02:42 17 Oktober 2018
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    Großbritanniens Flugzeugträger HMS Queen Elizabeth (Archiv)

    Wunschdenken: „Queen Elizabeth“ erobert die Welt und bestraft Moskau für Salisbury

    © AP Photo / Gareth Fuller/PA
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    London jubelt. Ende der vergangenen Woche ist ein vom US-Rüstungskonzern Lockheed Martin gekaufter Jagdbomber F-35B erstmals auf dem neuen britischen Flugzeugträger „HMS Queen Elizabeth“ gelandet. Bis 2020 soll der Kampfjet für den Einsatz in der britischen Marine bereit sein.

    Der britische Verteidigungsminister Gavin Williamson hat dieses Ereignis als epochal bezeichnet. „Die historische erste Landung auf dem Deck der ‚HMS Queen Elizabeth‘ ist der wichtigste Augenblick in der Militärgeschichte unseres Landes, auf die wir so stolz sind. Dies zeugt von der Entschlossenheit Großbritanniens, den Frieden aufrechtzuerhalten und einen Krieg zu verhindern“, so Williamson. Dabei hob er hervor, dass die F-35B-Jets Schläge an jedem Ort auf der Erde versetzen können (nicht ausgeschlossen sind auch Angriffe gegen Russland – man muss doch schließlich Moskau wegen der Krim, der Vergiftung von Litwinenko und Skripal bestrafen).

    Es ist schwer zu sagen, ob er selbst daran glaubt, was er sagt. Das Einzige, was kaum zu bestreiten ist, ist, dass die „HMS Queen Elizabeth“ einzigartig für die britische Flotte ist. Die britischen Werften hatten noch nie einen so großen Flugzeugträger für sich gebaut, obwohl er in Sachen Ausstattung hinter den US-Flugzeugträgern bleibt. Die Wasserverdrängung liegt bei 70.000 Tonnen, die Länge bei 284 Metern, während es bei US-Flugzeugträgern 100.000 Tonnen bzw. 350 Meter sind.

    Statt einem Katapult wird eine Schanze genutzt. Auch die Zusammensetzung des Flugzeugverbands wirkt kaum überzeugend. Die „HMS Queen Elizabeth“ kann 36 Angriffsflugzeuge tragen. Weitere vier Maschinen sind ein AWACS-Flugzeug sowie Transport- und Anti-U-Boot-Hubschrauber.

    Der Einsatz eines Vertikalstart- und Landungsflugzeugs ist ein seltsames Vorhaben. Denn diese Maschine hat keine große Kampfreichweite. Deswegen sind die Worte des Verteidigungsministers darüber, dass jeder Ort auf der Erde erreichbar ist, wohl übertrieben. F-35B-Maschinen können in Wahrheit nur das Küstengebiet bombardieren.

    Die Amerikaner nutzen dieses Flugzeug im Korps der Marineinfanterie. Es wird nicht auf Flugzeugträgern, sondern auf Universal-Landungsschiffen stationiert, wo wegen des kleinen Decks nur Hubschrauber, Senkrechtstarter und Wandelflugzeuge genutzt werden können. Da die Hauptaufgabe der Marineinfanterie das Ergreifen von Aufmarschgebieten im Küstenbereich ist, ist auch keine große Reichweite der Flugzeuge erforderlich.

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    Das Kommando der britischen Kriegsflotte hatte zu Beginn des Jahrzehnts, als Lockheed Martin das Auftragsportfolio bildete, die Wahl: F-35B oder F-35C – eine für Flugzeugträger bestimmte Modifikation. Dennoch hat sie sich für ein Flugzeug für Universal-Landungsschiffe entschieden. Die USA kaufen 353 Maschinen gerade für Universal-Landungsschiffe. Italien kauft 15 F-35B-Jets ebenfalls für diese Ziele. Großbritannien erwirbt 138 Maschinen sowohl für die Kriegsflotte als auch für die Luftstreitkräfte.

    Der Nachteil der F-35B gegenüber F-35C besteht darin, dass für vertikale Starts und Landungen deutlich mehr Kraftstoff nötig ist. Gerade deswegen liegt die Reichweite bei 860 statt 1140 Kilometern wie bei F-35C. Der Unterschied ist groß. Allerdings steht auch nicht fest, dass diese Angaben glaubwürdig sind. Man weiß bereits von Manipulationen des Konzerns Lockheed Martin, als sich herausstellte, dass die Höchstgeschwindigkeit des Flugzeugs ohne Nachschub nicht überschallschnell, sondern schallnah ist.

    Zudem bestehen große Zweifel hinsichtlich der Angaben über die Kampflast. Bei allen drei Modifikationen – F-35A, F-35B und F-35C – ist die Kampflast gleich: 9100 Kilogramm. Doch allgemein bekannt ist, dass die Raketen- und Bombenlast bei allen Senkrechtstartern nicht groß ist, weil bei einem vertikalen Start deutlich mehr Kraftstoff erforderlich ist.

    Beim Vergleich der Möglichkeiten von F-35B und F-35C müssen zudem die Flugeigenschaften berücksichtigt werden. Während sie bei F-35A und F-35C mittelmäßig sind, sind sie bei der F-35B ohnehin schwach. Denn der Jet hat ein plumpes Flugwerk mit schwacher Manövrierfähigkeit. Auch die Flügelfläche bei der F-35B ist deutlich geringer – 42,7 gegenüber 58,3 Quadratmetern. Angesichts des bedeutenden Unterschieds beim Kraftstoffvorrat – 6352 gegenüber 9111 Kilogramm – mehren sich die Zweifel an der realen Kampfreichweite des Flugzeugs.

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    Allerdings wird die „HMS Queen Elizabeth“ mit diesen Flugzeugen ausgerüstet und für „Frieden auf der Erde“ sorgen. Dabei wird jedoch prompt ein weiteres Problem entstehen, das vom britischen Verteidigungsminister verschwiegen wird. Zu Beginn der Nullerjahre zahlte Großbritannien zwei Milliarden Dollar an Lockheed Martin. Jedoch nicht für die Flugzeuge, sondern in einen Fonds zur Entwicklung des Kampfjets F-35. Also ein Ticket für den Zutritt zum Klub der privilegierten Betreiber der „Maschine des Jahrhunderts“.

    Dabei dachte London bis vor kurzem, dass britische Spezialisten für diese Summe Einblick in die technologischen Geheimnisse der F-35 bekommen. Doch dies wurde verweigert. Es wurde erklärt, dass während der technischen Wartung viele Geheimnisse des Flugzeugs enträtselt werden können, weshalb es nur von US-Spezialisten gewartet werden darf.

    Dabei wurde die bittere Pille jedoch versüßt. Zuerst werden die größten Investoren (also Großbritannien) diese Flugzeuge bekommen. Die anderen müssen fünf bis sechs Jahre warten.

    Allerdings besteht die Effizienz eines Flugzeugträgers nicht darin, wie viele Flugzeuge an Bord sind. Der Flugzeugträger muss vor allem vor einem gegnerischen Angriff gut geschützt sein. Diese Funktion erfüllen Überwachungsflugzeuge, an denen es der britischen Flotte mangelt.

    Wegen der Regierungsbeschlüsse soll es bis 2020, wenn die „HMS Queen Elizabeth“ ihren Dienst antreten wird, in der Flotte keine Antischiffsraketen geben. Die veralteten Harpoons verlassen die Armee, ein Ersatz würde erst in zehn Jahren vorhanden sein. Dasselbe betrifft die Anti-Schiff-Lenkwaffen Sea Skua, mit denen Hubschrauber bestückt werden.

    Darüber hinaus sind die Flugabwehr-, Raketenabwehr- und Anti-U-Boot-Mittel schlecht ausbalanciert. Über sie verfügen Zerstörer des Typs 45 und Fregatten des Typs 23. Dabei sind die vor kurzem in Betrieb genommenen Zerstörer mit Flug- und Raketenabwehrmitteln ausgestattet, aber bei Angriffen von U-Booten absolut schutzlos. Fregatten sind vor Luftangriffen nicht geschützt, auch die Anti-U-Boot-Funktion ist bei ihnen nicht perfekt. Es gibt zwei Doppel-Torpedos mit einem Kaliber von 324 mm. Die Reichweite der leichten Torpedos ist unter heutigen Bedingungen inakzeptabel – acht Kilometer.

    Das reicht nicht aus, um Flugzeugträger zuverlässig zu schützen. Der britische Konteradmiral Chris Parry sagte wohl nicht zufällig, dass sich britische Schiffe „nur für Paraden und nicht für Seeschlachten eignen“.

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    Tags:
    Einsatz, AWACS-Flugzeug, F-35B, Flugzeugträgers HMS Queen Elizabeth, Lockheed Martin, Gavin Williamson, USA, Russland, Großbritannien