-2016.

    „Trumps Forderung zu erfüllen, käme einer sehr schmerzhaften Selbstkasteiung gleich. Dass die Saudis davon nicht gerade begeistert sind, liegt ja nah“, sagt der Experte Scharski.

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    Tags:
    US-Sanktionen, Export, Ausweitung, Ölförderung, OPEC, Donald Trump, USA, Saudi-Arabien, Russland