12:32 17 Oktober 2018
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    Mesut Özil beim WM-Spiel gegen Südkorea in Kasan (Archivbild)

    „Rassismus"-Skandal überschattet EM-Vergabe an Deutschland

    © Sputnik / Maxim Bogodwid
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    Deutschland hat den Zuschlag für die Ausrichtung der Fußball-EM 2024 bekommen. Mitbewerber Türkei geht mal wieder leer aus. Für Deutschland stimmten zwölf Mitglieder des UEFA-Exekutivkomitees, für die Türkei nur vier. Ein Mitglied enthielt sich der Stimme, schreibt die Online-Zeitung Gazeta.ru am Freitag.

    Die EM-Spiele werden im Juni und Juli 2024 in Berlin, München, Dortmund, Gelsenkirchen, Stuttgart, Hamburg, Düsseldorf, Köln, Leipzig und Frankfurt am Main ausgetragen.

    Doch die Entscheidung pro Deutschland stößt auf scharfe Kritik – einige Fans finden sie politisch motiviert und werfen den europäischen Fußballfunktionären Rassismus vor. In sozialen Netzwerken wurde sofort der jüngste Skandal um den deutschen Nationalspieler türkischer Herkunft Mesut Özil wieder an die große Glocke gehängt, der seinen Rücktritt aus der DFB-Mannschaft verkündet hatte, nachdem er von Politikern und Medien in der Bundesrepublik für seine Fotos mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan einem richtigen Sturm der Kritik ausgesetzt worden war. „Europa sieht eine Verschlechterung der türkischen Wirtschaft, und wenn die Türkei die Austragung von Euro 2024 gewonnen hätte, würde sich ihre wirtschaftliche Situation verbessern. Das ist ein absolut politischer Fall. Wir sind geschockt. Ihr könnt nicht die Republik Türkei vernichten“, schrieb ein Internet-User.

    „Wo bleibt denn das ‚Nein zum Rassismus‘?“, schrieb ein anderer User und hängte ein Özil-Foto an seinen Beitrag an.

    Aber warum wurde Deutschland als Gastgeber der EM 2024 gewählt?

    Die Bundesrepublik wird schon zum vierten Mal einen großen Fußballwettbewerb organisieren – nach den Weltmeisterschaften 1974 und 2006 und der EM 1988. Zudem haben deutsche Mannschaften in den vergangenen 20 Jahren vier Mal das Endspiel der Champions League erreicht.

    Die Türkei kann vor diesem Hintergrund eher wenig vorweisen. Es war schon ihre fünfte Bewerbung um die Austragung einer Europameisterschaft nach 2004, 2012 und 2016. Außerdem hatten sich die Türken zunächst für die EM 2020 beworben, sich dann aber für die Olympischen Spiele 2020 entschieden – aber auch bei diesem Anlauf scheiterten sie.

    Darüber hinaus kritisierte die UEFA die Türkei für den fehlenden Plan zum Kampf um die Einhaltung der Menschenrechte. Schließlich verwiesen die Experten des europäischen Fußballverbandes darauf, dass gleich sechs deutsche Städte, wo die EM-Spiele stattfinden werden, der Europäischen Koalition der Städte gegen Rassismus (ECCAR) angehören. In der Türkei gibt es nur zwei solche Städte: Antalya und Istanbul.

    Auch die Sicherheitsfrage spielte für die UEFA bestimmt eine wichtige Rolle. Denn Fußballspiele in der Türkei sind mit großen Risiken verbunden, weil die dortigen Fußballfans für ihr heißblütiges Temperament bekannt sind. In Deutschland finden die meisten Spiele ohne Zwischenfälle statt.

    Die EM 2024 wird das dritte kontinentale Turnier sein, an dem sich 24 Mannschaften beteiligen werden – nach dem Turnier 2016 in Frankreich und der nächsten EM 2020. Statt nur vier Gruppen aus je vier Mannschaften wird es sechs Gruppen geben. Die besten zwei aus jeder Gruppe sowie die besten vier Drittplatzierten qualifizieren sich für das Achtelfinale.

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    Tags:
    Nationalelf, Austragung, Austragungsort, Fußball, Skandal, Rassismus, Foto, Fußball-EM 2024, Deutscher Fußball-Bund (DFB), UEFA, Mesut Özil, Recep Tayyip Erdogan, Leipzig, Dortmund, Köln, Stuttgart, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, München, Türkei, Berlin, Deutschland