09:39 18 November 2018
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    Übungen der ukrainischen Marine in dem Asowischen Meer

    Ukraine-Konflikt „schlagartig ändern“: Kiew soll die Straße von Kertsch aufsprengen

    © Sputnik / Pressedienst des ukrainischen Präsidenten
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    Die Lage im Asowschen Meer ist brandgefährlich. Vorfälle, die sich kürzlich in der Region ereignet haben, zeugen davon. Die Kiewer Führung beschließt einseitig, eine Trennlinie in dem strategisch wichtigen Gewässer und in der Straße von Kertsch festzulegen.

    Stellen Sie sich vor, die US Navy und ihre Verbündeten würden in die ukrainischen Häfen Mariupol und Berdjansk einlaufen. Damit stünden Nato-Kriegsschiffe keine Autostunde vor den russischen Hafenstädten Taganrog und Rostow-am-Don entfernt.

    Genau das ist die sichere Folge einer Anordnung, die der ukrainische Präsident vor genau einer Woche, am 12. Oktober, erlassen hat. In dem teils geheimen Dokument heißt es, eine Trennlinie durch das Asowsche Meer und die Meerenge, die es mit dem Schwarzen Meer verbindet, soll die neue Grenze zwischen der Ukraine und Russland markieren.

    Mit der Anordnung setzt Präsident Poroschenko einen Beschluss des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats in Kraft: eine Resolution „über den Schutz der Interessen der Ukraine im Asowschen und Schwarzen Meer, in der Straße von Kertsch, im Osten und im Süden der Ukraine“.

    Das Abkommen zwischen Russland und der Ukraine über die Anerkennung des Asowschen Meeres als Binnengewässer der beiden Länder vom 23. April 2004 wird mit dem einseitigen Beschluss der Kiewer Führung quasi zum Altpapier.

    Russland kann eine Aufteilung des Binnengewässers, die von der Ukraine einseitig vollzogen wird, selbstverständlich nicht hinnehmen. Die Bereitschaft, den Vertragsbruch zu akzeptieren, den die Führung in Kiew begeht, käme einer Einladung an die Nato-Flotte gleich, das Asowsche Meer und die Straße von Kertsch zu besuchen.

    Natürlich könnte man Kiews Alleingang als einen weiteren Flopp abtun, wäre da nicht die Schützenhilfe, die Poroschenko auch in dieser Sache vom Westen bekommt. Es sieht gegenwärtig so aus, dass westliche Strategen geradezu danach lechzen, heftige Zusammenstöße im Asowschen Meer auszulösen.

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    Wozu braucht Nato einen weiteren Konflikt in der Ukraine? Was die westliche Allianz antreibt, hat die allerseits bekannte Denkfabrik Stratfor aus Texas dargelegt. Demnach würde Washington die Unterstützung für Kiew sogar noch verstärken, sobald das Abkommen über das gemeinsame Binnenmeer zwischen Russland und der Ukraine aufgehoben ist.

    Dann könnten beispielsweise Nato-Kriegsschiffe über die von Russland kontrollierte Straße von Kertsch in die ukrainischen Häfen geschickt werden, heißt es bei Stratfor. Das könnte das Wesen des Ukraine-Konflikts „schlagartig verändern“.

    Nicht ohne Grund hat der russische Außenminister Sergej Lawrow in einem Interview mit mehreren französischen Medien (Le Figaro, Paris Match und RT France) am Donnerstag erklärt, die Ukraine lege es darauf an, dass Nato-Übungen im Asowschen Meer stattfänden.

    Nato-Schiffe würden dorthin zwar nicht durchfahren dürfen, „weil unser Abkommen mit der Ukraine eine gegenseitige Zustimmung zum Passieren von Kriegsschiffen ins Asowsche Meer erfordert“. Aber: Die Ukraine wolle das, „und man bekräftigt sie aktiv darin“.

    Daraus lässt sich entnehmen, dass die nordatlantische Allianz nur darauf wartet, bis das Asowsche Meer – entgegen Russlands Protest – den Status eines Binnenmeers verliert.

    Wenn Außenminister Lawrow es für notwendig erachtet, den Gedanken an Nato-Übungen im Asowschen Meer öffentlich zu kommentieren, dann müssen solche Pläne in Washington und Brüssel bereits konkrete Formen angenommen haben.

    Russland wäre natürlich stark genug, um die Meerenge zwischen dem Schwarzen und dem Asowschen Meer für ungebetene Gäste wie die Nato-Flotte zu sperren – wenn nötig, auch gewaltsam.

    Aber dann muss Russland zu einem Frontalzusammenstoß mit der Nato bereit sein. Ist die russische Führung dazu entschlossen? Dass Moskau genau damit ein Problem hat, ist durchaus möglich.

    Man denke nur an den jüngsten „heldenhaften Durchbruch“ zweier Schiffe der ukrainischen Marine vom Schwarzen ins Asowsche Meer. Ende vergangenen Septembers fuhren ein ukrainisches Führungsschiff und ein Schlepper unangekündigt durch die Straße von Kertsch: eine auf den ersten Blick militärisch absolut sinnlose Aktion.

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    Aber eben nur auf den ersten Blick. Denn es ist nicht auszuschließen, dass es Kiew und Washington dabei nur darauf ankam, zu sondieren, wie Russland auf ungebetenen Besuch in der Meerenge reagieren würde.

    Und es hat sich gezeigt, dass mit dem Auftauchen der beiden ukrainischen Pötte sowohl in Moskau als auch in Sewastopol ein heilloses Durcheinander ausbrach. Wie sonst ist die Überreaktion der russischen Marine zu erklären?

    Ganze zehn Einheiten – Aufklärungs- und Patrouillenschiffe sowie Schnellboote des russischen Grenzschutzes – schickten die Verantwortlichen gegen die beiden ukrainischen Rostkähne los. Dazu wurden auf der Halbinsel Krim Kampfjets Su-30SM alarmiert, die mehrmals im Tiefflug über den ukrainischen Schlepper und das Führungsschiff hinwegflogen.

    Warum dieses Aufgebot? Kann es sein, dass Moskau den begründeten Verdacht hatte, Kiew habe es doch noch gewagt, eine gezielte und massive Provokation anzufangen? Bei dem Vorfall entschied sich die russische Führung, nicht zu eskalieren, und ließ zähneknirschend die beiden ukrainischen Schiffe passieren.

    Aber es ist deutlich geworden: Einen klaren Handlungsplan für den Fall plötzlicher Provokationen in der Straße von Kertsch hat die russische Führung nicht parat. Das ist ganz bestimmt auch denen nicht entgangen, die an dem Tag einen Aufklärungsjet vom Typ Boeing RC-135V in die Region entsandt hatten.

    Was ist dann zu erwarten, wenn den beiden ukrainischen „Pionierschiffen“ bald Nato-Schiffe folgen? Washington jedenfalls kommt es genau darauf an. Dass die russische Militärführung beschlossen hat, die Kräfte in der Region zu verstärken, ist nur ein weiteres klares Signal: Moskau erkennt die Gefahr, die Lage im Asowschen Meer bald nicht mehr zu beherrschen.

    Jedenfalls sind an der russischen Nordküste mehrere Kampfschiffe in den Süden des Landes aufgebrochen. Zwei Patrouillenschiffe des russischen Grenzschutzes fahren von Archangelsk aus über die Binnenflüsse und —kanäle ins Asowsche Meer. Am 10. Oktober haben sie bereits den Tscheboksarsker Stausee durchquert.

    Es ist anzunehmen, dass die beiden Kampfschiffe letztlich in Noworossijsk erwartet werden. Hier ist eine Schiffsgruppe des russischen Grenzschutzes stationiert, die auch für den Schutz des Asowschen Meeres zuständig ist.

    Nach der Verstärkung wäre es ein mächtiger Verband. Aber es könnte, wie es aussieht, auch passieren, dass diese Kräfte nicht reichen. Die Lage im Asowschen Meer bleibt brandgefährlich.

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    Tags:
    Schiffe, Konflikt, Sicherheit, NATO, Petro Poroschenko, Russland, Ukraine