01:50 19 November 2018
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    US-Soldat in Afghanistan (Archiv)

    USA müssen aus Afghanistan raus: Trumps „Krieg bis zum Sieg“ ist gescheitert

    © AP Photo / Mark Wilson, Pool
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    Die Afghanen sind aufgerufen, ein neues Parlament zu wählen. Die Taliban wollen die Wahlen vereiteln – zumindest aber stark stören. Kürzlich haben die Terroristen wieder einen ranghohen US-Militär bei einem Anschlag angegriffen. Indes hat Präsident Trump vor einem Jahr noch versprochen, die Lage in Afghanistan in den Griff zu bekommen.

    Wie durch ein Wunder hat der US-General Austin Scott Miller den Anschlag der Taliban überlebt. Die Terrormiliz attackierte den Oberbefehlshaber der Resolute Support Mission der Nato am 18. Oktober, als er die Stadt Kandahar besuchte, wo er sich mit den Vertretern der Regionalregierung traf.

    Als die Gastgeber den ranghohen Besucher zum Hubschrauberlandeplatz begleiteten, beschoss einer der Wachmänner den Tross: Leiter der örtlichen Polizei und der Geheimdienstchef starben vor Ort, der Regionalgouverneur erlag wenig später im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. Auch wurden zwei US-Offiziere bei dem Angriff getötet.

    Mit dem Anschlag sollte kurz vor den Parlamentswahlen, die am 20. Oktober anstehen, ein Zeichen gesetzt werden. Die Taliban erklärte, die Hauptziele der Attacke seien General Miller und Generalleutnant Raziq, Chef der Regionalpolizei, gewesen.

    Amerikanische Medien haben auf das Attentat gemäßigt reagiert, wohl auch weil der US-General überlebt hat. Anderenfalls hätten die US-Zeitungen sicherlich eine Diskussion geführt, die seit langem schon geführt werden muss.

    Denn die Lage in Afghanistan wird immer schlimmer. Eine Instabilität, wie sie heute in dem Land herrscht, hat es nach Einschätzungen von Experten seit der US-Invasion 2001 nicht gegeben. Die Taliban kontrollieren so große Gebiete wie noch nie – ihre Anschläge werden immer häufiger, immer massiver und immer treffsicherer.

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    Die Terrormiliz beherrscht heute rund 70 Prozent des afghanischen Territoriums und kämpft um die Eroberung von regional wichtigen Zentren. In den letzten Monaten drangen die Guerillas nach Ghazni und Farah ein (beides Hauptstädte gleichnamiger Provinzen). Erst durch das Eingreifen der US Luftwaffe konnten die Taliban wieder vertrieben werden.

    Nach UN-Angaben wurden allein im vergangenen Jahr circa 10.000 Zivilisten in Afghanistan getötet oder verletzt. Für 2018 gehen die Vereinten Nationen von einem Anstieg der Opferzahl aus.

    Donald Trump hat indes angekündigt, den Krieg in Afghanistan „bis zum siegreichen Ende“ fortzuführen. Es gehe darum, die Taliban zu Verhandlungen mit der afghanischen Regierung zu zwingen.

    Experten zweifeln jedoch am Erfolg dieses Vorhabens. Zwar hätten die Taliban sich im vergangenen Jahr etwas langsamer in Afghanistan ausgebreitet. Aber die eroberten Gebiete konnte die Miliz halten. Auch sind die Kämpfer weiterhin schlagkräftig, während der Luftkrieg der US-Amerikaner nur die Zahl der zivilen Opfer erhöhe.

    Alle durch angesehene muslimische Geistliche vermittelten Angebote, sich mit den Vertretern der afghanischen Regierung an den Verhandlungstisch zu setzen, haben die Taliban bisher abgelehnt – als „einen weiteren Versuch, den Krieg der USA zu rechtfertigen“.

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    Auch finanziell sind die Taliban abgesichert: Obschon die US Air Force Mohnplantagen und Opiumlabors in Afghanistan bombardiert, nehmen die finanziellen Möglichkeiten der Terrormiliz sogar zu. Pakistan bestreitet indes, die Taliban zu unterstützen, und bietet sich als Vermittler im innerafghanischen Dialog an.

    Kurzum: Seit dem der US-Präsident seinen „Krieg bis zum siegreichen Ende“ verkündet hat, werden die Zweifel an der Wirksamkeit der US-Strategie in Afghanistan keinesfalls geringer. Die Taliban wird trotz der vielen Tausend getöteter Kämpfer nicht schwächer.

    Im Gegenteil: Die Terrormiliz erfährt weiter Zulauf. Auf 15.000 Mann schätzte die Regierung in Kabul die Mannstärke der Taliban vor zehn Jahren. Heute gehen die Behörden von bis zu 60.000 Mitgliedern aus.

    Dass die afghanischen Sicherheitsbehörden nicht mehr Heer der Lage sind, ist seit langem offensichtlich. Die Regierung und das Parlament des Landes sind in wichtigsten Fragen seit vielen Jahren gespalten. Das jüngste Attentat in Kandahar wird das Vertrauen der Bevölkerung in die Regierungsstrukturen sicherlich nicht stärken. 

    Unterdessen erschweren die zunehmenden Spannungen zwischen den USA, Russland, Pakistan und dem Iran den Regulierungsprozess in Afghanistan zusätzlich. Der längste Krieg in der Geschichte der Vereinigten Staaten setzt sich fort.

    Und er wird noch so lange geführt werden müssen, bis man in Washington einsieht: Die einzige Lösung in Afghanistan kann nur der Abzug aller „Heilsbringer“ in US-Uniform sein.

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    Tags:
    Abzug, Strategie, Terroristen, Krieg, Invasion, Wahlen, Taliban, Donald Trump, Afghanistan, USA