09:37 22 Oktober 2018
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    Kampfjet F-35B Lightning II

    Katastrophenjet: Was es mit dem neuesten Jäger des Westens auf sich hat

    CC BY 2.0 / Official U.S. Navy Page / F-35B Lightning II flight operations aboard USS Wasp.
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    In der vergangenen Woche wurde viel über den Kampfjet F-35B Lightning II berichtet. Der Jagdbomber wurde erstmals im Gefecht eingesetzt. Er landete erstmals auf einem britischen Zerstörer. Zudem wurde ein großer Kampfjet-Deal abgeschlossen. Das US-Militär verlor eine teure Maschine.

    Die Ereignisse der vergangenen Woche entwickelten sich um eine Modifikation des Vertikalstart- und Landungsflugzeugs F-35B, das vor allem für das Korps der US-Marineinfanterie entwickelt wurde, die ein Flugzeug mit besonderen Start- und Landeeigenschaften als Ersatz für den Harrier-Jet brauchte.

    Kampf-Debüt

    Letztere verringerten maßgeblich die Abhängigkeit der Marineinfanterie von den Fliegerkräften der Kriegsflotte und der Seestreitkräfte bei der Gewährleistung von unmittelbarer Truppenunterstützung, weil sie auf Landungsschiffen und Expeditionsflugplätzen stationiert werden konnten.

    Gerade die Möglichkeit des Starts vom Landungsschiff zur Unterstützung der Marineinfanteristen wurde in der vergangenen Woche demonstriert. Das wurde seit langem erwartet. Bereits im vergangenen Jahr wurde berichtet, dass der zweite Einsatz der neuen Maschine an Bord der Flugzeugträger im Nahen Osten zusammen mit dem Universal-Landungsschiff „USS Essex“ bevorsteht (der erste Einsatz fand im Frühjahr im Pazifischen Ozean auf der „USS Wasp“ statt).

    Ein baldiger Frieden war nicht in Sicht, deswegen war ein Kampfeinsatz zu erwarten – zu unvorteilhaft wäre es für ein neues Flugzeug, hätte es nicht an Kampfhandlungen teilgenommen.

    Obwohl es tatsächlich noch lange dauern wird, bis Ruhe in der Region einkehrt, wurden die Aktivitäten der US-Fliegerkräfte mit der Zerschlagung der ISIL-Kräfte nicht nur in Syrien, sondern auch im Irak, geringer. In der Nähe ist nur ein US-Flugzeugträger stationiert – die „USS Essex“.

    Betrachtet man die Geschichte der Entwicklung des F-35-Jets genauer, beginnt sie mit dem ersten Flug des Prototyps X-35 am 24. Oktober 2000. Am 7. Oktober 2001 begann die aktive Phase des Kriegs in Afghanistan. Die erste F-35B-Maschine stieg am 11. Juni 2008 in die Luft.

    >>Andere Sputnik-Artikel: Ironie des Schicksals: F-35 gibt im Namen eigene Schwachstelle preis

    Der erste Start mit einem Kampfeinsatz fand in der Nacht auf den 27. September statt. Es war ein Schlag gegen ein „unbewegliches Objekt“ im Interesse der „Bodenoperation zur Säuberung des Gebiets“. Es handelte sich wohl um einen Schlag gegen Ziele im Süden Afghanistans, beispielsweise in der Provinz Helmand – dort kämpfen Marineinfanteristen gegen die Taliban. Nicht ausgeschlossen ist, dass es zuvor auch Trainingsflüge in die Region gegeben hatte.

    Welche Waffen wurden dabei eingesetzt? Es handelt sich wohl um 454 Kilogramm schwere Bomben GBU-32 mit einem Satellitensystem der JDAM-Familie. Es ist ohnehin das wichtigste Instrument der US-Fliegerkräfte, für die F-35 auch die geeignetste Waffe. Bemerkenswert ist, dass die F-35B-Jets mit ihrer Ankunft in der Region aktiv mit Kanonencontainern flogen, die auch wie bei der Harrier zum Treffen von Bodenzielen angehängt wurden.

    Weitere interessante Infos

    Auf zahlreichen Aufnahmen von Übungsflügen nahe dem Horn von Afrika und Aufnahmen von der Vorbereitung auf den Start sieht man, dass die Flugzeuge mit so genannten Lüneburg-Linsen ausgestattet sind. Diese künstliche Demaskierung wird angewendet, wenn keine direkte Gefahr eines Abschusses besteht, man aber die reale Radar-Signatur eines unauffälligen Flugzeugs verheimlichen muss. Die Taliban hatten offensichtlich keine Flugabwehrsysteme mit Radaranlagen, dafür aber fürchteten sich die USA vor Spähern.

    Interessant ist auch ein historischer Aspekt, der für das Korps der Marineinfanterie und das Geschwader VMAF-211 von Bedeutung ist, zu dem die Flugzeuge der USS Essex gehörten. Im September 2012 war gerade dieser Teil von einem nächtlichen Luftangriff der Taliban auf den Stützpunkt Camp Bastion in der Unruheprovinz Helmand betroffen. Damals gingen gleich acht Harrier verloren, der Kommandeur des Geschwaders, Oberstleutnant Christopher Raible, kam ums Leben.

    Interessant ist, ob der Schlag vom 27. September tatsächlich der erste Kampfeinsatz der F-35 war. Der Titel des ersten Einsatzes wird auch von den Israelis beansprucht, die im Mai verkündeten, dass ihre F-35I bereits bei Angriffen in Syrien eingesetzt werden. Allerdings waren diese Verkündigungen ziemlich verschwommen. Die einzige Bestätigung dafür war eine veröffentlichte Aufnahme vom Flug eines israelischen F-35-Jets nahe Beirut. Auffallend ist, dass die F-35I auf dem Foto ebenfalls mit Lüneburg-Linsen ausgestattet ist. Allerdings bleibt die Tatsache des Kampfeinsatzes der israelischen Maschinen in der Grauzone der Geschichte der Kampf-Fliegerkräfte.

    Bei der Queen zu Besuch

    Das zweite historische Ereignis bei F-35 war der Beginn der Flugtests auf dem britischen Flugzeugträger „HMS Queen Elizabeth“.

    Die Flugtests begannen am 25. September mit der Landung des Royal Navy Cmdr. Nathan Gray, gefolgt von Royal Air Force Sq. Ldr. Andy Edgell. Die Teilnahme eines Piloten der Luftstreitkräfte an den Tests ist damit zu erklären, dass die Briten faktisch eine einheitliche Flotte bilden wollen, wobei alle Piloten auf Flüge sowohl vom Deck als auch von Flugplätzen vorbereitet sein müssen.

    >>Andere Sputnik-Artikel: Wunschdenken: „Queen Elizabeth“ erobert die Welt und bestraft Moskau für Salisbury

    Eine interessante Situation entstand um die Berichterstattung über dieses Ereignis, das für großes Aufsehen sorgen sollte. Die Flüge begannen zwar am 25. September, doch der Öffentlichkeit wurde erst am 28. September darüber berichtet. Dabei handelte es sich um Leaks des Militärnachrichtenportals Jane’s (wo die Meldung nach kurzer Zeit gelöscht wurde – das nur zum Thema „Medienfreiheit“). Die offizielle Bestätigung und Fotoaufnahmen wurden vom Verteidigungsministerium Großbritanniens erst am späten Abend veröffentlicht.

    In Splitter

    Es ist schwer zu sagen, welchen Kurs das britische Verteidigungsministerium bei solch einer bescheidenen Berichterstattung über eine solch kennzeichnende Etappe für die Streitkräfte verfolgt. Die Amerikaner sind bei solchen Fragen viel offener. Unabhängig von den Argumenten unterlief den Briten damit wohl ein Fehler, indem sie die Veröffentlichung der Informationen bis zum 28. September verschoben. Denn gerade an diesem Tag stürzte bei den Amerikanern erstmals eine F-35-Maschine ab.

    Die abgestürzte F-35B gehörte dem Geschwader des Korps der Marineinfanterie VMFAT-501 vom Stützpunkt Beaufort in South Carolina an. Bei der Havarie konnte sich der Pilot per Katapult retten. Nach einer medizinischen Untersuchung wurde er aus dem Krankenhaus entlassen. Auch auf dem Boden gab es keine bedeutenden Zerstörungen, das Flugzeug stürzte auf eine unbesiedelte Flussinsel in der Nähe des Flugplatzes ab.

    Bislang wurden keine Details über die Ursachen des Absturzes mitgeteilt. Doch bemerkenswert ist, dass die USA bei ernsthaften technischen Pannen den Betrieb des havarierten Flugzeugtyps sofort einstellen.

    Das geschah mehrmals mit der F-22 und F-35. Diesmal gab es jedoch nicht einmal eine lokale Einschränkung der Flüge. Das weist indirekt auf einen menschlichen Fehler hin.

    Glück gehabt?

    Die Havarie der F-35 ereignete sich zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Der erste Einsatz der Maschine war somit ein mediales Desaster. Gleichfalls am 28. September erklärten das Pentagon und Lockheed Martin, dass nach langen Verhandlungen ein weiterer Deal perfekt gemacht wurde. Der Wert des Vertrags für eine Partie LRIP-11 aus 141 Kampfjets liegt bei rund 11,5 Milliarden Dollar. Die Jets werden wohl wie folgt verteilt:

    © Foto :

    Die Preise konnten im Vergleich zum früheren Vertrag gedrückt werden:

    • für F-35A — von $94,3 auf $89,2 Millionen;
    • für F-35В — von $122,4 auf $115,5 Millionen;
    • für F-35A — von $121,2 auf $107,7 Millionen

    Somit könnte die militärpolitische Führung behaupten, dass sie private Lieferanten unter der Fuchtel hält und dadurch verhindert, das Geld der Steuerzahler zu verschwenden.

    Es war gänzlich eine ziemlich ereignisreiche und erfolgreiche Woche für das größte Rüstungsprogramm in der Geschichte – obwohl ein Flugzeug im Wert von mehr als 100 Millionen Dollar verloren ging und mitunter merkwürdige Funkstille herrschte.

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    Tags:
    Test, Flug, Kampfflugzeug, Entwicklung, Flugzeugträgers HMS Queen Elizabeth, F-35B, USA