21:59 18 November 2018
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    Su-35S (Archiv)

    In der Luft unübertroffen: Wie die Su-35S zum Instagram-Star geworden ist

    © Sputnik / Witalij Ankow
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    Der Schnappschuss ist ein Instagram-Hit: Die „unsichtbare“ F-22 der US Air Force ist ins Fadenkreuz einer Su-35S geraten. Der amerikanische Stealth-Jet ist auf dem Bild ganz deutlich zu erkennen. Hunderttausende haben es gelikt. Dass der russische Abfangjäger so erfolgreich sein würde, war beim Start seiner Karriere aber gar nicht so klar.

    Der amerikanische Tarnkappenjäger habe die russische Maschine provoziert und sei „nach einem simulierten Luftkampf“ dafür bestraft worden, lautet die Unterschrift zum sensationellen Foto.

    Die Feuertaufe erhielt die Su-35S in Syrien. Dort hat sich die Maschine laut der russischen Militärführung technisch und operationell bestens bewährt. Selbst US-Experten müssen zugeben: In einer Reihe von einsatztechnischen Eigenschaften übertrifft der russische Jäger den amerikanischen Fighter der 5. Generation.

    „Ich bin kein Fan davon, Kampfflugzeuge strikt nach Generationen zu klassifizieren. Aber in technischer Hinsicht ist die Su-35S eine wirklich hervorragende Maschine. Sie verbindet eine beeindruckende Manövrierfähigkeit mit enormer Schlagkraft“, sagt auch der russische Militärexperte, Gründer des Fachportals „Military Russia“, Dmitri Kornew.

    Im Grunde ist die Su-35S die zweite Generation der Su-27M. Dieser Abfangjäger wurde in den Achtzigerjahren entwickelt, als eine modernisierte Variante der damals schon legendären Su-27.

    Die sowjetische Militärführung gab die neue Su-27-Version als Reaktion auf die Weiterentwicklung der F-15- und F-16-Jets in Auftrag. Besonders beunruhigend fand das Verteidigungsministerium der UdSSR, dass die amerikanischen Kampfflugzeuge mit der neuen Luft-Luft-Rakete AIM-120A bewaffnet wurden.

    Von der ursprünglichen Su-27M unterscheidet sich der heutige Kampfjet natürlich massiv. Wobei: Äußerlich fallen die Unterschiede fast gar nicht auf. Die wichtigsten Veränderungen wurden nicht am, sondern im Rumpf der Vorgängerin vorgenommen.

    Was dabei herausgekommen ist, ist ein durch und durch digitalisiertes Waffensystem. Die meisten Prozesse an Bord der Su-35S steuert nicht der Pilot, sondern der Bordcomputer. Dabei konnten die Geräte auch noch gewichtsoptimiert werden: Die ganze Steuerung der neuen Maschine ist um 130 Kilogramm leichter als bei der Vorgängerversion.

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    Eine Hauptkomponente, die den Kampferfolg der Su-35S in Syrien mit ermöglicht hat, ist das Multifunktionsradar mit einer Phased-Array-Antenne. Die Anlage erfasst und verfolgt bis zu 30 Luft- sowie vier Bodenziele gleichzeitig auf eine Entfernung von 400 Kilometern. Stealth-Jets sind da, wie das besagte Instagram-Foto zeigt, keine Ausnahme.

    Wenn die Unterschiede zur Vorgängerin auf den ersten Blick auch gar nicht auffallen: Nachgedacht haben die Suchoi-Ingenieure auch über die Steifigkeit der Rumpfstruktur der Su-35S. So wurden die Tragflächen unter anderem durch neue technische Lösungen und den Einsatz neuer Werkstoffe verstärkt.

    Deshalb kann die Su-35S bis zu 30 Jahre respektive 6.000 Flugstunden lang im Dienst bleiben. Bei der Vorgängerin Su-27 garantierte der Hersteller eine Dienstdauer von lediglich zehn Jahren bzw. 1.600 Flugstunden.

    Zugenommen hat nicht nur die Belastbarkeit der Maschine, sondern auch das Startgewicht – wohlgemerkt: bei gleichgebliebenem Leergewicht. Das heißt, statt Eigenlast heben die Triebwerke der Su-35S mehr Waffenlast. Und sie beschleunigen die Maschine im Nachbrennermodus auf die 2,3-fache Schallgeschwindigkeit.

    Doch das Alleinstellungsmerkmal der Su-35S ist natürlich die Manövrierbarkeit. Dafür lobte der mit einem Heldenorden ausgezeichnete russische Testpilot Sergej Bogdan die Maschine in einem Interview: „Nehmen wir an, in einem Luftkampf hängt sich ein gegnerischer Abfangjäger hinten an die Su-35 dran. Dann sind mit dieser Maschine eine rasche Wendung um die eigene Achse, schnelle Zielsuche und unverzüglicher Gegenangriff möglich. Den Gegner abzuhängen, ist praktisch aussichtslos. Aber die Su-35S meistert die Lage auf ihre Weise, ohne dabei an Stabilität und Steuerbarkeit einzubüßen.“

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    Im Jahr 2005 beschloss das russische Verteidigungsministerium, den Hersteller der Su-35 mit der Serienfertigung der Maschine zu beauftragen. Im Februar 2008 flog der erste Prototyp des Mehrzweckjägers, im August 2009 feierte das Flugzeug auf der Moskauer Luftfahrtmesse MAKS sein Debüt.

    Das russische Verteidigungsministerium bestellte damals 48 dieser Maschinen zur Auslieferung in den Jahren 2012-2015. Und nach der Vorstellung der Su-35 in Le Bourget bestellten auch ausländische Kunden – China und Indonesien – den russischen Kampfjet. Weitere 54 Stück werden wahrscheinlich nach Pakistan geliefert, die Verhandlungen stehen kurz vor dem Abschluss.

    Die russischen Streitkräfte setzen die Su-35S seit 2014 ein. Im Januar 2016 wurden einige dieser Mehrzweckjäger auf den Luftwaffenstützpunkt im syrischen Hmeimim verlegt. Ihr Hauptauftrag: Die russischen Jagd- und Langstreckenbomber zu decken, während sie die Terroristenstellungen in Syrien bekämpfen.

    Parallel dazu beobachten die russischen Su-35 laut westlichen Medien die Einsätze der US-Truppen, die in Syrien vor allem Terrorgruppen unterstützen.

    Mit den syrischen Einsatzerfolgen der Su-35S ist die russische Militärführung offensichtlich mehr als zufrieden. Im Februar 2018 sagte der russische Vize-Verteidigungsminister Juri Borissow, der russische Kampfjet sei in der Luft unübertroffen. Auch die Piloten lobten die Maschine nach dem Einsatz in Syrien, betonte der General.

    Der Einsatz in Syrien sei für die Zukunft der Su-35 in der Tat maßgeblich gewesen, sagt der Militärexperte Dmitri Kornew. Die Maschine habe die Erwartung sicherlich erfüllt. „Es ist nicht auszuschließen, dass die Einsatzmöglichkeiten des Mehrzweckjägers die Erwartungen unserer Streitkräfte sogar noch übertroffen haben“, sagt der Fachmann.

    Und das anhaltend große Interesse des russischen Verteidigungsministeriums und ausländischer Streitkräfte an der Maschine gibt dem Experten sicherlich recht.

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    Tags:
    Manöver, Kampfeinsatz, F-15, F-16, Su-27, Su-35S, Russland