23:00 19 November 2018
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    NATO-Aufklärungsflugzeug (Archiv)

    Spitzel über den Wolken: Wie die Nato Air Force russische Stellungen ausspioniert

    © AP Photo / Frank Augstein
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    Aufklärungsflüge der Nato entlang der russischen Grenzen haben in letzter Zeit sichtlich zugenommen. Die Spionagejets der US-Luftwaffe und ihrer Verbündeten fliegen über dem Schwarzen Meer, über der Ostsee und an den russischen Gewässern im Pazifik. Welche Technik setzen die Späher dabei ein?

    Wie wichtig Aufklärungsdaten für eine erfolgreiche Kampfführung sind, zeigt nicht zuletzt der Syrien-Krieg: Die anfängliche Überlegenheit der Dschihadisten über die syrischen Regierungstruppen war auch darauf zurückzuführen, dass die Guerillas von ihren Gönnern in Echtzeit mit Lagebildinformationen versorgt wurden. Erst durch das Eingreifen der russischen Luftwaffe mit ihren Aufklärungsfähigkeiten konnte diese Übermacht gebrochen werden.

    US-Soldaten im Rahmen der NATO Übungen Trident Juncture 2018
    © REUTERS / U.S. Marine Corps/Lance Cpl. Menelik Collins
    Moderne Aufklärungsflugzeuge sind inzwischen zu fliegenden Computern geworden. Optronische Sensoren, Digitalfunk und IT haben die Informationszeiten erheblich verringert. Die Daten werden praktisch ohne Verzögerung und Verzerrung an die Lagebildmonitore der Führungszentralen oder an die Tablet-PCs der Feldkommandeure übermittelt.

    Die Weiterentwicklung der Radartechnik hat die Grenzen des Aufklärungsgebiets auf hunderte Quadratkilometer ausgeweitet, während die Fernmeldeaufklärung die Truppen dazu befähigt, gegnerische Signalquellen zu identifizieren und zu klassifizieren. Die Auswertung dieser Daten gibt Aufschluss über die Art, den Zustand und die Funktion gegnerischer Truppen.

    Mit der heutigen Technik kann fremdes Gebiet auf eine Tiefe von bis zu 300 Kilometern ausgekundschaftet werden – das heißt: intensive Luftaufklärung ist ohne Überflug der Landesgrenzen möglich.

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    Das ist der Grund dafür, dass Aufklärungsjets der Nato an russischen Grenzen schwirren. Das Positive dabei: Sie geben russischen Flugabwehrstellungen und Kampfpiloten die Möglichkeit, unter echten Bedingungen alle Techniken der Ortung, Begleitung und falls nötig auch der Vertreibung der ungebetenen Beobachter zu trainieren.

    Den Kernbestand der Nato-Aufklärungskräfte stellen die USA. Sie setzen Flugzeuge wie die RC-135, die P-8 Poseidon oder die RС-130 ein. Ihre britischen und deutschen Verbündeten fliegen bei Aufklärungsmissionen speziell ausgerüstete Tornado-Jagdbomber.

    Eine deutliche Erleichterung bei Aufklärungsmissionen bringen die Drohnen. Sie können auch in einem massiven Störumfeld eingesetzt werden, ohne den Verlust der Besatzung zu riskieren. Und wegen der langen Flugzeit der autonomen Geräte hat die Gegenseite keine Chance, Truppenbewegungen und —verlegungen geheim zu halten.

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    Dauermissionen von bis zu 30 Stunden sind für bemannte Aufklärungsjets aufgrund natürlicher Belastungsgrenzen der Crew ein Ding der Unmöglichkeit – für die Drohnen aber der ganz normale Alltag.

    Gegenwärtig wird in der Nato das sog. „Towards NATO Forces 2020“-Programm umgesetzt. Demnach sollen die Truppen der Allianz „die Führungsstabilität, den Informationsgrad und die Effektivität der Aufklärungstechnik“ verbessern, um die „Entscheidungszeit beim Einsatz von Personal und Material“ zu verkürzen.

    Die Kernkomponenten dieses Programms sind die AWACS-Maschinen als Frühwarnkapazität in der Luft sowie die sog. automatisierten AGS-Systeme (Air Ground Surveillance), die aus Luftaufklärungskapazitäten und aus Bodenstationen zur Informationsverarbeitung bestehen.

    Auch wegen des „Towards NATO Forces 2020“-Programms hat die Zahl der unerwünschten Aufklärungsflüge entlang der russischen Grenze vielfach zugenommen. Worum es den „Luftspionen“ geht, ist zum einen das ganz alltägliche Leben der russischen Armee.

    Noch wichtiger sind aber Informationen über russische Manöver, Flug- und Schiffsabwehrstellungen, um für alle Fälle die „Entscheidungszeit beim Einsatz von Personal und Material“ zu verkürzen.

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    Tags:
    Aufklärungsjet, Radar, Manöver, AWACS-Flugzeug, NATO, Syrien, Russland