13:10 15 November 2018
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    „Russische“ Kampfjets im Land des Lächelns: Was kann die chinesische Su-27-Kopie?

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    Dem Chef der Abteilung für technische Entwicklung beim Zentralen Militärrat Chinas, Li Shangfu, ist die Ehre zuteil geworden, der erste Beamte der Welt zu sein, gegen den die USA Sanktionen wegen des Kaufs von russischen Waffen verhängt haben - genauer von Kampfjets Su-35 und Flugabwehrsystemen S-400.

    Die Lieferung von 24 Su-Flugzeugen soll bis Ende des Jahres abgeschlossen werden.

    Das könnte aber unter Umständen Russlands letzter Export-Deal mit China sein – das Reich der Mitte entwickelt eigene Kampfjets anhand von illegalen Kopien der Su-27-Gattung.

    Man muss sagen, dass die Situation um die alternative Entwicklung der Su-27-Gattung nicht gerade einmalig ist. Bis zuletzt wurde das Modell J-7 serienmäßig gebaut – eine Kopie der MiG-21. Es gibt auch ähnliche Beispiele aus anderen Branchen: So war der „Vorfahr“ der chinesischen Panzer das sowjetische Modell T-54. Allerdings gibt es auch einige wichtige Unterschiede: Die kardinale Modernisierung der J-7 begann, als die MiG-21 schon nicht mehr gebaut wurde. Und die jetzige Entwicklung des chinesischen Su-27-„Vetters“ verläuft parallel mit dem Originalmodell.

    Die Geschichte der chinesischen Su-27-Kopie begann mit dem Kauf des Originals. Im Mai 1990 begannen die sowjetisch-chinesischen Verhandlungen über den Kauf des Kampfjets vierter Generation. Moskau bot Peking die MiG-29 an, doch die Chinesen entschieden sich für die aussichtsreichere Su-27.

    Zunächst handelte es sich um 20 einsitzige und sechs zweisitzige Maschinen. 1996 folgen ihnen weitere 16 Einsitzer und acht Zweisitzer (Su-27UBK). Im selben Jahr wurde ein Vertrag über den Bau von 105 Flugzeugen in China (aus russischen Zulieferteilen) abgeschlossen. Die in Lizenz gebauten Maschinen bekamen den Index J-11. 1999 kaufte Peking zusätzlich 28 Zweisitzer Su-27UBK.

    Die Exportverträge der späten 1990er-Jahre werden heutzutage oft als „Ausverkauf der Geheimnisse Russlands“ bezeichnet, aber in diesem Fall war das nicht so. Die Russen verkauften die Su-27 den Chinesen unter zwei Bedingungen: Erstens sollten die Waffenkontrollsysteme russisch bleiben, so dass Peking noch viele Jahre auf Moskau angewiesen wäre. Außerdem durften die Chinesen die AL-31F-Triebwerke nicht selbst bauen.

    In den frühen 2000er-Jahren kaufte die Volksrepublik weitere 100 Su-30MKK/MK2.

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    Mit fast 300 Su-27/30-Kampfjets etablierte sich China als größter – nach Russland – Betreiber dieser Maschinen. Peking war allerdings mit seiner Abhängigkeit von den Lieferungen russischer Triebwerke und Raketen sehr unzufrieden und beschloss, auf die noch 1995 vereinbarte Option zum Kauf von weiteren 95 Kampfjets und auf die Modernisierung der früher gekauften Maschinen zu verzichten. Im Dezember 2003 hob die erste Maschine J-11B (die schon erwähnte „Raubkopie“) ab.

    Rein optisch waren das Original und die Kopie zwar fast identisch, aber die chinesische Maschine hatte eine neue (selbstständig entwickelte) funkelektronische Ausrüstung, eigene Waffenkontrollsysteme, die für chinesische Waffen, insbesondere für Luft-Luft-Raketen mittlerer Reichweite, geeignet waren. Auch die Cockpit-Ausstattung unterschied sich von der der russischen Flugzeuge.

    Den Hauptunterschied machten aber die WS-10-Antriebe aus, die eine größere Leistung als die russischen AL-31F hatten. Es heißt, dass die Chinesen sie anhand ihrer Erfahrungen mit den 1982 in den USA gekauften Triebwerken CFM56-2 entwickelt hätten. Damit sind die Behauptungen, sie hätten die russischen Antriebe kopiert, falsch. Der WS-10-Antrieb lässt sich durchaus als „Vetter“ der Triebwerke GE F110 bezeichnen, mit denen die US-amerikanischen Kampfjets F-15 und F-16 ausgerüstet werden.

    Wenn man aber bedenkt, dass J-11B-Maschinen mit WS-10-Triebwerken erst seit 2009 oder 2010 serienmäßig bestückt werden, hat ihre Entwicklung bzw. Vervollkommnung fast 20 Jahre gedauert.

    Dabei hatte die Serienproduktion der J-11B bereits 2006 begonnen. Die ersten Partien dieser Maschinen mussten die Chinesen mit russischen Triebwerken ausrüsten, aber Moskau wollte sich an Peking für dessen illegales Kopieren des russischen Modells rächen, und die Chinesen bekamen in diesen Jahren die minimal mögliche Zahl von AL-31F-Triebwerken, die als Ersatz für die Motoren nötig waren, deren Lebensdauer abgelaufen war.

    Aber offenbar konnten die Seiten mit der Zeit einen Kompromiss finden, so dass die AL-31F-Lieferungen wieder aufgenommen wurden. Vermutlich einigten sie sich darauf, dass die Chinesen ihre J-11-Maschinen nicht exportieren würden, um den russischen Kampfjets auf dem internationalen Markt keine Konkurrenz zu machen.

    In den 2000er-Jahren hatten die Chinesen darüber hinaus bei der Ukraine einen Kampfjet Su-33 gekauft – die Deckmodifikation der Su-27. Auf seiner Basis wurde die Deckmodifikation der J-11B entwickelt: J-15. Der erste Flug einer solchen Maschine fand 2009 statt.

    >>Andere Sputnik-Artikel: Wer siegt? Sowjetische Su-27 gegen F-15 im Himmel über Ukraine

    Bis Ende 2017 wurden insgesamt 24 J-15 gebaut, für die der ebenfalls in der Ukraine gekaufte Flugzeugträger „Warjag“ (allerdings unter dem Namen „Liaoning“) geeignet war. Allerdings wird schon demnächst ein weiterer (schon in China gebauter) Flugzeugträger vom Stapel laufen, so dass offenbar eine neue J-15-Partie gebaut werden müsste.  Dieses Modell wird übrigens wahrscheinlich modernisiert und den Index J-15B bekommen sowie eine neue funkelektronische Ausrüstung, darunter eine Phasen-Array-Radaranlage.

    Aber schon jetzt sind die Fähigkeiten der J-15 besser als die des Originalmodells Su-33 – vor allem weil die Entwicklung der chinesischen Maschine später begann. So ist ihre funkelektronische Ausrüstung besser; sie hat zusätzliche Waffen, insbesondere Anti-Schiffs-Raketen, zur Verfügung usw. Darüber hinaus können J-15 im Flug nachgetankt werden.

    Was die Zukunft der chinesischen Luftwaffe angeht, so bemüht sich Peking um die Weiterentwicklung der J-16 – seiner eigenen Su-30-Version. Dabei geht es aber nicht mehr um einen „1:1“-Nachbau. Die Serienproduktion dieser Maschinen begann 2013. Inzwischen hat ihre Zahl vermutlich die Marke von etwa 100 erreicht.

    Auf der J-16-Basis wird die Modifikation J-16D für funkelektronischen Kampf gegen die gegnerische Luftabwehr entwickelt, die schon seit Ende 2015 getestet wird. Auffallend ist, dass diese Maschine keine Flugzeugkanone haben wird. Parallel wird die Arbeit an einem zweisitzigen Deck-Kampfjet geführt.

    Entwickelt wird auch eine Gattung von einsitzigen Kampfjets J-11D (die „chinesische Su-35S“). Es wurden inzwischen fünf solche Prototypen gebaut, die schon seit einigen Jahren getestet werden.

    Angesichts dessen stellt sich die Frage: Wozu brauchen die Chinesen eigentlich den jüngsten Su-35-Deal mit Moskau? Vermutlich wollen sie einfach sehen, wie die Nachfolger der Su-27-Gattung in Russland in den vergangenen Jahren gebaut wurden. Vermutlich ist Peking vor allem an den AL-41F1S-Triebwerken interessiert. Laut Quellen wollten die Chinesen ursprünglich nur sechs Su-35- kaufen, aber die Russen bestanden auf dem Verkauf von 24 Kampfjets (apropos ohne Peking seine Technologien zu überlassen) – und hatten dabei Erfolg. Ob sich die Chinesen bei der Su-35 etwas abgucken können, wird sich mit der Zeit zeigen. Für Moskau ist am wichtigsten, dass es den ersten Käufer für seine Su-35-Maschinen für 2,5 Milliarden Dollar und  eine stabile Einnahmequelle für die kommenden Jahre gefunden hat, weil die Chinesen Ersatzteile und Waffen für die neuen Maschinen brauchen.

    Offenbar hält Moskau die ziemlich offensichtlichen Nachteile, die mit dem Verkauf seiner neuesten Waffen an das Reich der Mitte verbunden sind, vor dem Hintergrund der sich zuspitzenden Konfrontation mit den USA für akzeptabel. Zumal sich Peking offenbar an die vereinbarten „Spielregeln“ hält und beispielsweise auf den Export seiner Kampfjets verzichtet.

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    Kopie, Deal, Entwicklung, Waffenlieferungen, MiG-21, Su-27, USA, Russland, China