09:09 16 November 2018
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    Russlands Präsident Wladimir Putin (Archiv)

    Russlands „Soft Power“-Waffe: Putin und seine Denkfabriken

    © AP Photo / Alexander Zemlianichenko, pool
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    Irina Alksnis
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    Der russische Präsident Wladimir Putin hat am Donnerstag in einer Sitzung des Diskussionsklubs Waldai zweieinhalb Stunden lang über die aktuellsten Themen in Russland und in der Weltpolitik gesprochen. Der Diskussionsklub Waldai ist de facto ein russischer Versuch, auf einem Feld Fuß zu fassen, auf dem historisch der Westen dominierte.

    Die Worte des russischen Präsidenten in verschiedenen Regionen der Welt werden exakt unter die Lupe genommen und detailliert analysiert. Einige davon werden sich in Memes verwandeln, andere werden für die westlichen Partner zum Anlass, Russland weitere böswillige Absichten und Pläne zu unterstellen.

    Doch nicht weniger interessant als das Gespräch über Wladimir Putin bei der Waldai-Diskussion ist das Gespräch über den Klub selbst. Zumal es sich um die 15. Veranstaltung handelt.

    Der Diskussionsklub Waldai gilt als Think Tank. Solche Organisationen arbeiten gewöhnlich in einem geschlossenen Format und im Interesse einer konkreten Klientel. Dem breiten Publikum werden gewöhnlich speziell vorbereitete Produkte (Berichte) vorgelegt.

    Als eine betont öffentliche und internationale Plattform, die sich auf die akutesten internationalen Fragen konzentriert, ist solch ein Think Tank viel seltener anzutreffen. Denn es finden sich nicht viele Menschen, die „Redner“ finanzieren wollen, die einfach Diskussionen führen, ohne etwas Nützliches zu bringen.

    Es gibt Ausnahmen, jedoch nur zu einem Zeitpunkt, an dem internationale Expertenkreise an realer politischer Bedeutung gewinnen und zu einer Marke werden, die die Meinungen und Stimmungen beeinflussen kann.

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    Als auffallendes Beispiel gilt wohl der Club of Rome. Jetzt ist er zwar nicht so ruhmvoll, und seine wahre Bestimmung als wichtigster Vertreter der Interessen des Globalismus und der globalistischen Elite ist zu offensichtlich geworden. Doch in der jüngsten Vergangenheit war diese Organisation tatsächlich sehr einflussreich, allein ihre Nennung löste Zittern bei Elite-Vertretern der meisten Länder aus.

    Der Diskussionsklub Waldai ist de facto ein russischer Versuch, auf einem Feld Fuß zu fassen, auf dem historisch der Westen dominierte. Das betrifft übrigens nicht nur Waldai.

    Die Schaffung internationaler Diskussionsplattformen in Russland, die die einflussreichsten Meinungsmacher anlocken und die Förderung der russischen Ideen in der globalen Agenda ermöglichen, ist an der aktiven Entwicklung der Wirtschaftsforen im Lande zu sehen. Noch vor zehn Jahren schien die Idee absurd, dass das Petersburger Internationale Wirtschaftsforum dem Weltforum in Davos Konkurrenz machen könne. Doch wenn man die Prozesse der vergangenen Jahre ansieht, scheint dieser Gedanke nicht mehr so absurd zu sein — er widerspiegelt immer mehr die objektive Realität.

    Der Diskussionsklub Waldai konzentriert sich im Unterschied zu den Wirtschaftsforen, die mit Geld verbunden sind, auf politische, soziale und kulturelle Themen, die zwar eine große Bedeutung für die Gesellschaft haben, aber ihre Möglichkeiten nicht gleich in reale Ressourcen umwandeln können.

    Doch er wurde vor 15 Jahren ins Leben gerufen – unter Schirmherrschaft der russischen Führung, weshalb er natürlich an Gewicht gewann. Mit der Wiedererlangung des Status einer Großmacht und dem wachsenden geopolitischen Einfluss wirkte sich dieser Faktor automatisch auf den Status des Waldai-Klubs als bedeutende internationale Expertenplattform aus.

    Doch am wichtigsten ist etwas anderes.

    Vor 15 Jahren unternahm Russland die ersten Schritte zur Bildung eines eigenen Raums zur Besinnung und Erörterung der wichtigsten und akutesten Fragen. Das Thema der Jahrestreffen wurde von den Herausforderungen bestimmt, die vor dem Land in entsprechenden Jahren standen – von „Russland an der Jahrhundertwende: Hoffnungen und Realien“ 2004 bis „Globale geopolitische Revolution zu Beginn des 21.Jh: die Rolle Russlands“ 2008, von „Die Zukunft wird jetzt geschaffen: Szenarien der Wirtschaftsentwicklung Russlands“ 2012 bis „Russland: Agenda für das 21.Jh.“ in diesem Jahr. Russland lockt dabei angesehene internationale Experten an – Persönlichkeiten aus Gesellschaft und Regierungen, darunter Staatschefs, Politiker, Wirtschaftsexperten, Vertreter der künstlichen Intelligenz.

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    Das Ergebnis war naheliegend, aber deswegen nicht weniger beeindruckend – wenn man sich der Welt öffnet, öffnet sich die Welt für dich.

    Es ist sogar eigentlich merkwürdig, dass das Fehlen eines einheitlichen Konzeptes einer Vision für das Land und seine Zukunft, das Fehlen einer nationalen Idee eines der populären Themen bei den Diskussionen und der Kritik in Russland ist. Doch für die restliche Welt wurde unser Land vor langem zu einem der wichtigsten Triebfedern des Planeten, die die dominierenden Konzepte des liberalen Globalismus herausfordert und anderen eine einheitliche und klare Alternative bietet – sowohl ideell als auch intellektuell.

    Dabei fürchtet diese Alternative nicht die Kritik seitens der Opponenten wie der ehemalige Premier und aktuelle Außenminister Schwedens, Carl Bildt, der ebenfalls an einer Veranstaltung des Waldai-Klubs teilnahm.

    Manchmal scheint es, dass der Westen einfach vergessen hat, dass gerade eine offene, direkte und akute, jedoch inhaltsvolle Diskussion eine wahre Errungenschaft war, die zahlreiche Durchbrüche in der Vergangenheit sicherte.

    Russland zieht Lehren aus den Erfahrungen Anderer  – und setzt jetzt seinen eigenen Durchbruch in die Zukunft um.

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    Tags:
    Weltordnung, Unterschied, Diskussion, Kritik, Waldai-Forum, Wladimir Putin, Russland