04:00 17 Oktober 2018
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    KFOR-Einheiten in Kosovo (Archiv)

    Höhere Balkan-Präsenz und Drohnen im Baltikum: Nato rüstet gegen Russland auf

    © REUTERS / Laura Hasani
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    Nesawissimaja Gaseta
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    Der überraschende Besuch des Kosovo-Präsidenten Hashim Thaci in einem von Serben kontrollierten Wasserkraftwerk hat die Lage in der Region verschärft. Das schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“.

    Die Zuspitzung der Situation im Kosovo betrifft unmittelbar die Interessen Russlands. Dabei spielt die Nato bei dem Konflikt auf dem Balkan die Rolle eines Beobachters am Rande. Das hilft den kosovarischen Separatisten, ihre Positionen nicht nur in dem de facto ehemaligen serbischen Autonomiegebiet, sondern auch in den Grenzgebieten zu festigen. Die Ankunft von kosovarischen Spezialeinheiten in dem von den Serben kontrollierten Wasserkraftwerk Gazivoda ereignete sich kurz vor Beginn der gemeinsamen russisch-serbischen Militärübungen. Das ist wohl kein Zufall.

    Die Führung der Nato und der EU haben im Konflikt eine quasi neutrale Position eingenommen, was Serbiens Präsident Alexandar Vucic dazu bewegte, um ein Treffen mit seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin zur Hilfeleistung bei der Lösung des Konflikts zu bitten. Allerdings ist klar, dass von einer vollständigen Regelung keine Rede sein kann, so lange sich Nato-Truppen im Kosovo aufhalten. Das Einfrieren des Konfliktes ist für die Nato vorteilhaft, weil sie mit ihrer Unterstützung für die kosovarischen Albaner und ihrer paramilitärischen Strukturen Serbien schwächt und damit die Umsetzung der geopolitischen Interessen Russlands bei der Festigung seiner Positionen auf dem Balkan verhindert. Formell agieren die KFOR-Kräfte unter der UN-Flagge, doch die entscheidende Rolle spielen die Allianz-Einheiten.

    Wie diese Kräfte vervollkommnet werden sollen und wie man Russland Widerstand leisten kann – darüber sprachen am vergangenen Wochenende die Generalstabschefs und Verteidigungsminister der Nato-Länder in Warschau. In einer offiziellen Mitteilung der Nato hieß es, dass die Teilnehmer Empfehlungen für künftige Operationen und Veranstaltungen der Allianz, darunter die engere Kooperation mit internationalen Organisationen, erörterten.

    Für den Balkan bedeutet das, dass die Nato mit militärpolitischen Methoden die Umsetzung der russischen Interessen in der Region verhindert. Aus militärischer Sicht wird die Nato sich durch die Aufnahme Mazedoniens weiter ausdehnen und neue Militärstützpunkte auf dem Balkan errichten, darunter eine Airbase in Albanien mit Investitionen im Wert von mehr als 50 Millionen Euro.

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    Laut den Ergebnissen des Treffens in Warschau wird die Nato den Schwerpunkt in der nächsten Zeit auf den weiteren Ausbau der Strukturen nahe der Grenzen Russlands legen. Wie der polnische Verteidigungsminister Mariusz Błaszczak sagte, reagiert die Nato damit auf die jetzige Phase unter dem Einfluss der aggressiven Politik Russlands. Dabei solle die Allianz die Truppenzahl in Polen und in den baltischen Ländern erhöhen.

    In den vergangenen Monaten entwickelten die Forschungsinstitute unter Nato-Schirmherrschaft neue Herangehensweisen zur Verteidigung der baltischen Küste „angesichts der geringen Kampfeffizienz der Seestreitkräfte Lettlands, Litauens und Estlands“. So wurde in Warschau der Einsatz von „günstigen Raketen mit kleiner und sehr kleiner Reichweite und Drohnen“ im Baltikum besprochen.

    Die USA konzipieren bereits unter Teilnahme des Verteidigungsministeriums Estlands Maßnahmen zur Stationierung der Luftangriffs- und Aufklärungsmittel nahe den russischen Grenzen. Das Pentagon veröffentlichte am 14. September eine Liste der Rüstungsverträge für das Jahr 2019, in der der Verkauf von kleinen Drohnen RQ-20B Puma AE II im Wert von fast neun Millionen Dollar an Estland angegeben ist. Es sollen rund 45 dieser Drohnen erworben werden.

    Zudem soll Tallinn nach Angaben westlicher Quellen in der nächsten Zeit rund 60 kleinere Drohnen RQ-11B Raven UAS erwerben. Damit wird Estland bereits im kommenden Jahr über 100 moderne Drohnen verfügen. Sie sind zwar für Aufklärungs- und Zielanweisungseinsätze auf hoher See bestimmt, können aber auch auf dem Festland eingesetzt werden – also die russisch-estnische Grenze überwachen.

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    Laut dem russischen Militärexperten Juri Netkatschew ist nicht ausgeschlossen, dass diese kleinen Drohnen als Kampfdrohnen eingesetzt werden, die in diesem Jahr bereits mehrmals den russischen Stützpunkt in Hmeimim attackierten. „Die Extremisten haben selbstgebastelte Drohnen. Russische Flugabwehrmittel haben sie neutralisiert. Estnische Einheiten werden über industriell gefertigte Drohnen verfügen. Im Falle eines Konfliktes wird es schwerer sein, sie zu vernichten“, so der Experte.

    Parallel zum Nato-Gipfel in Warschau fand am 28. September in Riga eine Konferenz zur europäischen Sicherheit statt. Sie verlief ebenfalls unter der Maxime, dass Russland Widerstand geleistet werden müsse. An der Konferenz nahmen rund 700 Politiker, Journalisten, Militärs, Diplomaten und Experten teil, darunter der Berater des armenischen Präsidenten, Tewan Pogossjan, sowie der russische Oppositionelle Michail Chodorkowski. Bei der Konferenz wurden die Richtlinien der Entwicklung der Nato skizziert. So sagte der ehemalige Kommandeur der US-Truppen in Europa, Generalleutnant Ben Hodges, dass die Baltische Luftpolizei auch Luftabwehraufgaben bekommen soll. Und das sind nicht einfach nur Worte.

    Wie US-Medien zuvor berichteten, will das Pentagon bis 2020 in Deutschland eine Flugabwehr- und Artilleriebrigade stationieren. Der Verband wird aus einer Flugabwehrdivision und Mehrfachraketenwerfer-Einheiten bestehen, die auf Rotationsbasis den zuvor im Baltikum und Polen geschaffenen taktischen Bataillonsgruppen hinzugefügt werden. Zudem sollen diese Gruppen mit Mehrzweck-Hubschraubern Black Hawk 4 von der in Deutschland stationierten 4. Luftbrigade verstärkt werden.

    Die Handlungen der vor kurzem geschaffenen taktischen Gruppen sowie anderer Nato-Einheiten im Baltikum werden demnächst bei zwei Großmanövern der Allianz geübt – Trident Juncture und Anakonda, die am 25. Oktober beginnen und fast einen Monat dauern. Nach offiziellen Angaben ist bei den Übungen der Einsatz von 70.000 Soldaten, 280 Flugzeugen und Hubschraubern und mehr als 100 Schiffen vorgesehen.

    Laut der polnischen Presse beteiligen sich an den Übungen Anakonda in Lettland, Litauen und Estland 5000 Nato-Soldaten, in Polen sind es 12.500. Laut der polnischen Militärführung würde damit das Wiener Abkommen nicht verletzt, weshalb keine Beobachter aus anderen Ländern, darunter Russland, eingeladen werden müssen.

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    Tags:
    Aufrüstung, Einfluss, Unterstützung, Konflikt, Militärübungen, UN, EU, KFOR, NATO, Wladimir Putin, Hashim Thaci, Aleksandar Vučić, Baltikum, Balkan, Kosovo