09:35 22 Oktober 2018
SNA Radio
    Ein Taucher (Symbolbild)

    Kiews Marine pirscht sich an die Krim-Brücke ran – auf italienische Art

    CC0
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Swobodnaja Pressa
    1814245

    Kiew hält die Lage im Asowschen Meer für sehr angespannt und schickt deshalb ganze vier Schiffe in die Hafenstadt Mariupol. Bewaffnet sind nur zwei davon, hochseetauglich sind aber auch sie nicht. Sieht so eine ordentliche Reaktion auf eine große Bedrohung aus?

    Ein Führungsschiff, das aus einer schwimmenden Werkstatt umgebaut wurde, ein Schlepper und zwei Artillerieboote – das soll die Flotte sein, die Kiew angeblich braucht, um auf die vermeintlich angespannte Lage im Asowschen Meer zu reagieren.

    Dass der Kampfwert dieser „Armada“ praktisch null ist (die Artillerieboote können ab einem Wellengang der Stufe 3 nicht mehr schießen), ist offensichtlich. Selbst Politiker und Regierungsbeamte in Kiew räumen das ein.

    Eine Verstärkung der beiden Kampfboote ist so schnell auch nicht zu erwarten: Die ukrainische Marine hat einfach keine neuen Schiffe. Und die paar alten Patrouillenboote der US-Küstenwache, die an den ukrainischen Präsidenten Ende letzter Woche in Baltimore übergeben worden sind, werden in frühestens einem Jahr im Schwarzen und Asowschen Meer auftauchen.

    Was soll also Kiews Getue? Die „Marinebasis“ im Asowschen Meer sieht im Vergleich zu den Möglichkeiten der russischen Flotte doch wirklich hilflos aus – könnte man meinen. Tatsächlich aber könnte der ukrainische Stützpunkt in Mariupol eine ernste Gefahr für die Russen bergen, schaut man sich einmal außerhalb der Hafenstadt um.

    Rund 200 Kilometer westlich von Mariupol liegt an der ukrainischen Schwarzmeerküste die Stadt Otschakiw. Dort – und nicht etwa im benachbarten Odessa, wo sich die Zentrale der ukrainischen Marine befindet – baut ein Baubataillon der US Navy derzeit ein „operatives Führungszentrum“. Bis Ende dieses Jahres soll die Anlage komplett stehen.

    Was man sich unter einem Führungszentrum üblicherweise vorstellt, wären eine leistungsstarke Kommunikationszentrale, ein Stabsgebäude, eine im Inneren der Anlage versteckte Leitzentrale, diverse Wohn- und Funktionsgebäude natürlich.

    >>Andere Sputnik-Artikel: „Märchen über Fake-Siege“: Donezk dementiert Kiews Bericht

    Was das amerikanische Baubataillon in Otschakiw stattdessen errichtet, ist jedoch eine zu allen Seiten hin abgeschirmte und geschlossene Basis für Schnellboote, deren Einsatzzweck bisher niemand so richtig erklären konnte. Dass es keine Ausflugsboote sein werden, davon darf man wohl ausgehen.

    Warum das künftige „Führungszentrum“ von außen einer hochgesicherten Festung gleicht, wird klar, wenn man weiß, dass nur wenige Schritte davon entfernt das 73. Zentrum für maritime Sondereinsätze der ukrainischen Spezialeinsatzkräfte beheimatet ist.

    Mit anderen Worten: Dort sind die ukrainischen Kampfschwimmer stationiert – und die könnten die Schnellboote von der geheimen Basis nebenan gut gebrauchen.

    Erst im September dieses Jahres hat der Nationale Sicherheits- und Verteidigungsrat der Ukraine ein Maßnahmenpaket „zum Schutz der Landesinteressen in den Südregionen, im Schwarzen und im Asowschen Meer“ verabschiedet.

    Fast zur gleichen Zeit reiste eine Delegation des ukrainischen Verteidigungsministeriums in die süditalienische Hafenstad Brindisi, wo sich der größte Stützpunkt der italienischen Marine befindet.

    Bei einem Treffen mit den hiesigen Admirälen haben die Gäste aus der Ukraine ganz offiziell Möglichkeiten amphibischer Einsätze „zur Abwehr von Terror, Piraterie und Schmuggel“ diskutiert sowie Taktiken bei „Landeoperationen zur Einnahme und Verteidigung wichtiger Objekte“ besprochen.

    Von der Kompetenz der italienischen Kampfschwimmer können die ukrainischen Kollegen in der Tat lernen, weil die nämlich seit jeher für den Kampf gegen einen Gegner trainieren, der ihnen überlegen ist (so wie die russische Schwarzmeerflotte gegenüber allen Kräften, die Kiew im Schwarzen und Asowschen Meer auffahren kann).

    Das ist historisch bedingt und hat noch im Zweiten Weltkrieg angefangen. Damals machten nur 235 italienische Elitesoldaten der 10. Flottille der Mezzi d’Assalto (der italienischen „Sturmkräfte“) den Briten das Leben schwer.

    Den Russen übrigens auch: Gegen die russischen Truppen kämpfte die Eliteeinheit des überzeugten Faschisten Junio Valerio Borghese nicht nur im Schwarzen Meer, sondern auch am Ladogasee, wo sie die Leningrad-Blockade der Wehrmacht unterstützte. 

    Unter Borgheses Führung dienten wahre Blutsauger. Rund 38 Prozent aller von den Italienern im Zweiten Weltkrieg versenkten Alliiertenschiffe gingen auf deren Konto. Nach Kriegsende wurde Borgheses Elitetruppe zunächst zwar aufgelöst, doch war deren Know-how nur wenige Jahre später wieder gefragt.

    >>Andere Sputnik-Artikel: Kiew will US-Flugabwehrsysteme kaufen

    1952 wurde innerhalb der italienischen Marine eine scheinbar neue Kampfschwimmereinheit gegründet. Dass sie ihre Wurzeln aber in der faschistischen Einheit Borgeheses hat, verbirgt sie nicht.

    Wenige Jahre nach der Gründung wurde sie nach dem Marineoffizier Teseo Tesei benannt, der bei einem Angriff der 10. Flottille der Mezzi d’Assalto auf die britische Marine bei Malta ums Leben gekommen war.

    Könnte Kiew von dieser geballten Kompetenz heute profitieren? Aber selbstverständlich. Interessiert ist die ukrainische Marine sicherlich nicht nur an Einsatztaktiken der Italiener, sondern auch an deren Ausrüstung und Bewaffnung: die Kleinst-U-Boote oder bemannten Torpedos für False-Flag- oder Sabotageeinsätze zum Beispiel.

    Die Exportschranken der Nato würden hierbei sicherlich keine Rolle spielen, Italien bietet die Technik seit Langem schon zum Verkauf an.

    Wie hängt das nun mit der ukrainischen Marinebasis in Mariupol zusammen? Aufschluss darüber könnte eine Meldung geben, die kürzlich in den ukrainischen Medien aufgetaucht ist: Der ukrainische Innenminister Arsen Awakow hat am 29. September bekanntgegeben, dass in Mariupol eine dem ukrainischen Grenzschutz unterstehende Tauchereinheit gegründet werde.

    Ihre Mannschaft soll sich aus diversen ukrainischen Sicherheitsdiensten zusammensetzen, Such- und Rettungseinsätze sollen deren Einsatzzweck sein. Soweit so gut. Fragt sich nur, wen diese offenbar hochspezialisierte Einheit im Asowschen Meer retten will. Schiffbrüchige Fischer, die in einen Sturm geraten sind?

    Dafür ist im Asowschen Meer bereits der Seenotrettungsdienst des ukrainischen Infrastrukturministeriums im Einsatz. Allein in den letzten neun Monaten dieses Jahres haben die Seenotretter laut offiziellen Angaben in fünf großen Suchaktionen 18 Menschen gerettet.

    Mit ihrer Aufgabe werden sie also fertig, ein Hilfeersuchen an das Innenministerium hat der Seenotrettungsdienst nicht gerichtet. Wozu gründet dann die Behörde von Arsen Awakow die Such- und Rettungseinheit in Mariupol wirklich? Als Tarnung für eine Kampfschwimmereinheit wäre sie jedenfalls perfekt …

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Schwimmer, Verstärkung, Einsatz, Flotte, Marine, Stützpunkt, Asowsches Meer, Ukraine