13:31 15 November 2018
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    Luftbomben der U.S. Air Force (Archivbild)

    Aufrüstung auf Hochtouren: Pentagon macht taktische Bombe zu strategischer Waffe

    © Foto: U.S. Air Force/ Airman 1st Class Zachary Hada
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    Während Präsident Trump damit droht, aus dem INF-Vertrag auszusteigen, baut das Pentagon neue Atombomben – oder genauer gesagt: das Pentagon rüstet alte taktische Atombomben zu neuen Kernwaffen um. Die Tests der neuen Nuke sind abgeschlossen, demnächst soll die Serienfertigung starten. Der russische Generalstab ist besorgt.

    Eine „Silberpatrone“ – so nannten US-Militärs die Bombe B61, als ihre erste Version gerade erst entwickelt wurde. In der Tat erinnert deren Form an eine Patrone – und wegen der silbernen Verkleidung an der Spitze, war der Name schnell gefunden.

    1967 wurde die B61 erstmals gebaut, bis 2020 soll die inzwischen zwölfte Version dieser Atombombe in Dienst genommen werden. Die Tests der B61-12 sind im September dieses Jahres abgeschlossen worden, schreibt das Fachblatt „Defense Aerospace“ mit Verweis auf die Nationale Atomsicherheitsbehörde NNSA.

    Ganz neu ist die neue Bombe also nicht – vielmehr handelt es sich um eine tiefgreifende Modernisierung der Vorgängerinnen. Was macht die B61-12 dann so gefährlich, dass Moskau besorgt ist?

    In der ganzen Zeit seit den Sechzigerjahren wurden insgesamt 3.155 B61-Bomben in den unterschiedlichen Varianten gebaut und an das US-Militär ausgeliefert. Bis zum Jahr 2002 wurden 1.900 Stück nach dem Ablauf der Dienstdauer regulär verschrottet.

    Gegenwärtig verfügt die US-Armee über rund 1.200 dieser Atombomben, die hauptsächlich auf Nato- und US-Stützpunkten in Europa gelagert werden. Bei der russischen Militärführung hat das schon immer Unruhe ausgelöst – und jetzt ganz besonders.

    Vor acht Jahren beschloss das Pentagon die bisherigen Versionen der B61 auf die Variante B61-12 zu upgraden. Zwei Milliarden Dollar wurden dafür zur Verfügung gestellt. Durch den Austausch veralteter Komponenten würde die Dienstdauer der B61 um mindestens 20 Jahre verlängert werden, erklärte damals der Chef der NNSA.

    Wie Fachmedien berichten, wird der atomare Sprengkopf der B61 bei der Modernisierung nicht angetastet: es bleibt beim alten Gefechtskopf mit 80 Kilotonnen Sprengkraft. Was verändert wird, ist die Konstruktion der Bombe: der Rumpf und die Steuerung. Im Heck der Bombe wird demnach eine Steuereinheit eingebaut, die die B61-12 zu einer präzisen und zielsicheren Waffe macht.

    Dass die neue Version der alten Atombombe ebenfalls in Europa stationiert werden soll, daraus machen die US-Verantwortlichen kein Geheimnis. Die B61-12 wird also in Deutschland, den Niederlanden, in Italien und womöglich auch in der Türkei in einschlagsicheren Bunkern gelagert.

    Parallel zur Modernisierung der Bombe werden die Waffensysteme optimiert, die sie ins Ziel bringen sollen – nämlich die Kampfjets F-15, F-16 und die deutschen wie die britischen Tornados. Geplant ist, auch die F-35 für den Einsatz der Atombombe anzupassen.

    Und genau das beunruhigt die Verantwortlichen in Moskau. Denn: Waren die Kernwaffen der US-Armee in Zeiten des Kalten Krieges ausschließlich in Westeuropa stationiert, gibt es heute überhaupt keine Garantie dafür, dass die neuen Atombomben nicht in unmittelbarer Nähe zur russischen Grenze auftauchen: in den baltischen Staaten etwa.

    Diese Sachlage verändert den „Status dieser Kernwaffe“, sagt Generaloberst Wiktor Jessin, ehemaliger Generalstabschef der russischen strategischen Raketenkräfte.

    „Die B61-12 ist in Bezug auf Russland keine taktische Waffe mehr, weil sie mit Leichtigkeit die russische Hauptstadt und das zentralrussische Industrierevier treffen kann.“

    Die neue Atombombe der USA sei somit „eine gewichtige Ergänzung zu den strategischen Angriffswaffen, über die die Vereinigten Staaten heute verfügen“, so der Experte.

    Stealth-Bomber der US-Luftwaffe B-2 (Archivbild)
    © Foto : U.S. Air Force/ Airman 1st Class Joel Pfiester/Released
    Und das ist nicht das Einzige, das die Bombe für Moskau gefährlich macht: „Mit der Upgrade-Version können auch die strategischen Langstreckenbomber B-52 und B-2 bewaffnet werden – wie auch der künftige Stealth-Bomber B-21.“

    Für die Entwicklung dieses Flugzeugs mit einer Reichweite von bis zu 11.000 Kilometern sind 97 Milliarden Dollar bereitgestellt worden. Rund 100 Stück sollen gebaut werden.

    „Bisher haben die Amerikaner die B61 bei Übungen nur von taktischen Jagdbombern aus abgeworfen. Aber bei den Tests der B61-12 wurde die Bombe erstmals von einem strategischen Bomber abgeworfen“, sagt der General. „Das belegt, dass die B61-12 als eine präzise Mehrzweckwaffe gedacht ist.“

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    Kriegsgefahr, Nuklearwaffen, Kampfjets, Test, Bombe, Atomwaffen, Atombombe B61-12, B61, F-15, B-52, B-2, F-35, INF-Vertrag, F-16, U.S. Air Force, Pentagon, USA, Russland