05:07 19 Oktober 2018
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    Die bulgarische Journalistin Viktoria Marinowa

    Bulgarien: Enthüllungsjournalistin ermordet

    © REUTERS / TVN.bg/Handout
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    Die bulgarische Journalistin Viktoria Marinowa, die sich mit Ermittlungen zur mutmaßlichen Entwendung von Geldmitteln aus EU-Fonds beschäftigt hatte, wurde in einem Park in der Stadt Russe im Norden des Landes tot aufgefunden. Wie der städtische Staatsanwalt mitteilte, war sie offenbar auf den Kopf geschlagen und erwürgt worden.

    Die Reporterin des privaten Senders TVN könnte wegen ihrer beruflichen Aktivitäten getötet worden sein.

    „Mit großem Schmerz und tiefer Trauer erlebt die Redaktion den Verlust unserer lieben Kollegin. Ewiges Andenken“, hieß dazu auf der Website des Senders.

    Der Staatsanwalt Georgi Georgijew informierte darüber hinaus, dass das Mobiltelefon der 30-jährigen Journalistin, der Schlüssel von ihrem Auto, ihre Brille und einige Kleidungsstücke verschwunden seien.

    Innenminister Mladen Marinow sagte später, dass die Frau vor dem Tod auch vergewaltigt worden sei.

    Die Rechtsschutzorgane überprüfen alle möglichen Versionen des Mordes. Die Gründe könnten mit ihrer beruflichen Tätigkeit verbunden sein, aber auch nichts damit zu tun haben.

    Laut ihren Kollegen war Viktoria Marinowa in den letzten Jahren Exekutivdirektorin von TVN gewesen. Vor kurzem hatte sie eine neue Talkshow unter dem Namen „Detektor“ gestartet – die erste Sendung wurde erst am 30. September gezeigt. Auf dem Programm soll auch ein Interview mit den Enthüllungsjournalisten Dimitar Stojanov (Website Bivol.bg) und Attila Biro vom rumänischen Projekt Rise gestanden haben. Die beiden erzählten angeblich über die Ermittlung von mutmaßlichen Entwendungen aus verschiedenen EU-Fonds, die mit verschiedenen bekannten Unternehmern und Politikern verbunden waren.

    Die britische Zeitung „The Telegraph“ zitierte ihrerseits gewisse Quellen der Agence France-Presse in der Polizei, die behaupteten, der Mord an Marinowa wäre nicht mit ihrem Job verbunden gewesen.

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    Der bulgarische Premier Bojko Borissow zeigte sich überzeugt, dass die Ermittlung des Mordes Erfolg haben werde, denn es sei bisher eine große Arbeit zu diesem Fall erledigt worden. „Es wurde genügend DNA-Stoff gesammelt, und deshalb ist die Entdeckung des Mörders eine Frage der Zeit“, betonte er.

    Sehr beunruhigend findet man den Mord an Viktoria Marinowa auch bei der OSZE. Der Beauftragte für Pressefreiheit, Harlem Désir, sagte dazu: „Ich bin vom schrecklichen Mord an der Journalistin Viktoria Marinowa in Bulgarien schockiert, die sich mit Ermittlungen beschäftigte. Ich werde die von den Behörden eingeleitete Ermittlung aufmerksam verfolgen. Ich rufe sie auf, unverzüglich die Schuldigen zur Verantwortung zu ziehen und herauszufinden, ob der Mord an ihr mit ihrer Arbeit verbunden war.“ Das Leben der Journalisten habe „eine vorrangige Bedeutung“, warnte Désir.

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    Auch Marinowas Kollegen zeigten sich von ihrem Tod schockiert. Wie ein TVN-Reporter, der anonym bleiben wollte, gegenüber AFP sagte, hatte niemand von den Mitarbeitern „Drohungen in jeglicher Form erhalten“. Jetzt aber machen sich die Journalisten große Sorgen um ihre Sicherheit.

    Das ist nicht der erste Mord an Medienvertretern in diesem Monat. Erst am 3. Oktober hatten Unbekannte in der mexikanischen Stadt Yajalón den Reporter Sergio Martinez Gonzalez von der Wochenzeitung „Enforque“ getötet, als dieser in einem Café frühstückte. Seine Frau wurde dabei verletzt und musste in ein Krankenhaus gebracht werden.

    Zuvor hatte Gonzalez auf Facebook geschrieben, öfter Drohungen bekommen zu haben. Er machte die Behörden darauf aufmerksam, doch diese reagierten kaum.

    Am 21. September war ebenfalls in Yajalón der Reporter Mario Gomez vor seinem Haus erschossen worden.

    Aufsehenerregend war auch das geheimnisvolle Verschwinden des saudischen Journalisten Dschamal Chaschukdschi am 2. Oktober in Istanbul. An jenem Tag suchte er das saudi-arabische Generalkonsulat auf. Seine Braut durfte das Gebäude nicht betreten. Sie wartete auf ihn fünf Stunden lang, und danach sagte man ihr, der Journalist wäre schon weggegangen.  Seit diesem Tag wird Chaschukdschi vermisst.

    Die türkische Polizei vermutet, dass er im Gebäude des Konsulats getötet worden sein könnte.

    „Nach ursprünglicher Einschätzung der türkischen Polizei wurde Herr Chaschukdschi im Generalkonsulat Saudi-Arabiens ermordet. Unseres Erachtens war das ein vorsätzlicher Mord, und der Leichnam wurde später aus dem Gebäude des Generalkonsulats gebracht“, zitierte Reuters eine türkische Quelle.

    Ein Insider im saudi-arabischen Generalkonsulat behauptete jedoch, diese Beschuldigungen seien absolut unbegründet, und präzisierte, dass am 6. Oktober saudische Untersuchungsrichter in die Türkei gekommen seien, um an der Ermittlung teilzunehmen.

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    Tags:
    Mord, Verantwortung, Ermittlung, Tod, Journalisten, OSZE, Bulgarien