10:59 22 Oktober 2018
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    US-Hyperschallrakete X-51A (Archiv)

    Schnell Russland hinterher: Pentagon will schleunigst Hyperschallwaffen testen

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    Die USA arbeiten mit Hochdruck an der Entwicklung von Hyperschallwaffen, sagte der amerikanische Vize-Verteidigungsminister Patrick Shanahan dem TV-Sender „CNBC“. Die ersten Waffentests sollen früher als erwartet stattfinden.

    Das Pentagon ist entschlossen, Hyperschallwaffentests „schneller und häufiger“ vorzunehmen, „als man es erwarten konnte“, sagte der Vize-Verteidigungsminister Shanahan.

    Das US-Verteidigungsministerium berechne derzeit die Kosten, die für den Start einer Serienproduktion von Hyperschallwaffen nötig seien. Gegenwärtig würden mehrere Einrichtungen gemeinsam an der Entwicklung arbeiten. Die Entwicklungskosten würden bei der Haushaltsplanung berücksichtigt, so Shanahan.

    Dass die Vereinigten Staaten sich neuerdings mit Hochdruck an die Entwicklung von Hyperschallwaffen machten, sei eine Reaktion auf „die jüngsten Erfolge Russlands und Chinas in diesem Bereich“, sagt der Militärexperte Konstantin Makijenko vom Zentrum für Strategie- und Technologieanalyse.

    Im März dieses Jahres erklärte der Oberbefehlshaber des US Strategic Command (der nuklearen Streitkräfte der Vereinigten Staaten) John Hyten, Russland und China würden Hyperschalltechnik „auf aggressive Weise“ entwickeln.

    Die USA hätten dem nichts entgegenzusetzen und müssten sich ausschließlich auf das Abschreckungspotential ihrer atomaren Streitkräfte als Schutz gegen mögliche Angriffe mit Hyperschallwaffen verlassen. „Wir haben kein spezielles Abwehrsystem, das den Einsatz solcher Waffen gegen uns verhindern könnte“, sagte der General im Verteidigungsausschuss des US-Senats.

    Es ist durchaus möglich, sagen Experten, dass der Entschluss des Pentagons, die Entwicklung von Hyperschallwaffen zu beschleunigen, eine direkte Folge dieser Anhörung im Verteidigungsausschuss sei.

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    Nur wenige Wochen nach der Anhörung im März, „schon am 18. April 2018 hat die US-Luftwaffe den Rüstungskonzern Lockheed Martin mit der Entwicklung eines luftgestützten Hyperschall-Marschflugkörpers beauftragt. Das Programm heißt ‚Hypersonic Conventional Strike Weapon‘ und hat einen Wert von vorläufig 928 Millionen Dollar“, erklärt der Analyst Makijenko.

    Feste Entwicklungsfristen oder eine bestimmte Anzahl von Prototypen sehe der Auftrag im Umfang von knapp einer Milliarde Dollar nicht vor, erklärt der Fachmann. Lockheed Martin soll zunächst das Konzept der neuen Waffe ausarbeiten und einen Prototyp herstellen.

    Dann geht es darum, „die Systeme zu integrieren, den Prototyp zu testen, die Logistik durchzuplanen und die Kompatibilität der neuen Hyperschallwaffe mit allen Flugzeugtypen der amerikanischen Luftstreitkräfte zu gewährleisten“, hieß es in einer Mitteilung der amerikanischen US Air Force vom April dieses Jahres.

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    „Jetzt wurde offenbar beschlossen, die Entwicklungsfristen doch noch zu konkretisieren und den Bau des Prototyps insgesamt zu forcieren“, sagt Makijenko. Das „Hypersonic Conventional Strike Weapon“-, kurz das HCSW-Programm sei dabei nicht das einzige Vorhaben des Pentagons im Bereich der Hyperschallwaffen.

    Das US-Verteidigungsministerium arbeite außerdem an einer „Air Launched Rapid Response Weapon“ – einer „Luftgestützten Schnellreaktionswaffe“ – auch bekannt als ARRW oder „Arrow“ (Pfeil). Auch dieser Entwicklungsauftrag sei an den Lockheed Martin-Konzern gegangen.

    Allein im kommenden Haushaltsjahr hat das Pentagon 258 Millionen Dollar für die Umsetzung der beiden Rüstungsprogramme – also HCSW und ARRW – beantragt. Angesichts der jüngsten Erklärungen des Vize-Verteidigungsministers sei nicht auszuschließen, „dass die Zahl nach oben korrigiert wird“, sagt Experte Makijenko.

    Damit nicht genug. Die US Air Force finanziert gegenwärtig zwei Testprogramme für Hyperschallwaffen: Das „Hypersonic Air-breathing Weapon Concept“ (eine aeroballistische Rakete für die F-15 Strike Eagle) und der „Tactical Boost Glide“ (ein Hyperschallgleiter, der ebenfalls von einer F-15 gestartet werden soll – die „ARRW“ ist eine Variante davon).

    Spätestens 2023 sollen die Tests beginnen. Verantwortlich für die Umsetzung dieser Waffenprograme ist die DARPA, die Forschungsabteilung des Pentagons. „Eigene Hyperschallwaffenprogramme betreiben auch die US Army und die US Navy“, sagt der Militärexperte.

    „Hyperschallwaffen sind in manchen Fällen sogar gefährlicher als Kernwaffen, weil es gegenwärtig keine effektive Abwehrmöglichkeiten dagegen gibt – und sie sind auch nicht abzusehen“, sagt General Waleri Saparenko, Ex-Mitglied des russischen Generalstabs.

    Sobald den US-Strategen Hyperschallwaffen zur Verfügung stehen, steige die Gefahr des sogenannten Prompt Global Strike: Das Pentagon hätte dann die Möglichkeit, Ziele auf der ganzen Welt blitzartig anzugreifen, und „die Versuchung wäre einfach sehr groß“, betont der General.

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    Tags:
    Hyperschallwaffen, Entwicklung, Konkurrenz, Schutz, Lockheed Martin, USA, Russland, China