14:52 19 Oktober 2018
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    Bombe „Drel“ (dt.: Bohrer)

    Russlands smarte Bombe: Feindpanzer werden zu Schrott, russische bleiben unversehrt

    © Foto: Vitaly V. Kuzmin
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    Die Tests der neuen Bombe „Drel“ (dt.: Bohrer) werden demnächst beendet, wie der stellvertretende Generaldirektor des Konzerns Techmasch, Alexander Kotschkin, mitteilte.

    „Die Tests laufen planmäßig. Ihre Charakteristika haben sich derweil bestätigt, weshalb wir keine Befürchtungen bezüglich eines erfolgreichen Abschlusses der Tests haben“, so Kotschkin.

    Bis zum Jahresende soll die „Drel“-Bombe an das russische Militär übergeben werden. Nach Techmasch-Angaben hat die Bombe keine Analoga in der Welt. „Drel“ gilt als günstige Hochpräzisionswaffe, die über einer hohe Effizienz bei der Vernichtung von Panzern, befestigten Einrichtungen, Flugabwehranlagen und Steuerungszentralen verfügt.

    Die „Drel“-Bombe ist 3100 mm lang, hat einen Durchmesser von 450 mm und wiegt 540 kg.

    Die vollständige Bezeichnung des Geschosses lautet „gleitende Bombenkassette PBK-500U mit Selbst-Zielzuweisungssystem SPBE-K ‚Drel‘“.

    Die Entwicklung der „Drel“-Bomben begann Anfang der 1990er-Jahre im Moskauer Wissenschafts- und Produktionsunternehmen Basalt, das auf die Herstellung von Geschossen für die Luft- und Seestreitkräfte spezialisiert ist. Die lange Entwicklungszeit der Bombe ist nicht nur mit der unzureichenden Finanzierung in den 1990er-Jahren verbunden. PBK-500U ist ein kompliziertes System, in dem zwei Stufen der Zielzuweisung genutzt werden. Die Bombe verfügt dabei über 15 abtrennbare Gefechtselemente mit individueller Zielzuweisung.

    Die Abwurfhöhe liegt zwischen 100 m und 14 km. Der Bombenabwurf erfolgt bei einer Geschwindigkeit von 700 km/h bis 1100 km/h. Nach dem Abwurf kann die Bombe etwa 30 Kilometer vom Abwurfort abweichen. In dieser Phase erfolgt die Zielzuweisung mithilfe eines Signals des Navigationssystems GLONASS. 30 Kilometer reichen wohl aus, damit das Flugzeug während des Kampfeinsatzes nicht ins Flugabwehrgebiet eines Gegners gelangt.

    In einer Höhe von 250 Metern öffnet sich ein Kassetengeschoss. Jedes der 15 Gefechtselemente hat einen Infrarot- bzw. Radar-Zielsuchkopf.

    Die „Drel“-Bombe sei effizient, weil es fast unmöglich sei, sie mit einem Radar zu orten, so der Generaldirektor der Wissenschafts- und Produktionsvereinigung Basalt, Wladimir Porchatschow.

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    Der Konzern Techmasch hüllt sich in Schweigen in Bezug auf die besondere Schlagkraft der „Drel“-Bomben. Deswegen versuchen wir selbst, dies zu klären.

    Die Reichweite des Gleitflugs ist wohl nur im Vergleich mit den russischen kurskorrigierenden Fliegerbomben KAB-250 und KAB-500 einzigartig, die sich um zehn bis 14 km vom Abwurfort entfernen können. Doch mit der US-amerikanischen Gleitbombe CBU-39 kann es die russische in Bezug auf die Distanz noch nicht aufnehmen. Die US-Bombe kann bis zu 110 km weit fliegen. Allerdings hat die „Drel“ einen Vorteil bezüglich ihrer Angriffsmöglichkeiten – der Anteil des Sprengstoffs gegenüber der Gesamtmasse der Bombe ist größer. Das ist damit zu erklären, dass bei den CBU-Bomben ein großes Gewicht auf die Mechanisierung der Flüge entfällt.

    Über die Unauffälligkeit der Bombe für Radaranlagen lässt sich bislang keine eindeutige Aussage treffen. Selbst die gut erforschte Geometrie des US-Kampfjets F-35 lässt zahlreiche Deutungen seiner Daten über die effektive Streufläche zu. Sie alle gehen weit mit den Charakteristika auseinander, die der Entwickler bereitstellt. Doch ein Foto von der „Drel“-Bombe von der Luftfahrtmesse MAKS 2015 lässt vermuten, dass viel an der Verbesserung der Unsichtbarkeit gearbeitet wurde.

    Die „Drel“-Geschosse sind in vielem (außer der Reichweite) effektiver als die US-Fliegerbomben JSOW. Die russischen Kampfelemente sind deutlich smarter als die amerikanischen. Sie können nicht nur Infrarotziele, sondern auch „kalte“ Ziele treffen. Zudem kann eine Kassette auf eine Panzerschlacht abgeworfen werden, wobei die Elemente nur feindliche Maschinen treffen.

    Zudem ist bei den russischen Geschossen die Trefferkapazität deutlich höher. Eine Kassette kann sechs bis zehn Stück Panzertechnik vernichten, darunter schwere Panzer. Bei AGM-154 ist diese Kennzahl fast doppelt geringer. Die Kassette kann auch mit betonbrechenden Elementen BETAB-M ausgestattet werden, die allen Analoga überlegen sind.  Zusammengefasst lässt sich zweifelsfrei behaupten, dass die „Drel“-Bombe tatsächlich eine einzigartige Waffe ist.

    Doch das ist nicht der einzige Fortschritt in der russischen Rüstungsindustrie bei der Entwicklung von smarten Fliegerbomben. Im vergangenen Jahr wurde bekannt, dass das Unternehmen „Taktische Raketenwaffen“ für Kampfjets der Typen Su-34 und MiG-35 eine neue Gleitbombe entwickelt. Bislang hat die Bombe nur eine Werksbezeichnung – Erzeugnis 9A7759 und nimmt an Flug- und Konstruktionstests teil. Es hätten eigentlich schon die staatlichen Tests beginnen sollen, doch der Prozess wird durch das 12. Zentrale Wissenschafts- und Forschungsinstitut des Verteidigungsministeriums gebremst. Da sich das Institut mit der Effizienz des Atomwaffen-Einsatzes befasst, kann man vermuten, dass die Bombe auch mit taktischen Nukleargeschossen ausgerüstet werden kann.

    Die Bombe hat drei Modifikationen. Eine davon ist die Rakete 9A7759, ausgerüstet mit Feststoffantrieb und einer Reichweite von 120 km. Zwei weitere Raketen (9A1-7759 und 9A2-7759) sind Gleitbomben mit einer Reichweite von 65 km. Das ist natürlich weniger als bei der CBU-39, dennoch ist es der bislang höchste Wert für russische Geschosse dieses Typs.

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    Länge des Geschosses – 4200 mm, Durchmesser – 310 mm. Minimales Gewicht des Gefechtskopfs – 315 kg, maximales Gewicht bei der Modifikation 9A1-7759 – 480 kg. Der Bombenabwurf erfolgt bei einer Geschwindigkeit von 500 bis 1200 km/h.

    Das Steuersystem hat bei allen Modifikationen einen inertialen Block und störungssicheren GLONASS-Kanal.  Die Gefechtsköpfe der ersten zwei Modifikationen sind Sprengsplitter-Gefechtsköpfe, bei der dritten Modifikation handelt es sich um raumdetonierende.

    Die Bombe könnte auch mit einem Nukleargeschoss ausgerüstet werden. Es könnte durchaus sein, dass es sich dabei um die russische Antwort auf das Auftauchen der 12. Modifikation der US-amerikanischen taktischen Bombe B61 handelt. Die elf früheren Modifikationen sind Freifallbomben, ausgestattet mit einem Fallschirm, damit sich der Bomber auf sichere Distanz von der Detonationsstelle entfernen kann.

    B61mod12 ist eine Gleitbombe mit einer veränderbaren Explosionsstärke. Sie ist ziemlich klein: Länge – 3580 mm, maximaler Durchmesser – 330 mm, Masse – rund 320 kg. Es sind keine Informationen über die Reichweite vorhanden. Doch das Fehlen eines Fallschirms weist darauf hin, dass sie ausreichend ist, damit der Bomber in sicherer Entfernung bleibt.

    Die B61 soll nach dem Abschluss der Tests in Europa stationiert werden. Das ist eine ziemlich unangenehme Situation für Russland. Deswegen wäre es logisch, unsere neuen Bomben beispielsweise näher zu Warschau zu stationieren, denn schließlich muss die Symmetrie stimmen.

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    Tags:
    Tests, Entwicklung, Bombe, Atomwaffen, B61, F-35, Su-34, MiG-35, Russland