18:00 22 Oktober 2018
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    Biowaffen (Symbolbild)

    Getarnte „Terminatoren“: USA der Entwicklung von Biowaffen beschuldigt

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    Gleich vier verschiedene Teams von amerikanischen Biologen arbeiten an der Entwicklung eines genetisch modifizierten Virus, das die DNA von Pflanzen, mit denen es in Kontakt kommt, verändern könnte. Europäische Forscher vermuten, dass die Amerikaner an einer neuen biologischen Waffe arbeiten.

    Wissenschaftler sind dagegen

    Experten des deutschen Max-Planck-Instituts für Evolutionsbiologie und der französischen Universität Montpellier, unterstützt von Juristen von der Universität Freiburg, haben im Fachmagazin „Science“ einen Beitrag veröffentlicht. Darin üben sie heftige Kritik am „revolutionären“ Forschungsprogramm auf dem Gebiet Landwirtschaft, das gerade in den USA umgesetzt wird. Nach ihrer Auffassung könnten die angeblich friedlichen Forschungen in Wahrheit ein ganz anderes Ziel verfolgen – nämlich die Entwicklung von tödlichen bakteriologischen Waffen.

    Die amerikanischen Forscher, die von der DARPA (Defense Advanced Research Projects Agency) finanziert werden, hinter der die Forschungsabteilung des Pentagons steht, nutzen Insekten für die Beförderung von genetisch modifizierten Infektionsviren zu jeweiligen Bestimmungsorten (Obst-, Gemüse- oder Getreideplantagen). Dort werden die „neuen“ Viren durch Insekten weiterverbreitet.

    Das offizielle Ziel dieser Experimente ist „die Suche nach Möglichkeiten für die Förderung der Resistenz verschiedener Agrarkulturen gegen Dürre, Krankheiten und Herbizide“. Die Autoren des Beitrags fürchten jedoch, dass die wahre Aufgabe dieses Experiments die Entwicklung einer neuen Biowaffe ist.

    Die UN-Biowaffenkonvention wurde am 10. April 1972 verabschiedet und trat am 26. März 1975 in Kraft. An diesem Tag überreichten die 22 Länder, die sich daran anschlossen, ihre Ratifizierungsdokumente dem UN-Generalsekretär. Bisher wurde das Übereinkommen von insgesamt 163 Ländern unterzeichnet. Die USA ratifizierten es bereits im Jahr 1972.  Aber ein Protokoll aus dem Jahr 2001, das Mechanismen für gegenseitige Kontrollen vorsieht, unterzeichnete Washington nicht. Deshalb ist eine Überprüfung, ob die Amerikaner die Konvention einhalten, praktisch unmöglich.

    Virus statt Pille

    Die Idee einer Verwandlung schädlicher Insekten in „Verbündete“ im „Kampf  um die Ernte“ hatte die DARPA bereits 2016 zum Ausdruck gebracht. Aber ein konkretes Programm, das den Namen „Insect Allies“ trägt, wurde erst im Sommer 2017 präsentiert.

    Für entsprechende Forschungen wurden 27 Millionen Dollar bereitgestellt. Diese Mittel wurden unter vier Expertengruppen verteilt. Die wichtigste Aufgabe des Experiments ist, die Möglichkeiten der Wissenschaft zu nutzen, um eine Technologie zu einer „waagerechten“ genetischen Modifizierung von Lebewesen zu entwickeln. Dann sollten genetische Veränderungen von Pflanzen vorangetrieben werden – aber nicht im Labor, sondern auf richtigen besäten Feldern. Das Virus soll die Chromosomen von Pflanzen modifizieren, um sie möglichst resistent gegen diverse Umweltprobleme zu machen.

    >>Andere Sputnik-Artikel: US-Labors in Gus-Ländern „biologische Bedrohung“ für Russland – Experte

    Allen vier Forschergruppen wurden drei Aufgaben gestellt. Es sollten ein Virus und ein Insekt entwickelt (beziehungsweise eine schon jetzt bestehende Insektenart genetisch modifiziert) werden und eine Pflanze entstehen, die „verstehen“ würde, dass sie vom Virus angegriffen wird – um somit ihre Immunität zu verbessern. Für jede Agrarkultur kann eine eigene Modifikation entwickelt werden.

    Wie Wayne Curtis von der Pennsylvania University, der Leiter eines der vier Teams, behauptet, könnte man mit Bakterien, die eine konkrete Aufgabe erfüllen, praktisch alle möglichen Probleme lösen. Man könnte gegen schädliche Insekten, Dürre, Folgen von zu starkem Regen und so weiter kämpfen.

    Diese Methode wäre wirklich revolutionär und der nötige Effekt könnte sehr schnell erreicht werden. Bisher ging es bei solchen Forschungen um die genetische Veränderung von Saaten, damit die jeweiligen Pflanzen resistent gegen Schadinsekten, Naturkatastrophen und Ähnliches werden. Und jetzt geht es um die „Unterstützung“ von schon großgewachsenen Pflanzen.

    Schnell und heimlich

    Der Unterschied zwischen „gesunder Ansteckung“ und traditionellen Methoden zur Bekämpfung von Schadinsekten liegt darin, dass Viren im Rahmen des neuen Programms nicht mit speziellen technischen Anlagen verbreitet werden, sondern durch Insekten selbst – so ist die von der DARPA gestellte Aufgabe. Man muss sagen, dass die technische Bestäubung von Pflanzen (von Flugzeugen beispielsweise) ein einfacherer und leicht kontrollierbarer Prozess ist. Warum sollte man ihn also kompliziert machen? Die Antwort ist: Damit die Kontrolle nicht so effizient wird.

    Und eben darin sehen die europäischen Wissenschaftler den Grund zur Sorge. Wie Felix Beck gegenüber der spanischen Zeitung „ABC“ sagte, besteht das Problem darin, dass Insekte „natürlich völlig unberechenbar sind und Viren auch die Saat und nicht nur erwachsene Pflanzen beeinflussen können. Man erzählt uns nicht davon. Aber dass es keine Informationen über den Prozess gibt, heißt nicht, dass der Prozess nicht weiter geht.“ 

    Außerdem wäre es „kaum nützlich“, wenn Insekten die neuen „Wunderviren“ verbreiten würden. Wenn es um die Vernichtung von Schadinsekten samt der Sicherung einer guten Ernte gehe, dann wäre es einfacher und bequemer, für diesen Zweck technische Mittel einzusetzen.

    Der einzige Grund, warum die Initiatoren des Forschungsprogramms in Übersee Insekte brauchten, bestünde Beck zufolge darin: „Für die Fumigation wären Anlagen nötig, die für jeden Farmer zugänglich wären – und davon gibt es nicht viele“.

    „Es ist merkwürdig, so etwas von US-amerikanischen Experten zu hören, die immer sagten, sie hätten alle nötigen Stoffe, und zwar in ausreichender Zahl, die sie auch eventuell unverzüglich  verwenden könnten“, so der deutsche Forscher.

    Professor Derek Caetano-Anolles vom Max-Planck-Institut findet, dass die Vorgehensweise der DARPA vermuten lasse, dass sie „eine offensive Technologie entwickeln“ wolle.

    Die europäischen Wissenschaftler glauben, dass ihre amerikanischen Kollegen unter dem Vorwand der Forschungen auf dem Gebiet Landwirtschaft in Wahrheit eine neue wirkungsvolle biologische Waffe entwickeln könnten.

    Dadurch könnte ein Aggressor binnen kürzester Zeit jede Ernte vernichten, ohne auf eine spezielle Technik zurückzugreifen, die vom Gegner entdeckt werden könnte. Zudem würde dieser keine Beweise für die Verbreitung von Giftstoffen finden. Dem Aggressor würde genügen, wenn die nötigen Insekten das nötige Saatfeld erreichen und sich faktisch in unsichtbare „Terminatoren“ verwandeln.

    Der deutsche Professor erläuterte, dass dadurch riesige Schäden entstehen könnten. „Die Pflanzen würden aus natürlichen Gründen sterben. Ihr Saatmaterial wird sterilisiert, was erst ein Jahr später erkennbar ist, da keine Pflanzen mehr wachsen.“

    Die Amerikaner haben ihren Plan schon jetzt umgesetzt, allerdings vorerst in kleineren Treibhäusern und auf einzelnen Tomaten- und Maisfeldern. Als  „Beförderungsmittel“ für schädliche Viren dienen dabei Heuschrecken und Baumläuse.

    >>Andere Sputnik-Artikel: Haben USA Biowaffen-Programm in Georgien? Pentagon will nichts davon wissen

    Auch die Wahl der Agrarkulturen, an denen die Amerikaner experimentieren, zeugt davon, dass sie militärische Ziele verfolgen: Mais ist eine Pflanze, von der Millionen Menschen abhängen. In Lateinamerika und Afrika ist er eines der wichtigsten Lebensmittel. Dabei schloss das Pentagon Projekte aus dem Experiment aus, die an Pflanzen orientiert sind, die nicht als Lebensmittel verwendet werden (Tabak, Minze usw.).

    Frage ohne Antwort

    Ob das US-Programm „Insect Allies“ den Normen der biologischen Sicherheit der Menschheit entspricht? Das weiß niemand. Auch darum sind die europäischen Experten beunruhigt. Sie forderten in dem „Science“-Beitrag die DARPA auf, ihre Aktivitäten möglichst transparenter zu halten und über die Ergebnisse ausführlich zu berichten. Aus ihrer Sicht „gibt es keine Garantien dafür, dass diese Forschungen die Biowaffenkonvention nicht verletzen“.

    Die  Verwendung von mit modifizierten Viren „belasteten“ Insekten könnte „die besten Praxen und Regeln eliminieren, die seit mehr als 60 Jahren unsere Welt vor der zerstörenden Verwendung von Biowaffen bewahren“, heißt in dem Dokument.

    Außerdem könnte die Umsetzung dieses geheimen Projekts „viele Konkurrenten in verschiedenen Ländern dazu bewegen, dasselbe zu tun – unter dem Vorwand, Gegengifte zu entwickeln, gegen Schadinsekten kämpfen zu müssen usw.“, resümierte Professor Caetano-Anolles. „Die Welt steht ohnehin am Rande einer Kluft. Man darf nicht die brüchige Bilanz zerstören.“

    Der Projektleiter in Übersee, Entomologe Blake Bextine, räumte ein, dass „Insect Allies“ durchaus als Dual-Use-Programm bezeichnet werden könnte. „Aber wir sagen ehrlich, dass wir ausschließlich daran arbeiten, dass wir künftig die Ernte besser aufbewahren können – und nicht Gegner vernichten.“

    Richtigen Gentlemen glaubt man bekanntlich aufs Wort. Ob das aber in diesem Fall möglich ist?

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    Tags:
    Forschung, Entwicklung, Idee, Biowaffen, UN, Defense Advanced Research Projects Agency“ (DAPRA), USA