22:19 16 Oktober 2018
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    Crew eines russischen Raketensystems S-300

    S-300: Welche Geheimnisse könnte die Ukraine den USA und Israel ausgeplaudert haben?

    © Sputnik / Igor Zarembo
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    Israelische Piloten haben an einer Übung in der Ukraine teilgenommen, bei der F-15-Kampfjets und S-300-Flugabwehrraketen zum Einsatz kamen. Laut europäischen Medienberichten sind die Israelis zu dem Schluss gekommen, dass ihre Flugzeuge Vorteile gegenüber den russischen Raketen haben, die derzeit in Syrien stationiert sind.

    Die Zeitung Wsgljad versucht zu klären, was die israelischen Militärpiloten in der Ukraine erfahren haben könnten.

    Laut der vietnamesischen Website Soha News haben die Ukrainer Tel Aviv nicht nur alle technischen Daten der S-300-Raketen verraten, sondern auch angeboten, diese Raketenkomplexe selbst zu testen. Zu diesem Zweck wurden amerikanische und israelische Kampfjets in die Ukraine geschickt, darunter 18 US-amerikanische Militärmaschinen F-15C Eagle.

    Zum Abschluss der Übung stellten die israelischen Militärs fest, dass die Kampfjets F-35 Lightning II wichtige Vorteile gegenüber den russischen Raketen haben.

    Zuvor hatte der russische Pilot, Generalmajor Wladimir Popow, der an echten Kriegseinsätzen beteiligt war, eingeräumt, dass F-35-Flugzeuge ernstzunehmende Gegner für die S-300-Raketen wären. Diese Maschinen können „Schläge aus überraschenden Richtungen versetzen. Falls wir sie nicht entdecken, werden wir Stiche bekommen. Ich kann nicht garantieren, dass sie alle mit 100-prozentiger Wahrscheinlichkeit entdeckt werden“, betonte er.

    „Das ist eine ganze Plattform, auf deren Basis ein Mehrzweck-Kampfjet für die Lösung von Aufgaben in der Luft und auf der Erde entwickelt werden könnte. Die Aufgabe der F-35-Maschinen ist, unauffällig zu erscheinen, unerwartete Schläge zu versetzen und sofort wegzufliegen, ohne sich in einen Kontaktkampf verwickeln zu lassen“, so der Experte. „Das sind Flugzeuge für taktische Aufgaben. Es geht darum, dass sie ein Objekt von einer ‚kritischen Seite‘ anfliegen, wobei sie möglichst lange nicht erkannt werden, und dann Langstreckenraketen abfeuern.“

    Moskau hatte beschlossen, Syrien mit S-300-Raketen zu versorgen, nachdem die syrische Luftabwehr am 17. September zufällig ein russisches Aufklärungsflugzeug Il-20 über dem Mittelmeer abgeschossen hatte. Die Schuld dafür gab Russland Israel, dessen F-16-Kampfjets sich hinter der Il-20 versteckt hatten.

    Experten verwiesen bereits darauf, dass Syrien Komplexe S-300PM erhalten hat. Der Index P bedeutet, dass es sich um Raketen für die Luftabwehr handelt, und M steht für „modernisiert“. S-300-Raketen sind bekanntlich sehr populär in der ganzen Welt: Darüber verfügen die Streitkräfte von insgesamt 18 Ländern (Armenien, Aserbaidschan, Weißrussland, China, Griechenland, Syrien, Kroatien usw.).

    Griechenland hatte beispielsweise 2013 erste Schüsse mit diesen Raketen abgegeben und ein kleines unbemanntes Flugzeug aus 30 Kilometern erfolgreich abgeschossen, das in einer Höhe von weniger als 2000 Metern geflogen war. Die Medien hoben damals die große Zuverlässigkeit der Raketen hervor. 2015 berichtete Reuters über gemeinsame griechisch-israelische Übungen, in deren Verlauf die Israelis das Zuweisungssystem der S-300 testen durften. Der Stab der griechischen Luftstreitkräfte dementierte jedoch diese Behauptungen.

    Der frühere Generaldirektor des Konzerns Almas-Antej, der S-300-Raketen baut, Igor Aschurbejli, sagte in einem Interview, dass S-300-Raketen den Himmel im Radius von 250 Kilometern decken und dass damit nur US-Raketenkomplexe Patriot vergleichbar wären, weil die Amerikaner nach seinen Worten russische Technologien gestohlen hätten. Als Aschurbejli an der Spitze von Almas-Antej stand, wurden dort die neuesten Modifikationen von S-300-Raketen sowie die modernsten Raketen S-400 entwickelt.

    Was aber die Ukraine angeht, so sind Experten überzeugt, dass Kiew über Raketen der allerersten S-300-Modifikation verfügt, die noch in Sowjetzeiten gebaut wurden. Wie Generalleutnant Alexander Gorkow, der Befehlshaber der Raketentruppen der russischen Luftstreitkräfte in den Jahren 2000 bis 2008, sagte, könnten die amerikanischen und israelischen Militärs nur die ersten Schritte bei der Bekanntschaft mit den Charakteristiken der S-300-Raketen machen, „doch das wäre der Weg in eine Sackgasse“.

    „Die USA und Israel kennen nicht unsere moderne Ausrüstung, die sich unter anderem in Syrien befindet. Sie ist wesentlich stärker und besser gegen Störungen abgesichert“, betonte Gorkow.

    Der Ex-Chef der Fla-Raketentruppen beim Kommando der Fliegerspezialkräfte, Sergej Chatylew, verwies seinerseits darauf, dass es sehr viele S-300-Modifikationen gebe. Diese Komplexe werden nach seinen Worten permanent nachgebessert, „und deshalb ist es unmöglich, alle ihre Geheimnisse herauszufinden“.

    Amerikanische Spezialisten wissen ohnehin seit langem, was S-300-Raketen sind, sagte der Experte weiter. Deshalb seien die Amerikaner aus ganz anderen Gründen in die Ukraine gekommen – aus wirtschaftlichen und politischen. „Wir haben schon S-300-Raketen an Griechenland verkauft, das immerhin Nato-Mitglied ist. Deshalb konnten sie alle ihre Charakteristiken kennen lernen. Es geht offenbar um andere Ziele: ihre alten Waffen an die Ukraine zu verkaufen und uns mit ihrem Vorgehen Angst zu machen“, resümierte Chatylew.

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    Tags:
    Verrat, Leak, Geheimnisse, Kampfjet, Luftabwehr, Tarnkappentechnik, Fla-Raketensysteme, Raketensystem, F-16, Il-20, F-35B, F-15C Eagle, S-300, Almaz-Antey, Almas-Antei, Israel, Nahost, Syrien, Ukraine, USA, Russland