01:39 20 Oktober 2018
SNA Radio
    Syrien (Archiv)

    Wiederaufbau in Syrien: Moskau trägt die Kriegskosten – Peking kassiert den Gewinn?

    © REUTERS / Omar Sanadiki
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Wsgljad
    1410515

    Russland hat die größten Kosten auf sich genommen, um Syrien vom Terror zu befreien. Doch wird der Befreier vom syrischen Frieden profitieren? China jedenfalls meldet großes Interesse an, seine Firmen am syrischen Wiederaufbau zu beteiligen. Werden Russland und China nach dem Syrien-Krieg zu Rivalen?

    Je erfolgreicher die syrischen Truppen darin waren, ihr Land mit Hilfe der russischen Luftwaffe vom IS zu befreien, desto klarer und deutlicher erklärte Peking, am Wiederaufbau Syriens nach dem Krieg mitwirken zu wollen. Neulich wieder: China werde die soziale und wirtschaftliche Entwicklung Syriens unterstützen, sagte der chinesische Außenminister Wang Yi beim Treffen mit seinem syrischen Kollegen Walid al-Muallim am Rande der UN-Vollversammlung am Donnerstag in New York.

    Peking messe den syrisch-chinesischen Beziehungen große Bedeutung bei und werde sich dem Wideraufbau in Syrien „nicht entziehen“, zitiert die staatliche Nachrichtenagentur „Xinhua“ den Minister.

    „Zum einen ist China daran interessiert, die Infrastruktur in Syrien wiederaufzubauen. Wer die Infrastruktur, die Straßen und die Schienen kontrolliert, der kontrolliert das ganze Land. Zum anderen will China sich an der Erschließung der syrischen Ölvorkommen beteiligen. Und drittens geht es um die Aus- und Weiterbildung syrischer Fachkräfte“, sagt der Sinologe Alexej Maslow.

    Schon vor dem Krieg war China mit einem Warenexport im Wert von 2,2 Milliarden Dollar Syriens größter Außenhandelspartner. Die Chinesen investierten außerdem in den größten Exportposten der Syrer: das Rohöl.

    Noch 2010, im letzten Vorkriegsjahr also, stieg die CNPC (China National Petroleum Corporation) gemeinsam mit der Royal Dutch Shell beim größten syrischen Erdölproduzenten ein, der Al-Furat Petroleum Company.

    Auch wurde Syrien als einer der Knotenpunkte auf der Neuen Seidenstraße betrachtet: eine der Routen dieses chinesischen Großprojekts sollte über den Iran und Irak bis zu den Mittelmeerhäfen in Syrien verlaufen – an der Türkei vorbei.

    Überhaupt reicht die Zusammenarbeit zwischen Peking und Damaskus noch in die Zeit von Mao Zedong. Hafiz al-Assad, der Vater des heutigen syrischen Präsidenten, gelang es, gute Handelsbeziehungen gleichermaßen mit der Sowjetunion und der Volksrepublik zu unterhalten, die damals zerstritten waren.

    >>Andere Sputnik-Artikel: Wiederaufbau Syriens: Firmen aus Russland und Iran erhalten Vorrang – Damaskus

    Und auch während des Syrien-Krieges verlor China seine strategischen Interessen in diesem Land nicht aus den Augen.

    Nicht umsonst tauchten Kriegsschiffe der chinesischen Marine 2013 vor der syrischen Küste auf – mitten im Krieg und noch zwei Jahre vor dem Eingreifen der russischen Luftwaffe in den Konflikt. China zeigte Flagge, wenn auch auf seine traditionell zurückhaltende Art.

    „China wurde mehrmals angeboten, sich an der Friedensmission in Syrien zu beteiligen, und aus Peking hieß es immer, diese Möglichkeit werde geprüft. China hat prüfend abgewartet, wie der Konflikt zwischen der syrischen Regierung und Opposition auf der einen und zwischen USA und Russland auf der anderen Seite ausgeht. Jetzt erklärt Peking seine Bereitschaft zum Wiederaufbau. Das ist eine typisch chinesische Taktik“, erklärt der China-Experte Maslow.

    Als die syrischen Regierungstruppen mit Hilfe der russischen Luftwaffe 2016 die Städte Palmyra und Aleppo befreiten, ernannte Peking einen Sondervertreter für Syrien. Ein Jahr später veröffentlichte die chinesische Führung den Plan, rund zwei Milliarden Dollar in den Bau eines Industrieparks in Syrien zu investieren, an dem an die 150 chinesische Firmen beteiligt sein würden.

    Und vor exakt einem Jahr nahmen chinesische Unternehmen gemeinsam mit Firmen aus Russland und dem Iran an einer internationalen Handelsmesse in Damaskus teil, der ersten seit Kriegsausbruch. Der chinesische Technologiekonzern Huawei könnte mit dem Aufbau der syrischen Telekommunikationsnetze beauftragt werden, hieß es.

    „Wir rechnen natürlich damit, dass der Wiederaufbau sich auf die drei wichtigsten Staaten stützen wird, die Syrien während dieser Krise unterstützt haben. Das sind Russland, China und der Iran“, sagte Präsident Assad im März 2016.

    Der Experte Maslow bringt es auf den Punkt: „Nicht wer gewinnt, ist jetzt die Frage, sondern wer am Wiederaufbau der Volkswirtschaft beteiligt sein wird. Peking will natürlich, dass das nach chinesischem Modell läuft. Denkbar ist, dass China dafür seine Fachberater zur Verfügung stellt.“

    >>Andere Sputnik-Artikel: Nach S-400-Kauf: China geigt die USA heim

    Und Russland? „Russland hat die größten Kosten und Verluste in Syrien auf sich genommen und kann natürlich damit rechnen, ein Stück vom Kuchen abzubekommen“, sagt der Sinologe.

    Der Aufruf, sich am syrischen Wiederaufbau zu beteiligen, wird indes auch aus Moskau laut. Präsident Putin hat versucht, Bundeskanzlerin Merkel beim jüngsten Besuch in Berlin davon zu überzeugen, dass die EU Syrien nach dem siebenjährigen Krieg helfen müsse.

    Offenkundig müssen sich die EU-Spitzen nicht zwei Mal bitten lassen: Die EU-Chefdiplomatin Federica Mogherini hat kürzlich die Bedienungen für eine europäische Beteiligung am syrischen Wiederaufbau genannt. Von einem „Assad muss gehen“ war nichts mehr zu vernehmen.

    Die Voraussetzungen sind durchaus realistisch und umsetzbar: Die Lage in Idlib müsse gemäß der Vereinbarung zwischen Moskau und Ankara stabil bleiben – und der Verfassungsausschuss müsse seine Arbeit aufnehmen, forderte die Hohe Vertreterin.

    „Die Beteiligung am syrischen Wiederaufbau würde auch bedeuten, die daran beteiligten Länder akzeptieren, dass Assad zumindest bis zu den Wahlen Präsident bleibt“, erklärt der Sicherheitsexperte Konstantin Simonow von der Stiftung nationale Energiesicherheit.

    Dass die Mitwirkung am Wiederaufbau für Russland auch geostrategisch wichtig ist, ist natürlich klar. „Insofern ist Chinas Engagement in Syrien nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine politische Frage“, resümiert Experte Simonow.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Investitionen, Firmen, Beteiligung, Krieg, Wiederaufbau, UN, USA, China, Russland, Syrien