13:04 15 Oktober 2018
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    Luftabwehrkomplex S-300 (Archiv)

    Kann Russland in Syrien ein zuverlässiges Luftabwehrsystem schaffen?

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    Das russische Verteidigungsministerium hat einen Luftabwehrkomplex S-300 nach Syrien verlegt, wie der Chef der Militärbehörde, Sergej Schoigu, in einer Beratung des Sicherheitsrats bei Präsident Wladimir Putin berichtete. Experten sehen allerdings große Schwierigkeiten, ein zuverlässiges Luftabwehrsystem in dem Nahost-Land einzurichten.

    Der erwähnte Raketenkomplex wurde mit dem Riesenfrachter An-124 Ruslan nach Hmeimim befördert, wo Russland einen Luftwaffenstützpunkt betreibt. Schoigu zufolge geht es um insgesamt 49 Elemente Technik, die dem Komplex angehören. Für die entsprechende Vorbereitung des syrischen Personals, das den S-300-Komplex bedienen soll, seien etwa drei Monate nötig. „Wir haben das funkelektronische Kampfsystem wesentlich verstärkt, unter anderem mit zusätzlichen Anlagen vervollkommnet. Derzeit können wir den Kurzstreckenraum (bis 50 Kilometer) kontrollieren. Und den Langstreckenraum – die Hauptrichtung, aus der das syrische Territorium überwiegend angegriffen wird – kontrollieren wir auf etwa 200 Kilometer“, so der Minister. Bis zum 20. Oktober solle die Arbeit an der Einrichtung eines einheitlichen Luftabwehrleitsystems beendet werden.

    Es ist nicht zu übersehen, dass die russischen Militärs enorm große und schwer zu erfüllende Verpflichtungen übernommen haben – die Zeit für die Einrichtung des einheitlichen Luftabwehrleitsystems ist sehr knapp. Zudem erwähnte Schoigu, dass insgesamt nur vier Startanlagen nach Syrien gebracht worden seien. Also geht es um die formale Überlassung nur einer S-300-Batterie an Damaskus.

    Zuvor hatten Medien von Plänen zur Lieferung von zwei Regimentskomplexen von S-300-Raketen berichtet. (Das Verteidigungsministerium bestätigte diese Informationen allerdings nicht.) Experten erläutern, dass diese Komplexe, die an das automatisierte Leitsystem angeschlossen werden, in einem einheitlichen Informationsraum mit russischen Luftabwehrsystemen funktionieren sollen. Für eine zuverlässige Luftabwehr des ganzen syrischen Territoriums sind jedoch nach ihrer Einschätzung sechs bis acht S-300-Divisionen nötig, die zudem gemeinsam mit anderen Luftabwehrmitteln (Raketenkomplexe „Panzyr-S1“, Fla-Komplexe „Buk-M1/2E“ und veraltete Luftabwehrwaffen, über die die syrischen Truppen aktuell verfügen) wirken. Voraussichtlich wird Russland Syrien automatisierte Leitsysteme „Baikal-1ME“ und „Poljana-D4M1“ zur Verfügung stellen.

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    Sollte in Syrien ein hochmodernes Luftabwehrsystem entstehen, wäre das eine sehr schlechte Nachricht für Israel, dessen F-16-Kampfjets ihre meisten Waffen der „Luft-Boden-Klasse“ nicht mehr gegen Syrien einsetzen könnten. Dennoch verfügen die Israelis nach Einschätzung von Experten auch über gefährliche Munition. Es geht dabei um Anti-Radar-Raketen AGM-88E AARGM, operativ-taktische ballistische Raketen ATACMS und LORA. Zudem haben sie auch zwölf Kampfjets F-35 der fünften Generation.

    Für die funktechnische Eindämmung von Militärsatelliten, Kampfjets und Schiffsverbänden, die für syrische und russische Militärobjekte gefährlich wären, soll dem russischen Verteidigungsministerium zufolge eine starke Gruppierung von Funkabwehrmitteln gebildet werden. Experten vermuten, dass dabei Komplexe 1L269 „Krassucha-2“, 1L257 „Krassucha-4“, R-330 Sh „Schitel“, R-33M1P „Diabasol“ usw. zum Einsatz kommen könnten. Darüber hinaus teilte der Berater des Vizechefs des Konzerns „Radioelektronnyje Technologii“ („Funkelektronische Technologien“), Wladimir Michejew, mit, dass zwecks Bekämpfung von Drohnen elektromagnetische Waffensysteme entwickelt werden, die im Grunde „bereits vorhanden sind und sehr effizient entwickelt werden“. Allerdings könnten sie erst 2019 in die Bewaffnung eingeführt werden.

    >>Andere Sputnik-Artikel: „S-300 reicht für Antwort auf israelische Bedrohung aus“ – Syriens Außenministerium

    Politiker in Israel und den USA sind über die Einrichtung des neuen russischen Luftabwehrsystems in Syrien sehr beunruhigt. Ihre Militärs sehen für sich jedoch keine großen Probleme, die damit verbunden wären. Erstens, weil sie mit dem russischen Generalstab ständig in Kontakt stehen, so dass direkte Konfrontationen so gut wie ausgeschlossen sind. Und zweitens wären Washington und Tel Aviv notfalls in der Lage, eine dermaßen starke Luftwaffengruppierung zu bilden, die die syrische Luftabwehr (selbst wenn diese Russlands Unterstützung genießt) vernichten könnte. Und da diese relativ weit von Russland liegt, könnte Moskau dieses System nicht sofort wiederherstellen.

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    Raketenkomplex, Lieferung, Luftabwehr, Fla-Raketensystem Buk, Kampfjet F-16, S-300, Israel, Syrien, USA, Russland