10:17 17 November 2018
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    US-Flugzeugträger USS John C. Stennis (Archivbild)

    Flugzeugträger der USA: Der Ruhm ist vorbei - die Zukunft geht unter

    © Foto: U.S. Navy/ Mass Communication Specialist 2nd Class Jacob Estes
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    Es spricht einiges dafür, dass Flugzeugträger als Schiffstyp bald der Vergangenheit angehören werden: ausufernde Betriebskosten, abnehmende Schlagkraft und sinkende Gefechtsbereitschaft, dazu der ständige Reparaturbedarf. Und die Hyperschallwaffen – sie sind das stärkste Argument für das nahende Ende der Flugzeugträgerzeit.

    Ob es nur „bedauernswerte Einzelfälle“ sind oder ob die US-Regierung ein systembedingtes Problem vor den Steuerzahlern verheimlichen will, sei dahingestellt. Aber Berichte über Störfälle mit dem neuesten Flugzeugträger der US Navy – der USS Gerald Ford – häufen sich.

    Das „Business Insider“-Magazin hat vor kurzem eine Liste der schlechtesten Flugzeugträger der Welt aufgestellt („These are the world's 7 worst aircraft carriers that are currently in service“, heißt der Artikel). Dass eine US-Zeitschrift darin auch den russischen Flugzeugträger listet – ist wohl geschenkt. Dass aber dieselbe Zeitschrift die „Gerald Ford“ als einen Flopp einstuft, gibt einem doch zu denken.

    Aber andererseits: Was hat die „Gerald Ford“ eigentlich zu bieten? Ja, sie ist um rund 30 Prozent schlagkräftiger als die „Nimitz“-Klasse. Aber dafür kostet sie auch das Dreifache eines der Flugzeugträger, die die US Navy gegenwärtig einsetzt.

    Probleme mit dem Antriebssystem und dem vielgepriesenen Magnetkatapult verteuern den Betrieb des ohnehin teuersten Schiffs der US Navy zusätzlich. Und als wäre das nicht schlimm genug, kommt dieses Problem noch hinzu: „Die derzeit verfügbaren Kapazitäten in den Reparaturdocks der Schiffbauer entsprechen nicht den künftigen Anforderungen“, stellte der US-Rechnungshof vor einem Jahr fest. Rund ein Drittel aller notwendigen Reparaturen wird demnach nicht erledigt werden können. „Das betrifft die Flugzeugträger ebenso wie circa 50 U-Boote.“

    Amerikanische Schiffbauer haben also keine Möglichkeit, dem Reparaturbedarf der US Navy in Gänze nachzukommen. Diese Information sticht besonders hervor vor dem Hintergrund eines Pentagon-Konzepts, das der Verteidigungsminister James Mattis in großen Tönen gelobt hat: das „Dynamic Force Employment“ (zu Dt. etwa „Dynamische Truppenmobilisierung“).

    Demnach soll die US-Marine befähigt werden, ihre Kräfte einschließlich der Flugzeugträger überall auf der Welt innerhalb von 96 Stunden zu mobilisieren, um einem beliebigen Gegner den ersten, „entwaffnenden“ Schlag versetzen zu können.

    Doch in diesem Jahr hat das Pentagon-Konzept mehrmals schon versagt – aus technischen Gründen. Im April schloss sich die „USS Harry Truman“ der „Bestrafungsaktion“ gegen den syrischen Präsidenten Assad an. Die Teilnahme des Flugzeugträgers an den Luftangriffen gegen die syrische Infrastruktur war jedoch eher symbolisch als wirklich wirkungsvoll.

    Danach sollte das Schiff in den Persischen Golf verlegt werden, um dem Iran zu zeigen, wer in der Region das Sagen hat. Stattdessen fuhr die „Harry Truman“ in den Heimathafen zwecks dringender Reparaturen.

    Dafür wurde sie im Reparaturdock in Norfolk bereits von ihren Kolleginnen erwartet: der „USS Dwight Eisenhower“ und der „USS George Bush“, deren Instandsetzung sich um ein weiteres Jahr verzögert.

    Ausgerechnet am Golf-Einsatz der „Harry Truman“ wollte Verteidigungsminister Mattis das neue Mobilisierungskonzept des Pentagons – das „Dynamic Force Employment“ – in der Praxis demonstrieren. Nur ging leider etwas schief, und der Flugzeugträger ist erst nach drei Monaten, im August dieses Jahres, in den aktiven Einsatzdienst zurückgekehrt.

    Manche Experten werten die Unzuverlässigkeit amerikanischer Flugzeugträger gar als Bedrohung für künftige Einsätze: „Die Situation wird zunehmend zu einem Schlag gegen die Navy selbst“, schreibt das Fachportal „Dedefensa“. Die Technik werde immer schwieriger und teurer im Betrieb. „Das macht sich vor allem an den Flugzeugträgern bemerkbar. Das ist wohl das, was Mattis sich unter dem ‚Dynamic Force Employment‘ vorgestellt hat.“

    Die Probleme mit der „Gerald Ford“ und anderen Flugzeugträgern der Vereinigten Staaten sind dabei nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Davor hatte es bei der US Navy aber auch schon Ärger mit den „Zumwalt“-Zerstörern und den Schweißnähten von „Virginia“-U-Booten gegeben.

    Dabei wurden dem Pentagon unvorstellbare 716 Milliarden Dollar für die Ausstattung der Navy mit neuen Schiffen bewilligt, nachdem Trump seinen Wählern versprochen hatte, die Schlagkraft der amerikanischen Marine auf 355 Einheiten aufzustocken.

    Doch jetzt das! Diese Blamage: Flugzeugträger gehen kaputt, Bündnispartner nörgeln, die Russen und die Chinesen lachen ins Fäustchen … Und dazu erweisen sich noch die Berichte als richtig, dass Russland Hyperschallwaffen erfolgreich testet, die jedes Seeziel treffen können.

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    Hyperschallwaffen, Atom-U-Boot, Kriegsflotte, Flugzeugträger, Kriegsschiffe, Modernisierung, US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford, USS Harry S. Truman, USS Zumwalt, U.S. Navy, Baschar al-Assad, Persischer Golf, USA