18:55 23 Oktober 2018
SNA Radio
    Pilot einer israelischen F-16 (Archivbild)

    Il-20-Abschuss: War Assad das eigentliche Ziel israelischer F-16?

    © AFP 2018 / Jack Guez
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Swobodnaja Pressa
    7145236

    Eine andere als die offizielle Erklärung des Vorfalls mit dem russischen Seefernaufklärer Il-20 ist in den russischen Medien kaum zu hören. Alle scheinen sich damit abgefunden zu haben, dass das Unglück eine „Verkettung tragischer Zufälle“ war, wie Präsident Putin es sagte. Ein anderer möglicher Grund kam bisher überhaupt nicht zur Sprache.

    Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die wahre Ursache für das Unglück mit dem russischen Aufklärer vor der syrischen Küste von allen beteiligten Regierungen verheimlicht wird. Und vor allem von Tel-Aviv.

    Die offizielle Version lässt ja viele Fragen offen. Die russische Il-20 sei von der syrischen Luftabwehr unbeabsichtigt abgeschossen worden, weil in dem Gebiet israelische Kampfjets unvermittelt aufgetaucht seien, heißt es. Sie seien das eigentliche Ziel der syrischen Abwehrraketen gewesen.

    Aber die Frage ist doch, wie es überhaupt dazu kommen konnte. Seit 2015 besteht zwischen Russland und Israel ein spezieller Kommunikationskanal, damit die russische und die israelische Luftwaffe ihr jeweiliges Vorgehen im syrischen Luftraum koordinieren können.

    Bis zu dem Unglücksfall hat diese Verbindung auch gut gehalten: In den drei zurückliegenden Jahren hat die israelische Luftwaffe die russischen Streitkräfte selbst über Aufklärungsflüge informiert – und zwar immer rechtzeitig.

    Warum dieses vielfach erprobte Verfahren am 17. September plötzlich nicht funktioniert haben soll, hat bislang niemand erklärt.

    Außerdem kursieren Informationen, wonach an dem Tag keine Einrichtungen auf syrischem Boden durch einen israelischen Luftangriff zerstört worden seien. Was schon sehr merkwürdig ist, weil die israelischen Kampfjets nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums ausschließlich Präzisionswaffen eingesetzt haben sollen.

    Wofür waren die smarten Bomben dann bestimmt? Eine Antwort darauf könnte eine Version geben, die im Iran verbreitet wird.

    Demnach soll der syrische Präsident Baschar al-Assad am 17. September das Ziel der israelischen Luftwaffe in Syrien gewesen sein. An dem Tag war das Staatsoberhaupt auf dem Weg von Damaskus zur russischen Basis Hmeimim, um nach Moskau ausgeflogen zu werden.

    Die Israelis sollen also ein Attentat auf den syrischen Präsidenten geflogen haben. Medien aus Nahost berichteten gar, an jenem Tag seien israelische Kampfflugzeuge unweit des Präsidentenpalastes in Damaskus gesichtet worden.

    Wenn dem so ist, dann wird vieles klar. Auch, warum die Israelis die russische Luftwaffe zum ersten Mal seit Jahren nicht rechtzeitig, sondern erst Sekunden vorher über den geplanten Angriff informiert haben: Sie wollten den russischen Kräften keine Zeit lassen, Assad aus dem Gefahrenbereich in Sicherheit zu bringen.

    Klar wird dadurch auch, warum Israel bislang immer noch keine einleuchtende Erklärung für das Verhalten seiner Luftwaffe vor der syrischen Küste gegeben hat: Wie soll man auch der ganzen Welt vermitteln, Jagd auf den legitimen Präsidenten eines souveränen Staates gemacht zu haben?

    Bewiesen ist diese Version bisher noch nicht. Logischer als die offizielle Erklärung erscheint sie aber allemal. Und: Dass israelische Politiker vorher schon erklärt hatten, ein Anschlag auf Baschar Assad sei durchaus denkbar, ist jedenfalls eine Tatsache.

    „Wenn Syriens Präsident Baschar Assad den Iranern weiterhin erlaubt, von Syrien aus gegen Israel vorzugehen, wird Israel ihn beseitigen und sein Regime stürzen“, sagte etwa Israels Energie- und Wasserversorgungsminister Yuval Steinitz – übrigens ehemaliger Chef des israelischen Geheimdienstministeriums – im Mai dieses Jahres.

    Wird man diese Version jemals bestätigen können? Die russische Politologin Karine Geworkjan hält das für unwahrscheinlich und sagt: „Man kann diese Erklärung weder annehmen noch abweisen. Aber das Wichtigste ist doch weniger die Frage, warum die Israelis an dem Tag über Syrien flogen, als vielmehr die Tatsache, dass sie einen großen Fehler gemacht haben. Ihr Ansehen in den Augen Russlands ist jetzt schwer beschädigt.“

    Strategisch betrachtet hätte die Beseitigung Assads für die Israelis auch keine Vorteile. Aber: „Angesichts der Probleme von Netanjahu im eigenen Land macht er jetzt beim Iran-Thema Druck. Das macht er im Verbund mit Donald Trump. Er betont die Außenpolitik wegen innenpolitischer Probleme“, erklärt die Politologin weiter.

    Außerdem: „Ein Attentat auf den syrischen Präsidenten käme einem Terroranschlag gleich. Wie man es dreht und wendet, Assad bleibt immer noch der legitime Präsident“, sagt Geworkjan. „Ein politischer Mord von dem Ausmaß lässt sich nicht vertuschen. Die Israelis haben momentan ohnedies große Probleme. Hätten sie den syrischen Präsidenten ermordet, hätten sie noch größere“, resümiert die Expertin.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Militärflugzeug, Militärstützpunkt, Kampfjet, Militärflugplatz, Abschuss, Präsident, Attentat, Luftangriff, Il-20, F-16, Yuval Steinitz, Baschar al-Assad, Wladimir Putin, Hmeimim, Nahost, Latakia, Israel, Iran, Syrien, Moskau, Russland