09:18 21 November 2018
SNA Radio
    US-Botschaft in Jerewan, Armenien (Archivbild)

    Wie die USA ihre Botschaften in Spionagezentren verwandeln

    © AP Photo / Photolure/ Mkhitar Khachatrian
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    fondsk.ru
    107112

    Die Botschaft jedes Landes agiert im Rahmen der Vollmachten, die in bilateralen und multilateralen zwischenstaatlichen Abkommen festgelegt sind, schreibt das Portal „fondsk.ru“.

    Zu letzteren gehört vor allem das Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen 1961. Es regelt unter anderem eindeutig die Zahl der Mitarbeiter der Botschaften, besonders jener, die über diplomatische Privilegien und Immunität verfügen. Die Gesamtzahl der Mitarbeiter hängt gewöhnlich direkt vom Niveau der Beziehungen zwischen den Staaten u.a. ab. Die Fläche der Botschaftsgebäude ist gewöhnlich direkt mit der Zahl der Mitarbeiter verbunden.

    Man hätte wohl vermuten können, dass die größten Botschaften der USA in London, Paris, Berlin, Peking, Moskau und einigen anderen Ländern sein sollten, die einen wichtigen Platz in der Außenpolitik der USA haben. Das war ungefähr so im 20. Jahrhundert. Doch dann änderte sich allmählich die Situation.

    Als größte US-Botschaft gilt heute die Botschaft im Irak. Das Botschaftsgelände erinnert an eine Festung, die im autonomen Betrieb laufen kann. Die Befestigungsanlage in Bagdad ist nicht nur mit Maschinengewehren, sondern auch mit Artillerie und Raketen gut vor einem möglichen Beschuss geschützt. Die Wände der Objekte sind extrem dick. Nach Medien-Angaben arbeiteten in der US-Botschaft in Bagdad bis 2012 knapp 2000 Diplomaten und 14.000 Vertragsmitarbeiter. Danach sank ihre Zahl, doch die Botschaft im Irak gilt weiterhin als größte diplomatische Vertretung der USA.

    Auf Platz zwei rangiert die US-Botschaft in Armenien (!). Die Bevölkerung der Republik liegt bei weniger als drei Millionen (Platz 136 in der Welt), sie hat eine Fläche von 29.743 Quadratkilometern (Rang 138 in der Welt). In Realität leben in Armenien derzeit rund zwei Millionen Menschen. Nach Angaben der armenischen Medien sind im Lande 2000 US-Diplomaten tätig. Nach anderen Quellen sogar 2500 Diplomaten, also jeweils einer für 1200 Staatsbürger des Aufenthaltslandes. Zum Vergleich: In Russland lag die Zahl der US-Diplomaten bis zur jüngsten Ausweisung bei 455. Noch ein Vergleich: Die Zahl der Mitarbeiter der russischen Botschaft in Armenien belief sich vor der „Samtenen Revolution“ im Frühjahr 2018 auf rund 60.

    Nach der Gesamtzahl der Mitarbeiter bleibt die US-Botschaft in Armenien zwar deutlich zurück hinter der im Irak (einschließlich Vertragsmitarbeiter), doch nach der Zahl der Mitarbeiter mit diplomatischen Pässen kann sie wohl Platz eins beanspruchen.

    Die US-Botschaft in Armenien, die nahe des Jerewan-Sees liegt, erstreckt sich auf einer Fläche von neun Hektar. Die Amerikaner kauften dieses Grundstück bei der Regierung Armeniens für nur fünf Millionen Dollar.

    Die feierliche Eröffnung der neuen Botschaft fand am 6. Mai 2005 statt. Auf dem Botschaftsgelände stehen Gebäude mit einer Gesamtfläche von 14.000 Quadratmetern. Die Mauern sind 50 Zentimeter dick und aus Monolith-Beton mit Metallnetz errichtet. Die Botschaft verfügt über autonome Energieversorgung und ein eigenes Wasserbassin. Ein Gebäude ist für Marineinfanteristen bestimmt. Zur Eröffnung der Botschaft gab es nur sechs Marineinfanteristen. Doch 2013 waren es bereits 800. Wie damals ein armenischer Journalist schrieb, war im Stadtzentrum Jerewans ein vollwertiger Stützpunkt der US-Seestreitkräfte entstanden.

    Wozu braucht Washington solch einen überdimensionierten Botschaftskomplex in einem kleinen Land, das keinen Zugang zum Meer, keine großen Vorkommen, keine großen Investitionsprojekte hat?

    Eine Antwort gibt der US-Experte Daniel Gaynor vom Truman Center for national Policy. Es folgt ein Auszug aus seinem Artikel „Die Beziehungen der USA mit Armenien: USA haben geheime Waffen bei Konfrontation mit seinen Gegnern im Nahen Osten“:

    „Die beste Erklärung ist die Lage. Armenien, das keinen Meereszugang hat, ein Land mit drei Millionen Einwohnern, liegt wahrscheinlich in der aktivsten Region der Welt. Armenien grenzt an die Türkei, Aserbaidschan, Georgien, den Iran. Als ehemaliges sowjetisches Land stützt sich Armenien bei Handel und Militärhilfen auf Russland. Die USA haben eigene Interessen in allen erwähnten fünf Ländern, und Armenien liegt im Blickfeld als potentiell starker Hebel für die Förderung der US-Ziele.“

    Die neue US-Botschaft in Armenien könnte auch als „Geheimwaffe“ bezeichnet werden. Bereits zur Eröffnung der neuen US-Botschaft hatte kaum jemand in Jerewan Zweifel daran, dass es nicht nur eine diplomatische Vertretung, sondern vor allem ein militärisches Aufklärungszentrum ist.

    Den Armeniern zufolge helfen örtliche Nichtregierungsorganisationen, deren Zahl bei mehr als 200 liegt, den Amerikanern bei der Erweiterung des Agentennetzes im Lande. Die USA stellen jedes Jahr bis zu 250 Millionen Dollar für deren Tätigkeit bereit. Die Arbeit der armenischen NGOs wird auch von der US-Botschaft und solchen Strukturen wie USAID, NED und der Soros-Stiftung koordiniert. Zudem erfolgt aus dem neuen Botschaftskomplex in Jerewan die Funkaufklärung, die auf Grenzgebiete und Nachbarländer zielt – Türkei, Iran, Georgien, Aserbaidschan, Russland u.a.

    „Die USA haben in Armenien de facto keine Botschaft im klassischen Sinne, sondern ein Aufklärungszentrum, einen Komplex von spezifischen Objekten. Von dort aus erfolgt das Sammeln, die Bearbeitung und die Übergabe auch anderer Informationen, die für die Amerikaner von Interesse sind, in das Zentrum. Die USA haben keine besonderen Geheimnisse in Armenien, das heißt, dass ihr Aufklärungszentrum unter diplomatischer Tarnung auf die ganze Region abzielt“, so ein Experte.

    Sollte man sich unter diesen Bedingungen über den Ausbruch der „Samtenen Revolution“ im Frühjahr 2018 in Armenien wundern?

    Der Irak und Armenien sind keine Ausnahme. US-Botschaften der „neuen Generation“ werden auch in anderen Ländern eröffnet. So wurde 2012 ein neues Gebäude der US-Botschaft in der Ukraine geschaffen. Die Gesamtfläche macht 4,5 Hektar aus, die Fläche der Gebäude 15.000 Quadratmeter; sie sind für mehr als 700 Mitarbeiter bestimmt. Die US-Botschaftsanlage ist heute die größte diplomatische Vertretung in Kiew. Ein weiteres Beispiel ist die US-Botschaft in Mazedonien, wo noch weniger Menschen leben als in Armenien. In Mazedonien ging vor kurzem der Bau der US-Botschaft auf einem sechs Hektar großen Gelände zu Ende. Die Gesamtfläche der Gebäude beträgt 18.000 Quadratmeter. Was die Amerikaner in diesen Botschaftsgebäuden treiben, lässt sich leicht erahnen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Sabotage, Bunte Revolution, Einmischung, US-Botschafter, Diplomat, Botschaft, Revolution, US-State Department, National Endowment for Democracy (NED), USAID, Nikol Paschinjan, George Soros, Mazedonien, Irak, USA, Armenien