11:42 18 November 2018
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    Nato-Kriegsschiffe während des Manövers Trident Juncture 2018

    Prüfstein für Russland: Nato lässt Muskeln in der Arktis spielen

    © AFP 2018 / Jonathan Nackstrand
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    Vielleicht wäre es lustig, wenn es nicht gefährlich wäre. Die Nato hat in der Nacht zum Donnerstag ihr größtes Manöver seit Ende des Kalten Krieges gestartet, wie die deutsche Zeitung „Die Welt“ schreibt.

    An den Übungen „Trident Juncture“ an der Küste Norwegens nimmt die so genannte VJTF (Very High Readiness Joint Task Force) teil – eine sehr schnelle Eingreiftruppe, wie das russische Internetportal „fondsk.ru“ berichtet.

    Zuvor hatte die Nato über eine so genannten „einfache“ schnelle Eingreiftruppen verfügt, doch während des Ukraine-Konfliktes fürchtete die Nato die „Aggression Russlands“ im Donbass und rief die Very High Readiness Joint Task Force ins Leben. Nun kommt es zu einem „sehr schnellen“ Muskelspiel nahe der Atlantikküste Russlands, die weit weg von der Ukraine liegt.

    Nato-Kriegsschiffe während Seemanövers Trident Juncture in Norwegen
    © REUTERS / CDR Denver Applehans/ NATO Maritime Command Public Affairs/ Handout

    Die Frage, warum die Nato über einen möglichen Angriff Russlands aus dem Polargebiet besorgt ist, erweckt gewisse Gedanken. Am Nato-Manöver „Trident Juncture“ nehmen die neutralen Länder Finnland und Schweden teil. Was machen diese Länder bei diesen militärischen Veranstaltungen? Diese Manöver beginnen in der kalten Jahreszeit und bei heranrückenden Frosttemperaturen im Nordatlantik. Das ist kein unwichtiges Detail. Fast alle 100.000 beteiligten Nato-Soldaten und die Technik sind an solche Bedingungen nicht gewöhnt. Sollen sie das zu meistern lernen?

    Im August absolvierte die Nato Seemanöver mit U-Booten in diesem Gebiet. Die Seestreitkräfte Dänemarks, Polens, Spaniens, der Niederlande und der Türkei übten im Rahmen der Standing NATO Maritime Group One die Entdeckung, Verfolgung und Vernichtung von U-Booten, die aus russischem Hoheitsgewässer kommend im Nordatlantik unterwegs sind.

    US-Soldaten im Rahmen der NATO Übungen Trident Juncture 2018
    © REUTERS / U.S. Marine Corps/Lance Cpl. Menelik Collins
    Brandherde sind derzeit Syrien und die Ukraine. Hier wäre wohl ein Nato-Muskelspiel gegen einen „potenziellen Aggressor“ logisch gewesen. Doch das Schwergewicht bei der Vorbereitung auf den Krieg verschiebt sich immer mehr in Richtung Norden. An den Übungen nimmt ein Schiffsverband mit dem Flugzeugträger USS Harry S. Truman an der Spitze teil. Auch an der westlichen Grenze werden  Nato-Übungen abgehalten, doch ihr Ausmaß ist mit denen im Nordatlantik nicht vergleichbar. Dort wurden zwei Wochen lang kostspielige Übungen offenbar unter dem Motto organisiert – „Wir gehen ins Nordpolarmeer“.

    Eigentlich hätte man das erwarten müssen. Die Festigung der Positionen Russlands in der nördlichen Richtung, das Auftauchen russischer Stützpunkte und der Antrag auf die Erschließung des Lomonossow-Schelfs bis zum Polarkreis sorgten für eine Reaktion des Westens. Er wird Russland nicht einfach so ein Gebiet mit vielen Bodenschätzen überlassen.

    Eine andere Sache ist, dass es nicht einfach ist, einen überzeugenden Vorwand für die militärische Einmischung in der Arktis zu schaffen. In Sowjetzeiten war Moskau bei der Erschließung dieser Gebiete dem Westen deutlich voraus, weshalb Russland nun alle Gründe für die weitere Nutzung dieser Gebiete hat. Unter diesen Bedingungen bedient sich die Nato erneut des Vorwands der „russischen Bedrohung“. Nicht zufällig nehmen an den Übungen Schweden und Finnland teil. Sie können sich als erste „Opfer“ des „Angriffs Russlands auf fremde Bodenschätze“ erweisen.

    Es wird kaum verwunderlich sein, wenn die nächsten Übungen bei Spitzbergen und Nowaja Semlja stattfinden, um die es einen Streit zwischen Russland und Norwegen gab. Obwohl viele Streitigkeiten in den vergangenen Jahren beigelegt wurden, änderte sich die Situation nach der Entdeckung neuer Vorkommen in der Barentssee. Die norwegischen Ölvorkommen in der Nordsee gehen zur Neige. In der Barentssee wurden bereits in den 1970er-Jahren große Vorräte an Kohlenwasserstoffen entdeckt. Dort befindet sich unter anderem der Schelf-Abschnitt Fedynski, eines der weltweit größten Gasvorkommen, dessen Vorräte um das Dreifache größer als die Stockman-Vorräte sind. Unweit der Grenze Norwegens liegt das Stockman-Vorkommen, eines der größten Gaskondensat-Vorkommen in der Welt, das im russischen Gebiet der Barentssee liegt. Vielleicht wird die Nato feststellen, dass der unterirdische Teil des Stockman-Vorkommens sich auf das Territorium des norwegischen Nachbarn ausdehnt? Das wird eine große Überraschung mit weitreichenden Folgen sein.

    Für den Westen spielt es eigentlich keine Rolle, wie der völkerrechtliche Status der Gebiete und des Gewässers des arktischen Gebiets ist. Am wichtigsten ist, die Positionen Russlands auf den Prüfstein zu legen und zu versuchen, die arktischen Bodenschätze unter Kontrolle zu nehmen.

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    Tags:
    Kriegsschiffe, Eskalation, Kriegsgefahr, Gasvorkommen, Übung, Großmanöver, Seemanöver, Ölvorkommen, USS Harry S. Truman, Manöver Trident Juncture, NATO, Jens Stoltenberg, Barentssee, Arktis, Schweden, Finnland, Ukraine, Russland, USA, Norwegen